Babica / Babka

babica, babka, f.: Hebamme.

In traditionell lebenden Roma-Gemeinschaften gilt alles, was mit der Geburt zusammenhängt, als "unrein". Deshalb sind auch die Dienste einer Hebamme "unrein" und nur wenige Roma-Frauen üben diesen Beruf aus. In einigen Gruppen (z.B. bei den Sinti) war es bis vor kurzem Brauch, alles zu verbrennen, was in Verbindung mit einer Geburt stand – sogar den Wagen, in dem die Geburt stattgefunden hatte. Aus diesem Grund brachten Sinti-Frauen ihre Kinder im Freien oder später, wenn möglich, in einem Spital auf die Welt.

In Indien ist das ähnlich: Nur in wenigen Kasten (z.B. Ehefrauen von Friseuren: náí) bieten die Frauen ihre Hilfe bei Geburten an. Es gibt Fälle, wo Kasten-Mitglieder den Frauen ihrer eigenen jati aus dem einen oder anderen Grund Geburtshilfe leisteten und die gesamte Gemeinschaft daraufhin in der Kastenhierarchie auf eine niedrigere Stufe sank: deren Mitglieder kamen nicht mehr als Heiratspartner in Frage, ihr Essen wurde nicht mehr angenommen etc.

Rituell "unrein" bezieht sich nicht nur auf die Geburt, sondern auch auf alle Ausscheidungen des Unterleibs. Für die Mitglieder einiger Roma-Gesellschaften gelten medizinische Berufe als "unrein", weil Ärzte mit Exkrementen und "unreinen" Teilen des Körpers in Kontakt kommen. (Ärzte und "Heiler" waren auch im mittelalterlichen Europa mit dem Stigma der Unreinheit behaftet.)

Tod und alles, was damit verbunden ist, wie die Kleider des Toten, gelten ebenfalls als "unrein". Sogar unter sesshaften Roma, bei denen die Bedeutung dieser Tradition – unter dem dauerhaften Einfluss der Nicht-Roma-Umgebung – nachgelassen hat, werden die Kleider der Toten verbrannt oder auf Flohmärkten (an Gadže) verkauft; auf keinen Fall werden sie von Roma getragen.

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