Bijav

bijav, m. (Ind.): Hochzeit, Hochzeitsfeier.

Ein bijav stellt keine Voraussetzung zur Bestätigung des Ehebundes dar. Die eigentliche Segnung des Zusammenlebens eines Paares ist der mangavipen. Ein bijav hingegen ist ein gesellschaftliches Ereignis und kann auch erst nach Jahren, nachdem ein mangavipen stattgefunden hat, abgehalten werden – wenn die Familien des Ehepaares über genügend Geld verfügen und so die Hochzeitsfeier ihr gesellschaftliches Prestige ausdrücken kann. Während der mangavipen im kleinen, familiären Rahmen stattfindet, können zu einem bijav mehrere Hundert Gäste eingeladen werden.

Die Gültigkeit eines bijav wurde nur von den Roma akzeptiert, obwohl die Zeremonie in der Vergangenheit manchmal auch in der Kirche oder im Rathaus offiziell bestätigt wurde. Die Paare hielten eine offizielle Zeremonie vor allem wegen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Drucks von Seiten der Behörden ab. Auf eine Ehe, deren Schließung auf Vertrauen beruhte (pre vera), wurde von den Gadže (Nicht-Roma) herabgesehen, so wie in deren eigener Gesellschaft Frauen verachtet wurden, die unverheiratet in einer Partnerschaft zusammenlebten. Früher hatten Frauen, die in solchen außerehelichen Gemeinschaften lebten, kein Recht auf die verschiedenen Formen finanzieller Unterstützung, die rechtmäßigen Ehefrauen zustanden.

Wenn junge Roma nicht in der Kirche oder standesamtlich geheiratet hatten, wurden ihre Kinder von der Nicht-Roma-Gesellschaft als unehelich bezeichnet. Es ist vorgekommen – und kommt immer noch vor –, dass Kinder, die vor einem offiziellen Gadže-Festakt geboren werden, den Namen der Mutter tragen müssen, während Kinder, die nach einer offiziell anerkannten Eheschließung auf die Welt kommen, den Namen des Vaters erhalten.

Sowohl bijav als auch mangavipen sind Feiern, welche die Partner aneinander binden, bis sie durch den Tod getrennt werden, wie dies in den folgenden Worten ausgedrückt wird: Ko kas peske lel, mi leha džive. ("Jene, die heiraten, sollen zusammenleben – bis dass der Tod sie scheidet.")

Während eines bijav, der Hochzeitsfeier, wird das Paar von einem čhibalo (Bürgermeister, wörtlich: "Sprecher") getraut, der von den Verwandten des Paares ad hoc ausgewählt wird. Diese Person ist ein älterer, angesehener Mann, der gut spricht, sodass seine Worte ein Leben lang in den Seelen der Frischvermählten verankert bleiben. Der erste Wunsch für das Brautpaar ist, dass sie gemeinsam alt werden (te phuron dujdžene) – und dass sie ihr ganzes Leben lang zusammenbleiben mögen. Es werden ihnen auch "so viele Kinder, wie es Sterne am Himmel gibt – und dann noch eines mehr" (kaj tumen te aven čhave, keci hin pro ňebos čercheňa a mek jekheha buter) gewünscht.

Bei den sesshaft lebenden Roma-Gesellschaften der Servika-Roma wird während des bijav eine Reihe von Ritualen durchgeführt, die von Ort zu Ort verschieden und von den regionalen Bräuchen der angrenzenden Gadže beeinflusst sind. (Im östlichsten Teil der Slowakei zum Beispiel pflegen Roma auch den Brauch der in diesem Gebiet ansässigen ruthenischen Minderheit, der darin besteht, dass ein Wassereimer ausgeschüttet wird und das Paar dann die Flüssigkeit gemeinsam mit einem Tuch aufwischen muss.) Ein alter Brauch, der wahrscheinlich in Indien seinen Ursprung hat, ist ein Ritual, bei dem der čhibalo die Handgelenke von Braut und Bräutigam mit einem Schal (üblicherweise rot) – oder früher mit Stroh – zusammenbindet. Dann gießt er in jede der beiden Handflächen etwas Brandy. Der Bräutigam trinkt daraufhin aus der Hand der Braut und die Braut aus der Hand ihres Bräutigams. In Nordwestindien werden anstelle des Brandys Süßigkeiten in die am Gelenk zusammengebundenen Hände gelegt und das junge Paar füttert sich gegenseitig.

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Image Roma-Hochzeit (Oberwart [Bgld.]/Österreich)
Image Hochzeitsfest bei den Servika-Roma (Tschechien)
Tanzende Frauen auf einer Hochzeit (Skopje), August 1997
Roma-Hochzeit (Český Krumlov [Tschechische Republik])
Roma-Hochzeit (Český Krumlov [Tschechische Republik]), 1980