Mangavipen

mangavipen, m.: Verlobung; Feierlichkeit, bei der sich ein Paar aneinander bindet.

Nach dem mangavipen beginnen die zwei jungen Leute (terne) als Mann und Ehefrau zusammenzuleben. Die durch das Familienfest mangavipen bestätigte Verbindung bindet das Paar ein Leben lang aneinander.

In der Vergangenheit waren es grundsätzlich die Eltern, die die Partner für ihre Kinder auswählten. Die Vereinigung betraf nicht nur die "jungen Leute", sondern verband auch alle ihre Verwandten. Man achtete besonders auf die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Vorteile, die sich aus einer Verbindung der zwei jungen Menschen ergaben. In vielen Fällen akzeptierten die Eltern die von den Kindern selbst getroffene Wahl, sofern diese nicht im Gegensatz zu den kulturellen Normen der Gemeinschaft stand.

Anders als die eigentliche Hochzeit (bijav), die mit Prestige und Status verbunden war, fand der mangavipen nur im Familienkreis statt. Der "junge Mann" (terno) ging mit seinen Eltern zur Wohnung der Eltern des Mädchens und hielt um ihre Hand an (te mangavel la čha). Man brachte Alkohol mit und besiegelte die lebenslange Verbindung im Rahmen einer Familienfeier. Dann nahm die Familie des jungen Mannes das Mädchen – gewöhnlich am zweiten Tag – mit zu sich nach Hause oder, genauer noch, brachte sie zur ke sasvi (Schwiegermutter); von da an lebte das Paar zusammen.

Da es bei slowakischen und ungarischen Roma-Gesellschaften als "größte Sünde" (jekhbareder binos) galt, wenn zwei nahe Verwandte eine Beziehung eingingen – z.B. Cousins und Cousinen ersten oder zweiten Grades –, musste die Braut meistens außerhalb der eigenen Gemeinschaft gesucht werden. Zu diesem Zweck zogen Gruppen von jungen Männern durch die gesamte Nachbarschaft – "andro štarto, pandžto gav" ("bis zum vierten oder fünften Dorf") –, um "nach Mädchen Ausschau zu halten" ("te dikhel čhajen") und ihnen "den Hof zu machen" (te mangavel). Je weiter sie sich vom Heimatdorf entfernten, desto geringer war die Wahrscheinlichkeit einer Verwandtschaftsbeziehung. Danach gaben die jungen Männer ihren Eltern "einen Hinweis", die dann über die beabsichtigte Braut entschieden.

Die Eltern nützten alle möglichen traditionellen Treffen der Gemeinschaft der Roma, um Informationen über geeignete Partner für ihre Kinder zu erhalten: Messen, Hochzeiten, pro foros – spezielle Plätze in der Stadt (öffentliche Orte), wo sich die Roma der umliegenden Dörfer trafen. Für die Wahl eines passenden Partners war es wichtig, über die eigene Gemeinschaft hinauszugehen. Während des Zweiten Weltkriegs, als die Roma verfolgt und ermordet wurden und verschiedene Maßnahmen ihre Bewegungsfreiheit einschränkten, hatten die Roma nicht nur wirtschaftlich, sondern auch in soziokultureller Hinsicht mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Es kam deshalb nicht selten vor, dass ein junger Mann mit seinen Eltern – aus der Not heraus – seine Cousine besuchte, um um sie zu werben (te mangavel); die Roma-Gemeinschaft musste über diese "größte Sünde" (jekhbareder binos) hinwegsehen. Auf diese Weise zwang die Mehrheitsgesellschaft die Roma, ihre ethisch-sozialen Normen zu missachten – und es war gerade diese Gesellschaft, die sie dann für dieses Verhalten verachtete.

Image Druckversion