Denašel

denašel, wörtlich: weglaufen, fliehen.

Verbkonstruktion nach dem Muster denašťam, denašte etc. (wir / sie sind weggelaufen etc.) mit der Bedeutung, gegen den Willen der Eltern eine Verbindung mit dem selbst gewählten geliebten (piraňi) Menschen einzugehen.

In der traditionellen Roma-Gemeinschaft waren es grundsätzlich die Eltern, die den Lebenspartner ihrer Kinder aussuchten. Auch der älteste Bruder (Baro phral: wörtlich: "großer Bruder") konnte seinen Rat abgeben. In den meisten Fällen wagten es die jüngeren Geschwister nicht, dem nicht Folge zu leisten. Wenn jedoch die Liebe für einen Menschen, den man selbst als Partner ausgewählt hat, so stark war, dass die Wahl der Eltern nicht akzeptiert werden konnte, rannten sie weg (denašte). Sie versteckten sich bei entfernten Verwandten, die an einem anderen Ort lebten. Gewöhnlich gewährten ihnen diese Verwandten Zuflucht und versuchten manchmal auch, in Verhandlungen mit den Eltern eine Versöhnung herbeizuführen. Einige Eltern nahmen das junge Paar nach einigen Wochen oder Monaten wieder auf, andere warteten, bis die jungen Leute mit ihrer Nachkommenschaft reuevoll nach Hause zurückkehrten.

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