"Tschechische" Roma

Tschechische Roma sind eine ethnische Untergruppe der Roma, die seit Ende des 14. oder dem beginnenden 15. Jahrhunderts auf tschechischem Gebiet lebt. [Ankunft in Europa] Die geschichtliche Entwicklung ließ es – anders als in der Slowakei – nicht zu, dass sich Roma auch in Tschechien dauerhaft niederließen. Noch im Jahr 1939, als die tschechische Republik von NS-Deutschland besetzt wurde, hatte nur ein Teil der "tschechischen" Roma einen festen Wohnsitz.

Während des Krieges wurden auch die Roma aus dem "Protektorat Böhmen und Mähren" nach Auschwitz deportiert und ermordet. Von ungefähr 7.000 Menschen überlebten nur 600 den Krieg. Heute existiert in der Tschechischen Republik eine eigene politische Organisation der Nachkommen der überlebenden Opfer. Eines der Hauptziele ihres Vorsitzenden Čeněk Růžička ist es, die Öffentlichkeit über den Völkermord an den 1939 im "Protektorat" lebenden Roma aufzuklären und darauf hinzuwirken, dass den Opfern mit größerem Respekt begegnet wird – zum Beispiel durch die Beseitigung einer Schweinefarm von dem Ort, an dem die Gefangenen des "Zigeunerlagers" in Lety (in der Nähe von Písek) begraben wurden. [ Erste Deportationen und Internierung in Sammellager / ]

Das Komitee für die Entschädigung von Roma-Opfern des Holocaust, dessen Vorsitz ebenfalls Čeněk Růžička innehat, arbeitet mit dem Tschechisch-Deutschen Zukunftsfonds zusammen. Durch ihre Vermittlung wurde Roma-Opfern des Nationalsozialismus am 8. Februar 2001, also fast 56 Jahre nach Ende des Krieges, von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft eine Entschädigung zugestanden.

Zu den traditionellen Berufen der Tschechischen Roma zählen Pferdehandel (als die bekanntesten Pferdehändler gilt die Serynek-Familie), Kesselhersteller (die Bělo-Familie), Messerschleifen (Serynek-Familie), Kunsthandwerk etc.

"Tschechisches"Romani ist eng mit der Sprache der "slowakischen" Roma (Servika-Roma) verwandt. Im Jahr 1821 beschrieb dies ausführlich Antonín Jaroslav Puchmajer in seinem Werk "Romani čib", eine der ersten wissenschaftlich verfassten Romani-Grammatiken. Unglücklicherweise hatte der Genozid der Nationalsozialisten auch zur Folge, dass mit der Ermordung der Tschechischen Roma auch ihre Sprache verschwunden ist.

Seit kurzem neigen Slowakische Roma (Servika-Roma), die in tschechischen Gebieten geboren wurden und Nachkommen jener Roma sind, die nach 1945 von der Slowakei nach Tschechien emigrierten waren, dazu, sich selbst als "tschechisch" zu bezeichnen. Dennoch unterscheiden sich ihre traditionellen Berufe, ihre Lebensart, ihre Geschichte und Dialekte von jenen der "tschechischen" Roma.

Die "mährischen" Roma, denen dasselbe Schicksal wie den "tschechischen" Roma widerfahren ist, leben von den "tschechischen" Roma getrennt. In Mähren war es den Roma leichter möglich, sich niederzulassen; es bot sich ihnen dort die Möglichkeit, sich auf den Länderein der Adelsfamilie Kounic anzusiedeln. Dieses Thema behandeln die Roma-Historiker Bartoloměj Daniel und Jana Horváthová, wobei Letztere selbst aus einer "mährischen" Roma-Familie stammt.

Das "mährische" Romani ist mit dem "tschechischen"Romani und den westslowakischen Romani-Dialekten eng verwandt. "Mährische" Roma der Holomek-Familie waren unter den Gründern der Romani Union in der Tschechischen Republik (1969-1973).

Literatur

Bartoloměj, Daniel (1994) Dějiny Romů. Vybrané kapitoly z dějin Romů v západní Evropě, v Českých zemích a na Slovensku, Olomouc.
Horváthová, Jana (2002) Kapitoly z dějin Romů. Praha.
Puchmajer, Antonín Jaroslav (1821) Romani čib. Praha.
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