Untergruppen der Roma

Glossar

Im Anschluss finden Sie eine mögliche Liste von Bezeichnungen, wie Gruppen sich selbst nennen oder wie sie von den Mitgliedern anderer Gruppen bezeichnet werden – in subethnischer ("Nationen"), berufsbezogener, regionaler usw. Hinsicht. Der Index erhebt absolut keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Informationen, die über die jeweilige Gruppen angeboten werden, sind nicht proportional zur Gruppengröße zu sehen.

  • Ambrel'ara (Professionym; "umbrella", Engl.: Regenschirm; (ostslowakisches Romani): Wandernder Schirm-Reparateur; der Terminus bezeichnet einzelne Familien, Klans oder auch nur Einzelpersonen aus den ethnischen Untergruppen der Slowakischen RomaVíchodňara. Ambrel'ara zogen durch das Land und reparierten Schirme.
  • Arliye (Sozionym; yer; Türk.: Ort, Platz): vorwiegend sesshafte Roma in Serbien, Bulgarien, Mazedonien (Balkan).
  • Asurara: Hersteller und Verkäufer von Schmuck: Ringe, Armreifen, Ohrringe. Sie kamen in Wägen in die Slowakei und kampierten in der Nähe von "Zigeunersiedlungen"; sie verkauften ihren Schmuck hauptsächlich an Gadže. Mit den Slowakischen Roma unterhielten sie sich in Romani, hatten aber einen anderen Dialekt. Selbst stellten sie sich als Roma Asurara vor.
  • Aurari (hist. Professionym; aur, Rumänisch: Gold): ursprünglich Goldwäscher; haben heute meist zur Herstellung von Holzartifakten gewechselt; leben in Rumänien; Synonym: Zlatari; homoprofessionelle Gruppe: Zargar (Iran).
  • Ayjides (Professionym; ay, Türk.: Bär): Bärenführer (im Westen der Türkei); homoprofess. Gruppen: Mechkara, medvedara, Ričkara, Ursari.
  • Balaňara (Professionym; balaňi, Griech.-Romani: Holztrog): Appellativ für Troghersteller, verwendet in der Ostslowakei. Balaňara leben in verschiedenen Gemeinschaften; sprechen einen Dialekt des Rumänischen; Synonyme: Beasha, Koritara.
  • Beasha (?): Gruppe von Roma, die ursprünglich aus Rumänien stammt; sprechen einen altertümlichen rumänischen Dialekt und leben in Ungarn und in einigen Siedlungen in der östlichen Slowakei. Trad. Produktion von Holztrögen und Holzlöffeln; Synonyme: Balaňara, Koritara.
  • Bergitska Roma (Geonym, Deutsch: "Berg", "Hügel"): traditionell sesshafte Roma, die an der gebirgigen polnisch-slowakischen Grenze wohnen. Mit den so genannten Slowakischen Roma (Servika-Roma) teilen sie einen ähnlichen Dialekt. Viele gemeinsame Familiennamen (Mirga, Mižigar, Pešta, Mišalko usw.) zeugen von früheren familiären Verbindungen. Die vom polnischen Ethnologen Izydor Kopernický am Beginn des 20. Jahrhunderts in der Gegend von Zakopane gesammelten Lieder sind nur leicht unterschiedliche Varianten der bis heute von den Servika-Roma gesungenen Lieder. Trad. Berufe: Musik und Handel mit Schmiedearbeiten.
  • Bohémiens (hist. Regionym; Bohème, Franz.: Böhme): historisches Appellativ für "Zigeuner" im Französischen, beruht auf der Annahme, dass sie aus Böhmen kommen.
  • Bosha (Appellativ...?): entspricht dem Autonym Lom; Armenien.
  • Burgenland-Roma (Regionym: Burgenland; Region im östlichsten Teil Österreichs): traditionell sesshaft lebende Roma-Gruppe. Die Burgenland-Roma sprechen einen Dialekt, in dem die Endung des Plusquamperfekts -ahi (in anderen Dialekten: -as) lautet; sie sind verwandt mit Roma-Gruppen in der südlichen Slowakei (gemeinsame Familiennamen wie Szarközi, Rigo, Horváth), in Slowenien und in einigen wenigen Siedlungen in Nordungarn. Traditionelle Berufe: Handel mit Schmiedewaren und Musik. Synonyme: Ungrika-Roma (Südwest-Slowakei), Rumungri (von Walachen in der Slowakei verwendet).
  • Cale (auch: Kale; Anthroponym; kalo, Romani: schwarz): Spanien, Südfrankreich. Sie sprechen Para-Romani – einen Romani-Ethnolekt des Spanischen. Berufe: Musiker und Tänzer (berühmt für Flamenco-Vorführungen) und Pferdehändler. Ceferino Jiménez Malla, 1997 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen, stammt aus der Gruppe der Cale.
  • Cerhara / Čergara (Sozionym; cerha: Zelt): Gruppe nomadischer Roma am Balkan.
  • Chuxni (übertragenes Nationym; umgangssprachliches Russisch: Finnen): Appellativ, das von Russischen Roma in Lettland für Lettische Roma (Lotfika-Roma) verwendet wird.
  • Churara (Professionym; ciur, Rumänisch: Sieb): Siebhersteller in Rumänien; homoprofess. Gruppen: Gharbilband (Iran), Supvale (Indien).
  • Domaca Roma (→Kherutne Roma)
  • Dómí (Jatinym [kastenbezogene Bezeichnung]; dom, Ind.): westl. Iran, Afghanistan; hauptsächlich Musiker.
  • Dručkara (Professionym; dručkos, Slowak.: Stamm/Baumstamm): Familien, Klans oder ganze Siedlungen von Slowakischen Roma, die sich ihren Lebensunterhalt mit der Tätigkeit des Durchforstens von Haselnussbäumen und dem Verkaufen von starken Haselnussruten an slowakische Bauern für Bohnen und andere nützliche Rankengewächsen verdienen. Sie sprechen lokale Varianten des slowakischen Romani.
  • Djambaza (?): ursprünglich nomadisch lebende Pferdehändler; Balkan, Türkei.
  • Djugí (ursprünglich Religionym, leitet sich vom Jatinym yogi ab; Sanskrit / Hindi: Yogi, heiliger Bettler): Indien, Afghanistan, Nordiran (Anm.: Bei den Slowakischen Roma kommt der Famillienname Džugi selten vor, der Spitzname Džugi aber ist nicht ungewöhnlich.).
  • Fandari (Professionym; fandaros, Griech.: Soldat): Apellativ für Russische Roma; Synonym: Khaladitka-Roma.
  • Fuyudj (Professionym; faudj, Arab.: Armee): Iran (vgl. Fandari).
  • Gharbilband (Professionym: gharbil, Pers.: Sieb; "band", Pers.: Wurzel des Verbs "binden"): Siebhersteller im Iran; homoprofess. Gruppen: Churara (Rumänien, Ungarn), Supvale (Indien).
  • Ghurbat (ghurbat, Arab., Pers., Türk.: Fremder): Iran.
  • Gurbet: Nomadisch lebende Roma am Balkan; traditioneller Beruf: Pferdehändler; Synonyme: Djambaza, Lovara. Die Sprache der Gurbet gehört zu den walachischen Dialekten.
  • Kale (auch Cale; Anthroponym; kalo, Romani: schwarz): Finnland, Spanien.
  • Kalderara/Kalderaš/Kerderara (Professionym; caldare, Rumänisch: Kessel): ursprünglich Kesselhersteller und –flicker; in fast allen Ländern Europas und in Nord- und Südamerika verbreitet; Kalderaš-Romani ist ein walachischer Dialekt.
  • Kasatarash (Professionym; kas, Persisch: Holz; tarash, Persisch: schneiden, bildhauern): Hersteller von Holzfässern im Iran; homoprofess. Gruppen: Beasha, Balaňara, Koritara.
  • Kherutne-Roma (Sozionym; kher, Romani: Haus, dauerhafter Wohnsitz): eine der autonymen (lokal verwendeten) Bezeichnungen für die traditionell sesshaften Slowakischen Roma (Servika-Roma).
  • Labanci (übertragener Schimpfname): wurde ursprünglich von ungarischen Aufständischen – "Kuruz", Teilnehmern am Feudalaufstand – für die Offiziere der königlichen Habsburger-Armee verwendet; offensichtlich leitet er sich von dem Ausdruck für "zerzauste Perücken" ab; heute pejoratives (abwertendes) Appellativ für Bergitska-Roma, das von anderen Roma in Polen verwendet wird.
  • Latfika-Lotfika-Roma (autonymes Regionym): Lettische Roma; Synonym: Chuxni.
  • Lom (Autonym; entspricht dem appellativen Bosha): Armenien.
  • Lovara/Lovari (Professionym; , Ungar.: Pferd): ursprünglich Pferdehändler; fast alle leben in Europa und in Nord- und Südamerika. Ethno-Synonym (lokal verwendet in der Tschechischen und Slowakischen Republik): Vlachi.
  • Lúlí-Lúrí (leitet sich geschichtlich von der Stadt al-Lor ab, die nicht mehr existiert): Al-Lor war der erste Ort in Sind, der von Muhammad Qasmi erobert wurde (712); Musiker; Iran, Afghanistan, zentralasiatische Länder; der klassische persische Dichter Firdausi schrieb über Luri-Musiker in seinem Werk "Shahname".
  • Machvaya (lokales Regionym; Machva: Region in Serbien). Gruppe von Roma, die in Nord- und Südamerika lebt. Sie emigrierten aus Serbien Anfang des 20. Jahrhunderts.
  • Manouche (Anthroponym; manush, Indisch/Romani: Mensch): subethnische Gruppe, eng mit den deutschen Sinti verwandt; Frankreich.
  • Mechkara (Professionym; mechka, Serbisch: Bärenführer): Balkan; homoprofessionelle Gruppen: Ayjides, Ričkara, Ursari.
  • Patavara (Professionym; patavo, Romani: Lumpen, Fetzen; wörtlich: "Fetzenmänner"): Roma-Familien, Klans und/oder ganze Gemeinschaften, die vom Sammeln und Verkaufen von alten Lumpen lebten; östliche Slowakei, Untergruppe der Slowakischen Roma.
  • Pol'aka/pol'aki (übertragenes Nationym): Wird von Slowakischen Roma als Synonym für Walachische Roma verwendet; hat eine abwertende Konnotation.
  • Seliyeri (Professionym; sel-, Pers.: Eisen): Schmiede, Kesselhersteller; Hersteller von Kämmen; Iran.
  • Servi-Servika-Roma 1. (historisches Regionym bzw. Nationym; Ungarisch: Serbe): Gruppe von Roma in der Ukraine, die wahrscheinlich aus Serbien kamen.
  • Servika-Roma, Servi: 2,1. altertümliches Synonym für Slowakische Roma, traditionell sesshafte Roma in der Slowakei. Es wurde zu einem Autonym. Slowakische Servika-Roma haben weder die Sprache noch augenscheinlich irgendeinen Klan-Ursprung mit den ukrainischen Servi gemeinsam. 2,2. Appellativ, das Ungrika-Roma und die sesshafte ungarische Minderheit in der südwestlichen Region der Slowakei für Roma verwenden, die einen fast identischen -ahi-Dialekt sprechen, sich aber in ethnisch slowakischer Umgebung angesiedelt haben (Klenovec, Hnúšťa etc.).
  • Sinti (unbestimmte Etymologie): subethnische Roma-Gruppe, die vorwiegend in Deutschland, aber auch in Italien, Österreich, der Tschechischen Republik, Slowenien usw. lebt; Synonym: Ňemcika Roma (verwendet von Roma in der Tschechischen und der Slowakischen Republik); eine Untergruppe oder eine eng verwandte Gruppe sind die französichen Manouche.
  • Tattare (historisches Nationym: Tataren): Nach ihrer Ankunft in Mitteleuropa wurden Roma oft als Vertreter anderer nomadischer ethnischer Gruppen angesehen – am häufigsten als Tataren. Die historische Bezeichnung wurde für die erste Roma-Gruppe, die nach Schweden gekommen ist – vor den späteren Immigrationswellen aus Russland (Anfang des 20. Jh.), aus Polen, dem Balkan, der ehemaligen Tschechoslowakei usw. (nach dem Zweiten Weltkrieg) –, beibehalten. Schwedische Tattare sind in sprachlicher Hinsicht assimiliert.
  • Vichodňara (Subregionym; východ, Slowak.: Osten): Untergruppe der Slowakischen Roma, die in der Ostslowakei leben (vgl.: Zapadňara).
  • Vlachi (Walachische Roma; Olaši)
  • Vlach-Roma (Walachische Roma (Olaši)) (historisches Regionym: Walachei, eines der historischen rumänischen Fürstentümer): 1. Fungiert als Überbegriff (Hyperonym) für verschiedene Roma-Gruppen (verschiedener Klans und Berufe), die ähnliche Dialekte sprechen. 2. Roma in der Tschechischen und der Slowakischen Republik, die bis vor kurzem noch nomadisch lebten; ihr traditioneller Beruf war Pferdehandel; (an anderen Orten der Erde werden sie Lovara genannt).
  • Xaladitka Roma (übertragenes Nationym aus dem Argot [Rotwelsch]; khalado, Romani [Argot]: wörtlich: "verzehrtes/ verfaultes Gehirn", "Dummkopf", "Soldat", "Russe"): Appellativ, das die Lotfika-Roma für Russische Roma verwenden; Lettland (Region von Latgale, Ostlettland); Synonym: Fandari.
  • Xoraxane Roma (Natio-/Religionym; Xoraxay, Türk.: Muslime): Roma islamischen Glaubens; Balkan, von wo sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch nach Nord- und Südamerika emigriert sind; phonetische Varianten: Korane, Korhane.
  • Zapadňara (Subregionym; západ, Slowak.: Westen): Untergruppe der Slowakischen Roma, die in der westlichen Slowakei lebt. Die regionalen Varianten des Zapadňara-Dialekts haben einige gemeinsame Charakteristika, die sich von den Dialekten der ostlslowakischen Vichodňara unterscheiden. Die gesellschaftliche Situation der Zapadňara ist dank des höheren Lebensstandards in der westlichen Slowakei durchschnittlich besser als die der Vichodňara.
  • Zargar (Professionym; zar, Pers.: Gold; gar, pers. Suffix-Morphem für Täter): Iran; Zargar-Romani gehört zu den europäischen Romani-Dialekten, was beweist, dass die Zargar aus Europa in den Iran zurückgewandert sind.

Abschließend möchten wir noch einmal darauf hinweisen, was wir bereits in der Einleitung zu diesem Verzeichnis erwähnt haben: Es handelt sich hierbei um nicht mehr als ein Beispiel, wie eine Enzyklopädie von Roma, geordnet nach ihren Bezeichnungen, aussehen könnte. Die Einträge der einzelnen Gruppen sind unvollständig und nicht immer gleich umfassend. Für eine vollständige Enzyklopädie würde man wahrscheinlich mehrere Bände benötigen. Die Methode der Aufbereitung dieser Informationen sollte – zuerst und vor allem – von Roma selbst unternommen werden – von Historikern, Ethnologen und Linguisten, sowohl von akademisch ausgebildeten als auch Laienwissenschaftlern. So ein Unterfangen würde zweifelsohne zu größerem Wissen über die Roma-Geschichte, -Kultur und -Sprache beitragen.

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