Žužo

žužo ("rein", "reinlich")

Bezieht sich auf Hygiene ebenso wie auf Ethik. Ein Haus rein zu halten, gehört zu den Hauptaufgaben einer Frau.

Žužo chaben ("reines Essen")

Der Begriff "rein" ist hier im rituellen Sinn zu verstehen. Pferdefleisch, Hunde, Katzen, Dachse, Murmeltierbeutel oder Fleisch von toten Tieren werden nicht als reines Essen angesehen. Reines bzw. unreines Essen stellte die hauptsächliche Barriere zwischen žuže Roma ("reinen Roma") und degeši ("unreinen Roma") dar. [Mahrime]

Diese Barriere ist schon sehr alt. Seit Menschengedenken leben indische jati (Kasten) voneinander getrennt. In Indien gelten sowohl Schweine- als auch Pferdefleisch als unrein. Jene Kasten, deren Mitglieder kein Pferde- oder Schweinefleisch essen, betrachten sich als "höher stehend". Menschen aus solchen Kasten würden niemals Essen in Wohnungen zu sich nehmen, in denen die Menschen zum Beispiel Pferde- oder Schweinefleisch konsumieren.

Sind die Unterschiede der Essgewohnheiten zweier Kasten nicht zu groß, würde jemand aus einer "besseren" Kaste kaccha khana (rohes Essen) essen, sofern die Hand des Gastgebers es bei der Zubereitung nicht berührt hat: eine Banane, einen Apfel (er würde ihn schälen), Milch etc. Er würde kein pakka khana (gekochtes Essen) zu sich nehmen. Wenn aber ein Gast aus einer "niederen" Kaste eine Wohnung eines Mitglieds einer "höheren" Kaste besucht (wo "reines" Essen zu sich genommen wird), wirft der "reine" Gastgeber den Teller, von dem der degeš gegessen hat, danach weg.

So war es (und ist es teilweise heute noch) auch bei den Roma. Ein "reiner" Rom würde in einer Wohnung eines degeš niemals Essen annehmen. Wenn er nicht genau weiß, welche Art von Familie er gerade besucht, wird er "trockenes Essen" – in einem Geschäft gekauftes Essen – zu sich nehmen. Er selbst würde dort nie von einem fremden Teller essen.

Žuže Roma ("reine Roma")

Žuže Roma verweigern jegliche Art von "unreiner Nahrung" (žužo chaben) und nehmen z.B. kein Pferde-, Hunde- oder Katzenfleisch zu sich. Zudem kennen sie auch die Bedeutung von Ehre und Bescheidenheit und halten sich an ihre Bräuche und ihre Kultur – ihre romipen.

Damit soll natürlich nicht suggeriert werden, dass Roma, die Pferdefleisch essen, keine ehrenhaften Menschen sind. Ein Sprichwort besagt: "Beleidige niemanden, denn du kennst das Herz eines Menschen nicht!" Es ist auch möglich, dass Roma, die Pferdefleisch essen, sich ehrenhafter verhalten als "reine Roma". Zudem hat sich der Lauf der Welt heutzutage gewandelt und man betrachtet solche Themen mit anderen Augen.

Žuži Romňi ("reine Frau", "reinliche Frau")

1. Eine Žuži Romňi hält sich auch beim Kochen an die Gebote der Reinlichkeit. Bevor sie damit beginnt, wäscht sie ihre Hände und bindet sich ein Kopftuch um, damit kein Haar in das Essen fallen kann. Sie untersucht alle Töpfe, Schalen, Krüge und das Besteck, um zu sehen, ob alles rein ist, und – selbst wenn sie sauber sind – spült sie neuerlich ab. Die Gegenstände, die sie zum Kochen verwendet, werden nie zu etwas anderem verwendet, zum Beispiel für das Waschen der Wäsche oder das Abwaschen des Geschirrs. Während eine Frau kocht, darf sie sich nie ihre Nase putzen. Hält eine Frau diese Regeln nicht ein, wird sie von den anderen als degeška behandelt und sie werden nie mehr bei ihr zu Hause essen.

Früher durften Frauen während ihrer Menstruation nicht kochen. Einst hielten sich die Roma an so strenge Regeln, dass zum Beispiel die Schwiegermutter ihre Schwiegertochter aus der Küche warf, wenn diese mürrisch oder schlechter Laune war oder gar weinte, damit ihr Ärger oder ihre Traurigkeit das Essen nicht verderben würde. Eine "reinliche Frau" wärmt Überreste niemals auf. Sie wirft sie weg, damit jeder sie sehen kann. Man sagt, dass die "Totengeister" vom Geruch der Überreste angelockt werden können. Eine reinliche Frau hält ihr Heim sauber: Sie kehrt es am Morgen und immer wieder im Laufe des Tages.

2. Eine "reine", "unbesudelte" Frau zu sein bedeutet, dass sie ehrenhaft ist. Man sagt, dass "sie von keinem anderen Mann besudelt wurde".

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