Vartování

vartování: "die Totenwache halten".

Für ein verstorbenes Mitglied der fameľija"Wache zu halten", ist immer noch eine unbedingte Pflicht aller Verwandten. Jemand, der an der Totenwache und am Begräbnis ohne ausreichende Entschuldigung nicht teilnimmt, kann nicht mehr auf den Rückhalt der Familie zählen.

In der Vergangenheit dauerten Totenwachen drei Tage lang – vom Zeitpunkt des Todes bis zum Begräbnis. Der von brennenden Kerzen umgebene Leichnam lag in einem abgegrenzten Bereich der Wohnung. Manchmal wurden Münzen auf die Augenlider des Toten gelegt, um ihn davon abzuhalten, die Augen zu öffnen. In einem anderen Teil des Raums oder in einem anderen Zimmer hielten die Trauernden Wache. Während die engsten Verwandten lautstark ihrer Trauer über den Verlust ihres Vaters oder ihrer Mutter – oder möglicherweise ihres Sohns oder ihrer Tochter – Ausdruck verliehen, unterhielten sich die anderen im Raum, damit die drei oder vier Tage der vartování schneller vergingen.

Zu den üblichen Möglichkeiten, sich die Zeit kurzweiliger zu gestalten, zählte es vor allem, Geschichten über die verstorbene Person – natürlich wurden dabei seine guten Eigenschaften hervorgestrichen – zu erzählen. Sogar Lachen verletzte keineswegs die Trauerregeln, wenn es sich auf humorvolle Geschichten bezog. Die Trauergäste erzählten während ihrer Wache auch Märchen (paramisa) und Heldengeschichten (vitejsika paramisa), die oft mehrere Stunden dauern konnten. Auch in diesem Fall wurde es nicht als pietätlos erachtet, die anderen durch unbeschwerten Humor zu erheitern.

An vielen Orten spielten die Trauergäste ein eher laszives Spiel namens lopatki (andernorts hajavišu genannt): Sie banden einem der Teilnehmer die Augen zu und ein anderer schlug ihm mit zwei Fingern auf das Hinterteil. Er musste erraten, wer es gewesen war. Nannte er den falschen Namen, musste er ein Pfand geben; erriet er die Person, übernahm ein anderer seinen Platz. Eine Ablenkung der Männer war das Kartenspiel.

Während der Totenwache aßen und tranken die Leute; sich zu betrinken war jedoch unangebracht. Man spielte weder Musik noch wurde gesungen – Musik begleitete den Toten nur beim Begräbnis am Friedhof.

Die Totenwache wird immer noch in der Wohnung des Verstorbenen abgehalten, aber mit dem Unterschied, dass der Leichnam heute gleich nach Eintreten des Todes von den Leichenbestattern weggebracht wird. Für die Totenwache werden Kerzen an einem eigens vorbereiteten Ort, an dem ein Foto des Verstorbenen steht, angezündet. Die Totenwache dauert dann bis zum Tag des Begräbnisses, kann also auch länger als die ursprünglichen drei Tage dauern. Es kommt häufig vor, dass die Verwandten für die Zeit der Totenwache Urlaub nehmen. Sie würden eher disziplinäre Konsequenzen am Arbeitsplatz in Kauf nehmen, als mit der nahe stehenden Roma-Gemeinschaft und ihren alten Geboten, welche die Anwesenheit bei der Totenwache vorschreiben, in Konflikt zu geraten.

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Image Dragan Jevremović über das Totenbrauchtum bei den Kalderaš