Daj / Dad

Die Position des Ehemanns und der Ehefrau in der Familie

Der Ehefrau und Mutter kommt höherer Respekt zu, sobald sie mehrere Kinder hat. Je mehr Kinder sie hat, desto stärker wird ihre Position:

Lačhi daj hin ča ajsi, kaj hin la but čhave. Te la hin duj čhave, trin, oda ňič. (R. Dzurko 1981)
"Eine gute Mutter ist nur jene, die viele Kinder hat. Wenn sie nur zwei oder drei hat, ist sie noch keine richtige Mutter." (R. Dzurko 1981)

Von der Braut und Schwiegertochter (bori) wird sie zur Mutter und mit dem Älterwerden des ältesten Sohnes, der eine Braut nach Hause bringt, kommt ihr die Aufgabe einer Schwiegermutter (savsi) zu.

Obwohl die Mutter eine wesentlich größere Verantwortung in der Familie als der Vater trug – und auch heute noch trägt –, kam dem Vater immer das letzte Wort zu. [Kindererziehung]

Außer Haus drückte eine Frau ihre zweite Position aus, indem sie immer einige Schritte hinter ihrem Ehemann ging. In Roma-Siedlungen und sogar in den Familien älterer Roma-Männer, die in der Stadt leben, gilt dieser Brauch auch heute noch.

Me ňigda na dikhľom, kaj o dod pes ľidžal la daha tel e khak. Na dikhľom ňigdy. Kana džanas, ta o dad džalas peršo, e daj duj trin kroki pal leste. Abo pes te čumidel, ňigda! (J.K.)
"Ich habe meinen Vater nie Arm in Arm mit meiner Mutter gehen sehen. Niemals. Wenn sie gemeinsam unterwegs waren, ging er immer voran und meine Mutter ging einige Schritte hinter ihm. Ich sah auch nie, dass sie sich küssen. Niemals!" (J.K.)

In der jüngeren Generation ist dieser Ausdruck der Unterordnung bereits am Verschwinden. Ein weiterer Ausdruck von Bescheidenheit der Frau ihrem Ehemann gegenüber bestand darin, dass sie ihm die Füße wusch, was nicht nur ihren Respekt, sondern auch ihre Liebe und Unterordnung bewies. Der Vater genoss oft größten Respekt, auch wenn er nicht als guter Vater galt.

Amen avka le dades šunahas, hjaba hoj o dad na sas lačho - na džalas te kerel buťi, ča te bašavel džalas a furt pijelas, mato furt pijelas. Te anelas love, ta jepaš furt prepijelas a imar la da love na sas, našťi gejľa aňi te cinel maro. Th'avka le dades šunahas. (R. Horváthová 1985)
"Wir gehorchten unserem Vater, obwohl er kein guter Vater war. Er arbeitete nicht. Er ging nur fort und spielte und trank die ganze Zeit. Er war immer betrunken. Beim Trinken verbrauchte er die Hälfte des Geldes, das er verdiente, und meine Mutter hatte nicht genügend Geld, nicht einmal für Essen. Aber trotzdem, wir gehorchten eher unserem Vater." (R. Horváthová 1985)

Es ist nicht möglich, dieses Beispiel zu verallgemeinern, denn ein Mann, der sich nicht um seine Familie kümmerte, wurde gewöhnlich von den anderen Mitgliedern der Gemeinschaft kritisiert. Auf die eine oder die andere Art ließen sie ihm ihre Verachtung spüren: Sie begannen, ihn schief anzusehen (dikhenas pre leste banges), sie verhöhnten ihn mit spöttischen Bemerkungen und Reimen oder spuckten manchmal vor ihm aus. Besserte er sich nicht, konnte so ein Mann seine Autorität und den Respekt seiner Familie und der gesamten Roma-Gemeinschaft für immer verlieren.

Eine Art, wie die Familie ihre Verachtung ihm gegenüber ausdrückte, bestand darin, dass der Schwiegersohn oder andere jüngere Mitglieder der Familie, die ihn zuvor stets in der Höflichkeitsform angesprochen und mit größtem Respekt behandelt hatten, dazu übergingen, ihm gegenüber die informelle Anrede zu verwenden und ihn mit herabwürdigenden Namen zu kränken.

Diese Art sozialer Kontrolle betraf praktisch alle Mitglieder der Gemeinschaft. Eine Mutter, deren Kinder schmutzig und in schäbigen Kleidern umherliefen oder hungrig waren, kam ins Gerede der anderen Frauen und galt als schlechte Mutter (nalačhi daj). Das Verhalten jeder Frau wurde ständig von den anderen Frauen in der Siedlung beobachtet. Eine Frau musste sich also dem Druck der Allgemeinheit beugen und anpassen. Tat sie das nicht, wurde sie sogar mit dem Ausschluss aus der Gemeinschaft bedroht, was bedeutet hätte, dass sie zu ihrer Familie zurückkehren musste:

Te kamelas e romňi le romňenca te dživel šukares andro gav, ta mušinlas te šunel le phure romňen, hoj sar kampel de dživel, sar kampel te tavel, sar kampel te pratinel, no a te kajsi sas, hoj avlas pal aver gav a na kamelas te prisikľol, ta mušinlas andal odi osada te džal khere, khatar sas. (I.L. 1982)
"Wenn eine Frau in Frieden mit den anderen Frauen der Siedlung leben wollte, musste sie den älteren Frauen gehorchen, die ihr sagten, wie sie zu leben hatte, wie zu kochen und zu putzen. Und wenn die Ehefrau aus einer anderen Siedlung kam und sich nicht anpassen wollte, musste sie in die Siedlung, aus der sie kam, zurückkehren." (I.L. 1982)
Dojekh romňi prindžarel le muršeskero vast.
"Jede Ehefrau anerkennt ihres Ehemannes Hand."
Ajse romňa sas, hoj te la o rom na marlas, ta oj leha na dživlas, bo oj phenlas kavke: Te man miro rom na demel, ta džanav, hoj man na kamel. No a o rom phenlas: Vaš oda, hoj me mira romňa igen kamav, vaš oda la the marav. (I. Lacková)
"Es gab Frauen, die, wenn ihre Ehemänner sie nicht schlugen, sagten: "Wenn mich mein Mann nicht schlägt, werde ich wissen, dass er mich nicht liebt." Und ein Ehemann sagte: "Ich liebe meine Frau, deshalb schlage ich sie"." (I. Lacková)

Ein Mann pflegte seine Frau zumeist aus Eifersucht zu schlagen – und oft schlägt er sie auch heute noch. Eifersucht wird oft als Ausdruck von Liebe verstanden. Trotzdem gibt eine Frau oft auch öffentlich zu, dass ihr Mann ein Schürzenjäger ist. Ein Ehemann ist stolz darauf – und seine Frau ebenfalls, denn von all den Frauen hat er sie ausgewählt, seine Lebenspartnerin zu sein.

Während Untreue von Seiten der Männer mehr oder weniger toleriert wird, gilt die Untreue einer Frau als völlig inakzeptabel. Wird eine Frau der Untreue verdächtigt, muss sie ihrem Mann immer wieder schwören, dass sie treu war. Wird sie der Lüge überführt, steht es ihrem Ehemann frei, sie zu verlassen. Will er sie aber nicht verlassen, bestraft er sie sehr hart, indem er sie schlägt oder manchmal auch indem man ihr das Haar abschneidet. In diesem Fall ist es allerdings nicht ihr Mann selbst, der das Abschneiden der Haare übernimmt, sondern es sind die Verwandten des Mannes und manchmal die Mitglieder ihrer eigenen Familie.

In letzterem Fall zeigen sie damit, dass sie sich von ihrem Verhalten distanzieren, und die Schande (ladž) nur auf sie fallen möge. In der Vergangenheit wagte es eine Frau nur selten, ihrem Ehemann zu widersprechen oder ihn in der Öffentlichkeit zu schlagen. Sie wusste, dass jedes Widersprechen ihm Schande bereiten und er die Achtung der männlichen Gesellschaft verlieren würde, was im Rahmen der Gemeinschaft auch nicht in ihrem Interesse sein konnte.

Te na obačhiľahas ov, ta na obačhiľahas aňi oj, bo mušinďahas oj le čhavenca te džal pal leste. No ta vaš oda na tromanďiľa. (I.L.)
"Wenn er schon nicht als gut genug akzeptiert wurde, wurde sie es noch viel weniger. Sie musste ihm folgen, gemeinsam mit den Kindern. Deshalb wagte sie es nie [ihn zu schlagen]." (I.L.)

Wenn ein Ehemann seine Frau ohne Grund, nur aus schierer Gewalttätigkeit schlug, bot die Gemeinschaft eine Art Schutz. Zum Beispiel machten sich andere Kinder aus der Siedlung über ihn lustig und provozierten ihn so lange, bis er seine Wut nicht mehr unterdrücken konnte und sie durch die ganze Siedlung jagte. Man nahm an, dass sein Ärger, wenn er dann heimkam, verflogen war und er seine Frau in Ruhe ließ.

Ein wichtiges disziplinäres Mittel waren die Lieder, die bei gesellschaftlichen Ereignissen gesungen wurden. Einer der bekannten Sänger warf einem Ehemann in einem Lied vor:

Gejzo, Gejzo, so tu keres,
Raťi ďives mat phires,
So zarodes, savoro prepijes,
Aves khere, la romňa mares.
Gejzo, Gejzo, was tust du,
Tag und Nacht bist du betrunken,
Was du verdienst, vertrinkst du,
Du kommst heim und schlägst deine Frau.
(Veľká Lomnice 1966; der kritisierte Ehemann verließ die Feier mit gesenktem Blick.)

Manchmal konnte ein heranwachsender Sohn seine Mutter davor bewahren, geschlagen zu werden.

Chuťiľom kijo dad a phenav: Vaš soske la mares? Vaš oda, kaj pre amende kerel sar koda graj? Vaš oda, kaj zajdi pre tute hordinel? A ov pre mande kavka dikhľa u akorestar la imar ňigda na marlas. Imar mandar ladžalas the daralas. (V. Fabián)
"Ich rannte zu meinem Vater und fragte: "Warum schlägst du sie? Weil sie für uns wie ein Sklave, wie ein blindes Pferd arbeitet? Weil sie dir in einem zajda (traditionelles Tragetuch der Frauen) das Essen bringt?" Und er sah mich einfach nur an, aber danach hat er sie nie mehr geschlagen. Er war zurückhaltend in meiner Gegenwart und hatte Angst vor mir." (V. Fabián erzählt, wie er mit zwölf oder dreizehn Jahren seinen Vater dabei ertappte, wie dieser seine Mutter schlug, und er sich vor seine Mutter stellte, um sie zu beschützen.)

Text beruht im Wesentlichen auf

Žlnayová, Edita (1996) Postavení a úloha ženy-matky a muža-otca v rómskej rodine (Stellung und Rolle der Ehefrau/Mutter und des Ehemanns/Vaters in der Roma-Familie). In: Romano džaniben 96/1-2.
Image Druckversion