Kovačis (Kováři)

Charťas, m. (Griech.); syn. charťas, kovačis, kovaľis: Schmied.

Das Schmiedehandwerk (charťiko buťi [Buti]) war eine der zwei traditionellsten und grundlegendsten Arten der Roma, sich den Lebensunterhalt zu verdienen. Einige Roma-jati (Kasten) hatten bereits in Indien von ihrer Arbeit als Schmiede gelebt. Geschichtliche Quellen erwähnen sesshaft lebende "Zigeuner"-Schmiede bereits im Byzantinischen Reich. Roma-Schmiede verrichteten ihre Arbeit traditionellerweise in sitzender Position . Nach den Musikern kam den Schmieden die höchste Achtung zu. In slowakischen Dörfern hatten sie in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg eine unersetzbare Stellung, weil sie sich auf eine Reihe von kleinen Dienstleistungen und Produkten spezialisiert hatten, die von Nicht-Roma-Schmieden nicht angeboten wurden, z.B. romano karfin (Slowak.: "Cigánsky klinec" – Nagel mit einem breiten Kopf), S-förmige Gegenstände zur Verbindung von Kettengliedern etc. Viele Schmiede stellten spezielle technische und qualitativ hochwertige Gegenstände aus Stahl (apsin), wie zum Beispiel Messer und Äxte, her.

Der Vorteil für die Bauern bestand darin, dass Roma-Schmiede ihre Dienste im Tausch gegen Nahrungsmittel anboten (Erdäpfel, Käse, Sauermilch, Fett etc.), während Nicht-Roma-Schmiede dafür Geld verlangten.

Einige Roma-Schmiede lebten sogar außerhalb von "Zigeuner"-Siedlungen in einem Dorf (maškaral o gav). Gewöhnlich beteiligten sich alle Mitglieder einer Familie an der Schmiedearbeit. Der Vater und einer seiner Söhne (in einigen Fällen sogar seine Frau oder eine Tochter, wenn es keinen Sohn in der Familie gab) marelas pro trast (wörtlich: hämmerten Eisen, d.h. arbeiteten an der Esse); die Frau oder die Kinder bedienten die Bälge (phurdenas pišot). Das Material, mit dem sie arbeiteten, war purane trasta (altes Eisen). Entweder sammelten die Kinder altes Eisen auf den Höfen oder der Schmied erhielt es im Tausch gegen neue Waren. Die Frau ging pal o gava (von Dorf zu Dorf), um die neue Ware zu verkaufen. Manchmal trug sie sie in einem Tuch am Rücken (zajda), in dem sie bis zu zwanzig oder sogar dreißig Kilo an Hufeisen, Ketten, Klammern und Hacken trug. Sie kam an einem Tag in bis zu vier oder fünf Dörfer.

Die Schmiede-Familie stellte ihre eigene Holzkohle (angara) her. An einem passenden Ort im Wald bauten sie einen Holzkohlenstoß und in der Zeit, als das Abfallholz karbonisierte, lebte die Familie des Schmieds vorübergehend in einer Hütte.

Durch die industrielle Entwicklung ist die Nachfrage nach dem Schmiedehandwerk zurückgegangen. Nur die begabtesten Schmiede konnten noch von ihrer Arbeit leben. Zudem wurde ein Lehrabschlusszeugnis als Voraussetzung für das Ausüben des Handwerks verlangt. Einige Roma-Schmiede gingen dazu über, Kunstgegenstände aus Metall herzustellen. In Podunajské Biskupice in der Nähe von Preßburg (Bratislava) gründeten sie in den dreißiger Jahren sogar eine Kunstkooperative. Jene, die nicht von ihrem Gewerbe leben konnten, versuchten bašaviben – den Beruf des Musikers – zu erlernen. Damals arbeiteten viele während der Woche als Schmiede und an Samstagen und Sonntagen spielten sie Musik ("Perdal o kurko marelas, sombat kurko phirelas te bašavel").

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Image "Amen sijam kovačija ..." – "Wir sind Schmiede ..."
Image O Memiši buki kerel pišotesa ... – Memiši arbeitet mit dem Blasebalg ...
Roma-Schmied mit Helfer, 1600
Ein von Alojz Šarközy hergestellter Gartenzaun (Dunajská Lužná [Bratislava]/Slowakei)
Roma-Schmiede verrichteten ihre Arbeit traditionellerweise in sitzender Position