Foros (Markt und Handel)

1. Große oder relativ große Wohnsiedlung; administratives, kulturelles und Geschäftszentrum eines bestimmten Gebietes, "Stadtgebiet".

Seit Jahrhunderten sind Roma in vielen slowakischen Städten ansässig. [Servika-Roma] Bekannte Musiker zum Beispiel, die in Kaffeehäusern, Restaurants und Weintavernen spielten, lebten in Prešov oder Košice. In Prešov bewohnten die Roma eine Straße mit dem Namen "Veselá" ("fröhlich"), weil man dort von früh bis spät ausgelassene musikalische Darbietungen hören konnte. Natürlich gab es auch arme Roma, die in Siedlungen am Stadtrand lebten. Eine dieser Siedlungen befand sich in Košice. Ende 1944 veranlassten die ungarischen Faschisten ("Nyilas") die Deportation der dortigen Roma in Konzentrationslager (während des Krieges gehörte Košice zu Ungarn).

Zumeist suchten die Roma die Stadt auf, um dort ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Einfache Musiker (šlapetkara) gingen von Haus zu Haus und von Bar zu Bar, spielten auf ihren Geigen oder Harmonikas und verdienten, was ihnen die Gadže zuwarfen. Patavara ("Lumpensammler") verkauften auf Flohmärkten alte Kleider, die sie von den Bäuerinnen bekommen hatten. Für sich behielten sie nur jene Röcke, Blusen oder Mäntel, von denen sie sicher wussten, dass ihre ehemaligen Besitzer nicht bereits verstorben waren. [Mulo] In der Stadt kauften die Händler kleine Gegenstände ein – Becher, Nadeln, Fäden, Geschirr etc. –, um sie dann in den Dörfern, in denen es keine Kurzwarenhandlungen gab, zu verkaufen. Es gab damals noch keine Busse und die Züge waren teuer, sodass die Roma-Händler den Bauern nicht nur Zeit, sondern auch Geld ersparten.

Valkara, Hersteller von ungebrannten Lehmziegeln, produzierten ihre Ziegel (valki) unter anderem auch für Stadtbewohner, die sich ihre eigenen Häuser errichteten. In den Städten gab es damals viele dieser valki-Häuser. Wenn jemand ein Ziegelhaus bauen wollte, boten Roma-Maurer und -Hilfsarbeiter ihre Dienste an. War jedoch die Arbeit rar (in den 1930er Jahren war auch die Tschechoslowakei von der großen Wirtschaftskrise betroffen), nahmen die Roma jede Gelegenheit wahr, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Roma-Männer boten zum Beispiel auf den Bahnhöfen ihre Dienste als Gepäckträger an. Andere trugen die Waren aus den großen Lagerhallen auf ihren Schultern zu den kleinen Geschäften. In Humenné wurden vier Brüder reich, indem sie das städtische Abwasser zu den Bauern brachten, die es zum Düngen ihrer Felder benötigten. (Hinzugefügt werden sollte, dass sie trotz ihres Reichtums von den anderen Roma als degeš ["rituell unrein"] betrachtet wurden. [Mahrime]) Ungarische Roma-Händler zogen von Stadt zu Stadt und verkauften Gemüse, Paprika, Tomaten, Kürbis, kurz gesagt, alles, was sie von den Bauern in den Dörfern gekauft hatten.

Vor dem Krieg lebten in den ostslowakischen Dörfern und Städten auch viele Juden. Einige Roma fanden bei jüdischen Familien Arbeit. In Bardejov zum Beispiel stellten Juden Roma-Frauen als Kindermädchen und als Ammen ein. In Krompachy lebte ein jüdischer Großhändler, der die von den Roma-Schmieden hergestellten Waren kaufte. Er bezahlte sie mit Geld, während die Bauern ihnen lediglich Naturalien gaben. In Velký Šariš gab es beispielsweise einen jüdischen Händler, der Heilpflanzen und Waldfrüchte kaufte. Alle Roma gingen von Frühling bis in den Herbst in die Wälder und sammelten Kräuter, Waldfrüchte, alles, was die Natur bereitstellte. In einigen Städten besaßen Juden Destillerien, in denen sie lieber Roma als arme Gadže beschäftigten. Zwischen Roma und Juden herrschte ein Gefühl starker brüderlicher Verbundenheit.

Pro foros: In nahezu jeder Stadt gab es einen öffentlichen Platz, an dem die Roma zusammenkamen; unabhängig davon, ob sie in der Stadt lebten oder aus den Dörfern kamen. Man machte Geschäfte und tauschte Neuigkeiten aus (Was gibt es Neues? Wer wurde wo geboren? Wer ist gestorben? Wer hat wen geheiratet?); oder man suchte eine Braut oder einen Bräutigam für seine Kinder usw. Meistens lagen solche Plätze nicht weit von so genannten "Zigeunertavernen" entfernt, wo sich die Roma gegenseitig zu Getränken einluden. Solche Plätze gibt es auch heute noch in vielen slowakischen Städten.

2. tarhos / jarmokos (Servika-Romani): Markt, gewöhnlich im Freien, wohin die Menschen kommen, um zu kaufen und zu verkaufen. Grundsätzlich werden die Wörter tarhos / jarmokos für "Markt" verwendet, um eine Verwechslung mit dem Wort foros (dessen Hauptbedeutung "Stadt" ist) zu vermeiden. Einige Märkte sind durchlaufend und täglich geöffnet, andere finden einmal pro Woche oder einmal im Monat statt; große "Jahrmärkte" werden einmal im Jahr abgehalten.

Forutne Roma (Stadt-Roma)

Stadt-Roma betrachteten sich im Vergleich zu jenen Roma, die in den Dörfern wohnten, als "höher stehend".

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