Fajta

fajta, f., Familie, vertikale Verwandtschaftslinie; fajta pal o dad, Familie väterlicherseits; fajta pal e daj, Familie mütterlicherseits. Fajta entspricht in ihrer Struktur weitgehend der sozialen Gliederung innerhalb der indischen jati.

Wenn zwei Roma einander zum ersten Mal trafen, stellten sie sich zuerst vor, indem sie ihren Herkunftsort und die Familie des Vaters erwähnten. Beides war eng miteinander verbunden, denn aufgrund der Tatsache, dass die Servika-Roma seit mehreren Generationen sesshaft sind, konzentrierten sich die Familien an bestimmen Orten.

Wenn hingegen die Familie der Mutter wichtiger und berühmter ist, würde der Rom sagen, er sei der Sohn von ... (und würde den Namen der Mutter angeben), die wiederum die Tochter des ... aus ... ist. Seinen eigenen Namen würde er erst am Schluss nennen, denn man existiert und handelt nicht als einzelnes Individuum, sondern als Mitglied und Vertreter seiner fajta und seiner fameľija.

Diese Art der Identifizierung hatte praktische Gründe: Eine neue Bekanntschaft konnte erkennen, wie sie sich zu verhalten hatte. Nur wenn die beiden Familien auf derselben "Kastenebene" waren, konnte die eine von der anderen Nahrungsmittel annehmen. Jedes Mitglied einer subethnischen Einheit war sich dessen bewusst, welche Familien zu seiner ethnischen Untergruppe gehörten und welchen Ruf jede Familie hatte. Das gemeinschaftliche Verhalten war ausschlaggebend für die charakteristischen Eigenschaften einer Familie: das hauptsächlich ausgeübte traditionelle Gewerbe (z.B. lavutariko fajta – Musiker-Klan) oder die körperliche Stärke der Gemeinschaft aufgrund ihrer großen Anzahl an männlichen Mitgliedern. (Jeder alte Rom in der ehemaligen ČSSR erinnert sich noch an die Sidor-Familie, die während des nahezu gesamten zwanzigsten Jahrhunderts bekannt für ihre körperliche Stärke war. Ein Großteil dieser Familie emigrierte nach 1989.) Eine Haupteigenschaft war die rituelle Reinheit des Klans – ob er den žuže Roma oder den degeša angehörte. Auch dem kulturellen Verhalten des Klans wurde große Bedeutung beigemessen: maribnaskeri fajta (ein schlagender Klan), fajna manuša (korrekte, feine Leute), ein Klan von Trunkenbolden etc.

Die Klans waren nach dem Nachnamen des ältesten Vorfahren benannt, der in der kollektiven Erinnerung – verstärkt durch die an keine starre Form gebundenen vakeriben pal o dada (Geschichten über Vorfahren) – weiterlebte. Die Helden dieser Geschichten waren jene, die durch ihre Stärke, ihre Musik, ihr Talent im Geschichtenerzählen, ihren Humor etc. bekannt geworden waren.

Wie weit zurück das Bewusstsein eines bestimmten Klans in der kollektiven Erinnerung einer ethnischen Untergruppe bewahrt wird, ist schwer feststellbar. Es gibt vakeribenpal o dada, die zum Beispiel auf die Zeit von Maria-Theresia zurückgehen. Das eigene Klan-Bewusstsein – ganz zu schweigen von dem hinsichtlich anderer Klans – erlitt durch verschiedene Massenemigrationsbewegungen, wie zum Beispiel jener, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Slowakei nach Tschechien stattfand, enormen Schaden.

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Image Dragan Jevremović über "fajta"
Image So si o prekari? – Was ist ein "prekari"?