Osada ("Zigeunersiedlung")

osada (Slowakisch): "Zigeunersiedlung", eine Siedlung, in der Roma-Gemeinschaften leben.

Im slowakischen (oder ungarischen) Romani entsprechen dem Ausdruck "Zigeunersiedlung" viele Lehn- und Ursprungswörter, Synonyme und dialektale Ausdrücke, die manchmal schwierig in eine andere Sprache zu übersetzten sind. Beigefügte Adjektiva sind romano / romaňi / romane (m., f., n.) und amaro / amari / amare (unser – m., f., n.): romaňi vatra, romaňi koloňija, romano pero (Ungrika-Roma).

Der Ausdruck romane/ amara chara (wörtlich: Roma-/ unsere "Löcher") erinnert uns an die Zeit, als sich Roma in einigen Gebieten Erdhäuser – in den Boden gegrabene Hohlräume – bauten. Weitere Termini für osada sind auch romane/ amare thana (Roma-/ unsere Orte, romane/ amare khera (Roma-/ unsere Häuser), romane/ amare heli/ helički (Roma-/ unser Platz/ kleine Plätze).

Viele Siedlungen entstanden auf Plätzen, die von Adeligen eigens für bestimmte Roma-Gruppen [Vajda] vorgesehen waren, damit diese ihre traditionellen Roma-Berufe (z. B. Musiker und Schmiede) anbieten konnten. Auf diese Weise entstanden "Musikersiedlungen" (lavutariko pero, sg.) in Ihráč (L. Goral) und in Klenovec (J. Cibula).

In den 1920ern benötigte die Bevölkerung der kleinen Stadt Velký Šariš, einer bereits dicht besiedelten "Musikersiedlung", Baumaterialien für die Errichtung von weiteren Wohnmöglichkeiten. Sie warb die "Zigeunerfamilie" Bílý an, die im Land als valkara (Hersteller von Lehmziegeln) bekannt waren. Die Gemeinde stellte den valkara ein Grundstück am von der "Musikersiedlung" aus gesehen gegenüberliegenden Ende der Stadt zur Verfügung.

Es entstand eine von der Kluft zwischen den "Kasten" (jati) geprägte Beziehung zwischen den beiden Roma-Berufsgruppen. Obwohl die Bewohner der beiden Siedlungen gut miteinander auskamen und Produkte und Dienstleistungen austauschten (z.B. bestellten die Musiker von den valkara Lehmziegel für den Bau von neuen Wohnmöglichkeiten), hätten sie nie untereinander geheiratet, und die Musiker, die sich als žuže Roma (rituell reine Roma) sahen, hätten niemals in den Wohnungen der valkara gegessen.

Aus historischen Aufzeichnungen geht hervor, dass im fünfzehnten Jahrhundert die Adeligen in Spiš "Zigeuner" einluden, sich in der Umgebung der dortigen Burg niederzulassen und verschiedene Dienste für sie zu verrichten: Von slowakischen Leibeigenen übernahmen sie die Funktion der behari (die während der Jagd die Tiere aus dem Wald trieben); sie versorgten die Burgherren mit Feuerholz, konnten aber auch ihrem traditionellen Handwerk als Schmiede nachgehen.

Ursprünglich waren die Menschen, die in der Gemeinschaft lebten, direkt miteinander verwandt. Da jede Gemeinschaft von Verwandten ihren traditionellen Beruf hatte – ähnlich wie die indischen jati – war jede Siedlung wegen ihres Berufs im ganzen Land bekannt und wurde dementsprechend bezeichnet: lavutariko vatra/pero (sg.) – Siedlung von Musikern; handľarsko vatra – Siedlung von (Schweine- oder Geflügel-)Händlern; buťakeri vatra – Siedlung von Taglöhnern oder Arbeitern etc. [Buti]

Die Bezeichnung, die die Siedlung charakterisierte, konnte sich auch auf den gesellschaftlichen Rang beziehen. Daher gab es auch Siedlungen, die als čore vatri, (Siedlungen der Armen) oder barvale vatri (Siedlungen der Reichen) bekannt waren. Über Roma, die rituell "unreines" Fleisch aßen, sagte man, dass sie in einem degešiko vatra ("unreine" Siedlung) wohnten.

In den 1950ern gab es immer noch einige Roma-Siedlungen (Švábovce, Kyšovce, Szomotor etc.), auf die der Begriff romane chara ("Zigeunerlöcher") zurückgeht: höhlenähnliche Wohnungen, die ungefähr einen Meter tief in die Erde gegraben und mit zeltförmigen Dächern bedeckt waren. Die Dächer hatten eine Öffnung für den Rauch und bestanden aus mit Torf abgedeckten Brettern.

Im Vergleich zu slowakischen Dörfern ging es den "Zigeunersiedlungen" schlechter, was die Versorgung durch die Gemeinde, Wohnplatz und Wohnraum betraf. Andererseits gab es Roma-Gemeinschaften mit soliden zweistöckigen Häusern und Motorrädern oder Autos in den Garagen – ein Luxus, von dem man in slowakischen Dörfern vor dem Krieg noch nicht einmal gehört hatte. Die meisten Bewohner dieser ungewöhnlichen Siedlungen in der Umgebung von Prešov (z.B. Lučky, Kapušany) waren Schweinehändler. Sogar die Roma aus Podunajské Biskupice in der Nähe von Preßburg (Bratislava), die in den 1930er Jahren eine Kooperative von Kunstschmieden gegründet hatten, lebten bereits in Häusern, für die sie die Gadže beneideten.

Die Siedlungen vergrößerten sich durch das kontinuierliche Anwachsen der traditionellen famiľija (Großfamilie). Das Bevölkerungswachstum bedeutete, dass mit jeder neuen Generation die Anzahl der Vertreter eines bestimmten Berufes zunahm, was – wo immer möglich – zu einer gebietsmäßigen Verteilung oder zu einer bestimmten Differenzierung innerhalb der Siedlungen führte.

Ein Beispiel für diese territoriale Ausbreitung stellt die frühe Geschichte einer Roma-Siedlung in Rakúsy in der Nähe von Kežmarok dar: Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts siedelten zwei von vier Brüdern, die Schmiede waren, von Žďár nach Rakúsy. Alle vier Schmiede hätten in Žďár nicht mehr ihren Lebensunterhalt verdienen können. Da die Gemeinde von Rakúsy keinen eigenen Roma-Schmied hatte, gab sie den Familien der beiden Brüder die Möglichkeit, sich außerhalb des Dorfes niederzulassen. Laut Quellen aus dem achtzehnten Jahrhundert waren genau vier Roma-Schmiede in den Dörfern in der Gegend von Zips registriert.

Die Zunahme der Roma-Population sowie die wirtschaftlichen und politischen Veränderungen innerhalb der gesamten Gesellschaft bremsten die territoriale Ausbreitung durch neue Generationen. Deshalb mussten diese Fachkräfte in ihren ursprünglichen Siedlungen bleiben, obwohl es von Vorteil gewesen wäre, wenn nicht benötigte Schmiede oder Musiker in andere Gemeinden gezogen wären, wo ihre traditionellen Produkte und Dienstleistungen nützlich gewesen wären. Es kam nur in einigen wenigen Gemeinden vor, dass viele Männer die Möglichkeit hatten, Arbeit als Steinmetze oder Minenarbeiter zu finden (wie in Slovinky in der Nähe von Krompachy), und somit ihre finanzielle Situation verbessern konnten.

Öfter war es hingegen der Fall, dass sich die Lage der Nachkommen der qualifizierten Handwerker und Musiker aufgrund der allgemeinen Wirtschaftskrise der 1930er Jahre drastisch verschlechterte und sie nun ihr Auskommen als Arbeitslose oder gelegentliche Taglöhner finden mussten. Einerseits fand diese Entwicklung in den "Zigeunersiedlungen" ihren Niederschlag, indem die Bevölkerung stark anstieg, ohne dass in den meisten Fällen die territoriale Ausdehnung der Siedlung dem entsprochen hätte. Andererseits betonte es die sozialen Unterschiede innerhalb der Siedlung. Die Reichen, die die Möglichkeit hatten, gute Beschäftigungen zu finden, bewohnten bessere Häuser (zum Beispiel mit Holzböden) am Rand der Siedlung in der Nähe des Dorfes. Die Armen lebten in Hütten zusammengedrängt am äußersten Rand der Siedlung.

Die Diskrepanz zwischen dem Wachstum der Bevölkerung und dem begrenzten Platz in den Siedlungen, die Verschlechterung der sozialen Lage von einigen Familien und die sich verschlimmernden hygienischen Verhältnissen führten zu Spannungen innerhalb der Siedlungen und zwischen Siedlungen und Dörfern.

Während des Zweiten Weltkriegs ging man gegen "das Problem der Zigeunersiedlungen" mit Zwangsumsiedlungen vor: Roma wurden aus ihren Siedlungen vertrieben und aufgefordert, sich an entfernten Stellen niederzulassen. Oft waren diese Orte zwei oder drei Kilometer vom Dorf entfernt. Dort waren die Bedingungen zumeist noch schlechter.

Im Jahr 1958, als die kommunistische Regierung öffentlich feststellte, dass die "Bürger zigeunerischen Ursprungs" eine "aussterbende ethnische Gruppe" seien, gab es 1.317 "Zigeunersiedlungen" in der Slowakei. In einigen lebten 2.000 Menschen (Podskalka u Humenného, Pavlovce nad Uhom, Lomnička etc.). Die Roma-Gemeinschaften waren von strengen repressiven Maßnahmen betroffen. Obwohl von Anfang an die Tendenz bestand, die Siedlungen "aufzulösen", zwangen Gemeindebeamte auswärtige Roma-Familien, sich anzusiedeln, wenn es "sonst nichts gab, wo man sie unterbringen konnte".

In der Badeanstalt von Vyšné Ružbachy nahmen die Badegäste Anstoß daran, die Hütten der Roma zu sehen, woraufhin die Roma nach Rakúsy in der Nähe von Kežmarok umgesiedelt wurden. Die Hygienesituation und die gesellschaftliche Lage in der Siedlung verschlechterten sich und es entstand eine zunehmende Kluft zwischen den ursprünglichen Bewohnern der Siedlung (amare Roma) und den Neuankömmlingen (cudza Roma), was noch über Generationen so blieb.

Im Jahr 1965 schrieb die neue Richtlinie 502/1965 vor, dass alle Roma-Siedlungen bis zum Jahr 1980 aufgelöst werden mussten. Einerseits wurden "ausgesuchte" Roma-Familien von der Slowakei in tschechisches Gebiet zwangsumgesiedelt. Andererseits war es den Roma nicht erlaubt, sich mit ihren Ersparnissen außerhalb ihrer Siedlungen Wohnungen zu bauen, falls diese noch nicht von der "geplanten Auflösung von Siedlungen" betroffen waren.

Zurzeit gibt es in der Slowakei ungefähr 300 Siedlungen. In einigen gelingt es den Roma zunehmend, ihre Situation selbst zu verbessern. Zum Beispiel eröffnen sie Geschäfte und Restaurants (Podskalka u Humenného). In anderen Siedlungen sind die Bedingungen absolut unzufriedenstellend. Die Gesellschaftsreform nach 1989 und die hohe Arbeitslosenrate der Roma haben viele dazu veranlasst, aus staatlichen und Genossenschafts-Wohnungen wieder zurück in die Siedlungen zu ziehen.

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Das östliche Nieder-Hrusov, von den Muglinovské-Brücken aus betrachtet (Hrusov [Slowakei]), 2001
Jakubovany (Slowakei), 2002
Trebisov (Slowakei), 2002
Velka Lomnica (Slowakei), 2002