Garude Lava

garude lava pl. (garudo lav, m., sg.): Rätsel (wörtlich: "verstecktes Wort"); wird oft im Plural verwendet, auch wenn nur ein Rätsel gemeint ist; Synonym: hadka (Slowak.); Phenav tuke ajse garude lava, so len na džaneha avri te učharel. ("Ich werde dir ein Rätsel geben, das du nicht lösen können wirst .")

Rätsel sind ein sehr beliebtes Genre der traditionellen mündlichen Kultur der Servika Roma. Erwachsene wie Kinder lieben sie. Ratespiele können spontan bei einer großen Geschichtserzählversammlung (in der Familie oder der Gemeinschaft) stattfinden oder sie können auch als Zeitvertreib für langweilige Stunden dienen, wenn aus dem einen oder anderen Grund zwei Menschen gemeinsam die Zeit verbringen müssen – auf der Straße, bei körperlicher Arbeit oder beim Entspannen usw.

Im Gegensatz zu den besonderen kulturellen Ereignissen, die oft schon im Voraus geplant werden, wie zum Beispiel die Zusammenkünfte für das Geschichtenerzählen oder Musik-, Gesangs-, Tanz- oder Trinkfeste (bašaviben bzw. Mulatšagos), werden Ratespiele nicht vorbereitet.

Wenn ein Ereignis jemanden an ein Rätsel erinnert, wird er/sie danach fragen und die anderen werden entweder sofort damit beginnen, mit weiteren Rätseln wettzueifern, oder das Rätsel wird nicht aufgegriffen und es wird mit dem vakeriben (Geschichtenerzählen) oder pherasa (dem Erzählen von Witzen) oder einer anderen Art der Unterhaltung weitergemacht.

Manchmal wird um Geld geraten und werden Wetten auf Rätsel abgeschlossen: Keci thoves pre stavka? (wörtlich: "Wie viel wettest du darauf? Was wettest du?") Dadurch wird das Ratespiel natürlich noch spannender.

Eine besondere formelle Eigenschaft des Rätsels ist die Einleitung. Wonach gefragt wird, wird als ein nahes Familienmitglied beschrieben: čhavo (Sohn von Roma-Eltern), čhaj (Tochter von Roma-Eltern), phral (Bruder) oder phen (Schwester). Die Einleitung lautet folgendermaßen: Hin man ajso čhavo/phral, so … ("Ich habe einen Sohn/Bruder, der …") oder Hin man ajsi čhaj/phen, so … ("Ich habe eine Tochter/Schwester, die ..."):

Hin man ajsi phen, so phirel tele le šereha.
"Ich habe eine Schwester (1), die mit dem Kopf nach unten geht."
(e gomboška andre topanka – ein Sohlennagel im Schuh)
Hin man ajsi čhajori, cinňi, nangori, e pori lake džal, kaj kames.
"Ich habe eine Tochter, die ist klein, dünn und nackt; ein Schweif zieht sie, so weit er kann."
(e suv le thaveha – eine eingefädelte Nadel)
Hin man ajso phral, so džal andro foros u ačhel odoj.
"Ich habe einen Bruder, der geht in die Stadt und bleibt dort."
(o drom – eine Straße)
Hin man ajso čhavoro, so o guľi pal peste mukel.
"Ich habe einen kleinen Sohn, der Mist hinterlässt."
(o šošoj – ein Hase)
Mor phen djese džal, phirel, raćasa pala vudar sovel.
"Meine Schwester geht den Tag über umher und schläft in der Nacht draußen."
(e motura – Birkenrute)
Mor kalo kak, si les phak, zala vaćarel dža, ala phenel cha.
"Mein schwarzer Onkel hat Flügel; manchmal sagt er dža ("geh!") und manchmal cha ("iss!")."
(o grvano – ein Rabe)

Rade Uhlik hat – in Jugoslawien – auch Rätsel aufgezeichnet (schriftliches Material; unveröffentlicht), die in der slowakischen Roma-Volkskunst sehr ähnliche Variationen haben.

Si ma phen, kaj pi pojrori sa crdel pala pe. (Aus der Sammlung von Rade Uhlik)
"Ich habe eine Schwester, die einen kleinen Schweif hinter sich herzieht."
Hin man ajsi phen, so e pori pal peste cirdel. (Rätsel der Servika Roma)
"Ich habe eine Schwester, die einen Schweif hinter sich her zieht."

Die Einleitungsformel ist nicht zwingend vorgeschrieben. In der Tat ist es bei einigen Rätseln unmöglich, sie mit einer solchen Formel zu beginnen. (siehe unten angeführtes Beispiel) Manchmal lässt die Person, die das Rätsel stellt, die übliche Einleitung einfach aus.

Obwohl die Slowakischen Roma die einzelnen Untergruppen der Rätsel nicht in spezifische Kategorien einteilen, können wir sie nach verschiedenen Kriterien zuordnen. Demnach können wir festhalten, dass es so sako džanel-Rätsel (Rätsel, die jeder kennt) und mek ňiko na šunďa-Rätsel (Rätsel, die noch niemand gehört hat) gibt. Einerseits gibt es Standardrätsel, traditionelle, "alte" Rätsel. Andererseits gibt es auch neue Rätsel, die oft spontan improvisiert werden. Die Rätsel werden gewöhnlich während einer Zusammenkunft der Gemeinschaft improvisiert, wenn jemand inspiriert wird, ein Rätsel "abzufeuern". Das wiederum gibt den Anstoß für andere, sich mehr und mehr neue garude lava auszudenken.

Zu den so sako džanel-Rätseln gehören zum Beispiel:

Štar phrala tel jekh staďi.
"Vier Brüder unter einem einzigen Hut."
(o skamind – ein Tisch)
Hin man ajso phral, so ča jekh kalapa hordinel.
"Ich habe diesen Bruder, der einen Hut trägt."
(o karfin – ein Nagel)
Hin man ajso čhavo, thoves les tele, rovel, hazdes les upre, rovel.
"Ich habe diesen Sohn: Legst du ihn hin, schreit er; hebst du ihn auf, schreit er."
(o lancos – eine Kette)

Die Verfasserin dieses Beitrags hat einmal die Entstehung eines improvisierten Rätsel bei den Verwandten von Bertin und Helena Demeter (1976) aufgezeichnet.

Als Bertin Demeters älterer Schwester Friška kein einziges traditionelles Rätsel einfiel, brachte sie ein ungewöhnliches Problem, das sich auf die aktuelle gesellschaftliche Situation der Roma – d.h. ihre Wanderung von der Slowakei nach Tschechien – bezog. Ihr Rätsel gehört zur Kategorie "Miniatur-Geschichten"-Rätsel.

Hin man pre Slovensko kher. Džav te bešel pro Čechi, kamav te thovel mange o kher pal e Praha. Savoro mire kherestar, so hin pre Slovensku, šaj anav manca, ča jekh na. So hin oda?
"Ich habe ein Haus in der Slowakei. Ich übersiedle nach Tschechien und möchte ein Haus außerhalb von Prag bauen. Von meinem Haus in der Slowakei kann ich alles mitnehmen – bis auf eine Sache. Was ist das?"
(o paňi andal e vakovka, bo imar šuťiľa. – das Wasser im Verputz, denn es ist getrocknet.)

Jeder hätte in diesem Fall an Ziegelsteine, Dachziegel, Tür- oder Fensterrahmen gedacht, aber "getrocknetes Wasser im Verputz" ist keinem eingefallen – zur großen Freude und zum Stolz von Frau Friška.

Ein weiteres improvisiertes Rätsel wurde auf einem Roma-Kinderlager in Kladno (1977) aufgezeichnet, als die Leute eines Abends um ein Lagerfeuer saßen. Zu jener Zeit sammelten wir gerade garude lava; wir versuchten deshalb, die Kinder zu animieren, sich an Rätsel zu erinnern, die sie bereits kannten, indem wir ihnen Rätsel stellten, die wir kannten.

Einige Rätsel des Standardtyps štar phrala … wurden erzählt. Dann flog ein kreischender Vogel über unsere kleine Versammlung – und ein Rätsel war geboren. Seine erste unkorrigierte Version lautete folgendermaßen: Denašel upre tele, gil'avel peske. ("Es fliegt hier und dort und singt zu sich.") Die Gruppe formulierte es dann viel eleganter:

Upre tele denaškerel, gil'i peske gil'avkerel.
"Ich fliege herum den ganzen Tag lang und erfreue mich an meinem Gesang." (2)

Rätsel stellen die Schlagfertigkeit auf die Probe. Das ist wahrscheinlich in jeder Kultur auf der Welt die gesellschaftliche Funktion von Rätseln. Standardrätsel so sako džanel (die jeder kennt) können jedoch die Schlagfertigkeit nicht wirklich auf die Probe stellen, weil die "Ratenden" sie bereits unzählige Male gehört haben und die Antworten bereits kennen.

Trotzdem stellen auch solche Rätsel einen Test dar, d.h. sie überprüfen die romipen, das Wissen über die Roma-Kultur. Sie überprüfen die Kenntnis der maßgebenden Symbole, die bei gesellschaftlichen Zusammenkünften immer wieder dargestellt, bekräftigt und weitergegeben werden. Und zu diesen Symbolen gehören auch die so sako džanel-Rätsel. Abgesehen von dem bereits oben erwähnten "Vier Brüder unter einem Hut" fallen auch andere Rätsel in diese Kategorie, z.B.:

Duj phrala pal peste denašen, jekh avres našťi chudel.
"Ein Bruder läuft hinter dem anderen her und versucht ihn zu fangen."
(entweder: kereki pal e bicigľa – ein Rad eines Fahrrads; oder: o kham, o čhon – die Sonne, der Mond)
So barol upre koreňiha?
"Was wächst mit den Wurzeln am Kopf?"
(upruno dand – ein oberer Zahn)
Hin man ajso čhavo, calo rat terďol andro paňi, cindo nane.
"Ich habe einen Sohn, der die ganze Nacht über im Wasser steht und dennoch nicht nass wird."
(o čhon – der Mond)

Die "Ratenden" von bereits bekannten "Evergreen"-Rätseln bieten gewöhnlich beide möglichen Lösungen an, wenn es mehr als eine gibt, und werden daraufhin mit der gleichen Genugtuung ihres Wissens in Sachen romipen gerühmt, wie wenn sie für ihren Verstand gelobt werden, wenn sie unbekannte Rätsel lösen.

Beispiele von Rätseln des Typs kada mek na šunďom ("dieses habe ich noch nie gehört"):

Romaňi daj - raklo goro
"Roma-Mutter – Nicht-Roma-Sohn "
(e rat, o čhon - Nacht, Mond)
Jekh kaľi andro kalo veš,
Parne čhave šel the deš,
Pijel loľi mol,
šoha na maťol.
(e džuv)
Ein schwarzes Weibchen in einem schwarzen Wald,
einhundertzehn weiße Kinder,
trinkt roten Wein,
wird nie betrunken.
(eine Laus (3))
So keras savore jekhvarestar?
"Was tun wir alle zur selben Zeit?"
(phuruvas – wir werden alt)
So kerel sako jekh čhavoro, kana uľol?
"Was wird jedes neue Kind tun, wenn es geboren wird?"
(kerel than avre čhavoreske andre la dakero per - es wird im Mutterleib Platz für weitere Kinder machen)

Rätsel, die niemand sofort errät, erwecken Ehrfurcht und Bewunderung für die ausgefeilte Metapher, die schöne Formulierung, das philosophische Lebensverständnis und die korrekte Wortwahl. "Kada čačipen!" – "Das ist wahr! So ist es wirklich!" – ist ein Ausdruck größter Wertschätzung.

Rätsel mit unerwarteten oder absurden Pointen, die auf Witzen aufbauen, heißen pherasa (Witze). Hier zwei Beispiele:

Ko hordinel jekhbareder kalapa?
"Wer trägt den größten Hut?"
(kas hin kejhbareder šero – der mit dem größten Kopf)
Soske prastal o šošoj kijo veš?
"Warum läuft ein Hase in den Wald?"
(bo o veš na prastal kijo šošoj – weil der Wald nicht zum Hasen läuft.)

Rätsel wie auch Märchen oder Lieder haben einige Experten der "Zigeunerforschung" vor dieselbe Frage gestellt: Entstammen sie tatsächlich ursprünglich der Kultur der Roma oder wurden sie nur von Nicht-Roma-Nachbarn übernommen? Aber wie viele Arten von Geschichten und Motiven gibt es auch viele Rätsel, die im gesamten eurasischen Bereich zu finden sind, und es ist schwierig zu ergründen, welche Kultur sich welches Rätsel ausgedacht hat. Einige "Roma"-Rätsel geben eher Zeugnis von ihren eigenen soziokulturellen Strukturen, als dass sie auf einen Gadžo-Ursprung hindeuten würden. Einige spiegeln in der Tat die Erfahrungen des Roma-Lebens wider.

Rätsel, die auf Wortspielen aufbauen, kommen ohne Zweifel aus dem Romani. Sie sind auch nicht in andere Sprachen übersetzbar. Wenn man sie erklärt, geht der Witz verloren. Um der Klarheit willen möchten wir jedoch auch solche Rätsel anführen:

Phen jekhe laveha, so hin the lolo the kal'i.
"Sag in einem Wort, was rot und schwarz ist."

(rat: lolo rat, kal'i rat – das Wort rat mit männlichem Geschlecht bedeutet "Blut"; mit weiblichem Geschlecht bedeutet es "Nacht". Das Rätsel gründet sich also auf zwei Homophone (gleich lautende Wörter) mit verschiedenen Bedeutungen und verschiedenen grammatikalischen Geschlechtern.)

Pijes les, pijes la, jov cindo, joj šuki.
"Du trinkst "ihn", du trinkst "sie"; "er" ist nass, "sie" ist trocken."

(o paňi, e cigaretl'a – das Wort pijel, in seiner ersten Bedeutung "trinken", bedeutet in Verbindung mit einer Zigarette "rauchen". Es bedeutet "nehmen", wenn es in Verbindung mit einem Medikament verwendet wird. Paňi – "Wasser" – ist maskulin, also: "er"; cigaretl'a – "Zigarette" – ist feminin, also: "sie". Das Rätsel baut auf den verschiedenen Bedeutungen des Wortes auf.)

Es gibt auch einige interessante Rätsel, die auf der Zweisprachigkeit von Romani und Tschechisch/Slowakisch aufbauen. Das Rätsel fragt nach einem Homophon, das auf Romani etwas anderes als auf Tschechisch bedeutet. In diese Kategorie würde vielleicht auch das tschechische Wort "jak" ("wie"; Romani: sar) gehören. Das phonetische Äquivalent in Romani hat zwei Bedeutungen. Beide werden, nach dem Prinzip der morphologischen Schreibweise, anders geschrieben, als sie ausgesprochen werden: jakh (ausgesprochen: yock) bedeutet "Auge"; jag (ebenfalls ausgesprochen: yock) bedeutet "Feuer".

Phen mange s'oda hin jak?
"Sag mir, was ist ein jak (yock)?"

Wenn die ratende Person nicht alle drei Wörter in Romani und Tschechisch ("wie", "Auge" und "Feuer") nennt, ist er demjenigen, der das Rätsel gestellt hat, in die Falle gegangen.

Ein weiteres zweisprachiges Rätsel baut auf Homophonen auf. Das Romani-Wort tato (lies: totto; "warm") wird wie das tschechische Wort "táto" (Papa, Vater – "dado") ausgesprochen. Das Fragen und die Auflösung dieses Rätsels funktionierten sehr ähnlich wie beim vorangegangenen Rätsel.

Ein besonderer "Test", der kein Rätsel darstellt, ist der "Test von Romani-Wörtern". Dieses Wortspiel oder dieser Sprachtest gilt als äußerst beliebter gesellschaftlicher Zeitvertreib. Die Zuhörerschaft stellt eine Art von Romani-Kenntnis auf die Probe. Romani-Wissen beschränkt sich auf spezielle Wörter, Phrasen und Sätze.

Die Person, die die Frage stellt, leitet die Frage entweder mit einem Romani-Ausdruck ein, der ins Tschechische übersetzt werden muss (Phen mange, s'oda hin … – "Sag mir, was … ist"), oder mit einem tschechischen Begriff, den die Zuhörer auf Romani sagen müssen (Sar pes penel romanes – "Wie sagst du auf Romani …").

Sprachrätselspiele testen zwei Aspekte von Wissen: Wenn ein Rätsel in die Kategorie von oda sako džanel ("jeder kennt dieses") fällt, wird das Wissen um die Roma-Kultur (romipen) überprüft; wenn es dem Typ oda mek ňiko na šunďa ("niemand hat diese jemals gehört") angehört, wird Sprachwissen getestet.

Lange Zeit machten die folgenden zwei beliebten Testworte und -ausdrücke in allen Roma-Gemeinschaften die Runde: kotorošno cel'atos ("gesprenkeltes Kalb") und o melalo džal opre la phirduňaha te šulavel avri o thuvalo ("der Schornsteinfeger klettert die Leiter hoch, um den Kamin zu reinigen").

Das bekannte Wort kominaris – aus dem Slowakischen übernommen – wird durch den Neologismus (sprachliche Neubildung) melalo (wörtlich: "schmutzig") ersetzt, während das Lehnwort drabina (Leiter) durch den Neologismus phirduňi ersetzt wird. (Dieses Wort hat verschiedene regionale Variationen und bedeutet "eine nomadische Frau" oder andernorts ein leichtes Mädchen.) Und thuvalo (wörtlich: "Rauch ausstoßen"; manchmal: "eine Zigarre") ersetzt das Lehnwort kominos.

Kannte jemand diese beiden Ausdrücke in der Zeit, als sie in der gesamten damaligen Tschechoslowakischen Republik die Runde machten, nicht, versagte er in romipen. Es wurde bezweifelt, ob er ein čačo Rom ("ein richtiger Rom") sei. Er war der Gefahr ausgesetzt, dass die Menschen sagen würden na phirel maškar o Roma ("er geht nicht mit Roma" – "er beteiligt sich nicht bei Roma-Zusammenkünften") oder sogar čhinel pes le Romendar ("er meidet Roma").

Hätte er die Zeit mit Roma verbracht, hätte er zwangsläufig an "gesprenkeltes Kalb" und "der Schornsteinfeger, der die Leiter hinaufklettert“ gedacht".

Vergessene Archaismen (altertümliche Ausdrucksweisen), neu entstandene Neologismen und Wörter aus anderen Romani-Dialekten sind nicht in der Beurteilung des Wissens über romipen beinhaltet.

Es werden eher das Sprachwissen und die sprachliche Vorstellungskraft getestet. Bei verschiedenen Treffen hat die Autorin dieses Beitrags folgende Testwörter aufgezeichnet: bešt'i (Sessel; von bešel – sitzen; ein neologisierter Archaismus statt des üblichen stolkos), paraput'a / paraput'i (Generation; es war nicht möglich, die Etymologie festzustellen), mothod'i (unentschuldigtes Fernbleiben von der Arbeit; ein Slangausdruck, offensichtlich aus dem ehemaligen Jugoslawien), mulaňi bar (Friedhof, regionaler Ausdruck für das üblichere cintiris), ričh (ein Bär – archaisches / dialektales Wort für das üblichere medved'is), nakhvadž (Elefant; Neologismus, wörtlich: "Person mit einer langen "Nase""), šingvadž (Rhinozeros; Neologismus, wörtlich: "gehörntes Tier"), Slangausdrücke wie lol'i d'ind'ard'i (wörtlich: "lange Rote" – Karotte); phagerd'i / dandval'i (wörtlich: "zerbrochen / verzahnt" – Korn) usw.

Wie in der Volkskunst anderer Kulturen erscheinen "Rätsel-Geschichten" auch in der Erzählkunst der Roma-Geschichten. Die meisten gehören der Kategorie pherasune / charne paramisa (lustige / kurze Geschichten) an. Ein Rätsel (eines oder mehrere, gewöhnlich drei) und dessen Lösung schaffen eine Handlung, die entgegengesetzte Märchen miteinander verbindet.

Der "Held" – er ist die gute, gescheite und lustige Person, die der Zuhörer anfeuert – muss gewöhnlich das Rätsel lösen, das ihm von seinem Gegenspieler gestellt worden ist. Klarerweise errät er es richtig und gewinnt. Aber es kann auch das Gegenteil der Falls ein: Der Held gewinnt, indem er seinem Gegner ein lustiges Rätsel stellt, das dieser nicht erraten kann. Sein Gegner muss sich infolgedessen geschlagen geben. Zu dieser Art gehört etwa die sehr originelle Geschichte "La Romňakeri hadka" ("Das Rätsel der Roma-Frau"), die im Jahr 1954 von Laci Tancoš (1923-1997) aus Petrovany in der Nähe von Prešov (4) erzählt wurde.

Es ist schwer zu sagen, wie die Zukunft der Romani-Rätsel aussehen wird. Zurzeit sind sie ein ständig lebendiges und sehr beliebtes Genre der schöpferischen Volkskunst. Dank einiger Roma- und Nicht-Roma-Sammler wurden kürzlich auch Bücher zu diesem Thema veröffentlicht. Diese werden wertvoll für zukünftige Generationen sein – nicht nur der Roma, sondern auch all jener, die es lieben, Spaß zu haben und scharfsinnigen Humor zu genießen.

1 Romani-Substantive, belebte wie unbelebte, haben zwei Geschlechter: maskulin und feminin. Die Verwendung der männlichen Familienmitglieder ist ein Hinweis, dass die Antwort auf das Rätsel ein maskulines Wort ist. Wenn das Familienmitglied weiblich ist, ist die Antwort ein feminines Wort. Werden Rätsel in eine andere Sprache übersetzt, in der es auch Geschlechter gibt, müssen diese Geschlechter nicht unbedingt mit jenen der Romani-Wörter übereinstimmen. Das macht die Übersetzung schwierig. Sind die Geschlechter nicht dieselben, könnte der Übersetzer zum Beispiel "Geschwister" für Bruder oder Schwester verwenden, damit der Leser nicht verwirrt wird. So ist beispielsweise in Romani das Wort für Türe (o vudar) maskulin, während das französische Wort ("a porte") feminin ist. Hin man ajso phral, phirel okle arde, stukinel. "J'ai un frère. Il fait des va-et-vient et il grince." ("Ich habe einen Bruder. Er geht vor und zurück und quietscht."). Auf Französisch würde das Wort "frère" ("Bruder") in die Irre führen, da die Antwort "une porte" ist. (Romani-Türen ächzen, französische Türen quietschen.) Verschiedene Rätsel des Roma-Experten Rade Uhlik und des Romani-Dichters, Politikers und Journalisten Rajko Djurić (1980, S. 54, Nr. 177; S. 30, Nr. 83), die im ehemaligen Jugoslawien gesammelt wurden, beginnen mit einem ähnlichen Anfang, d.h. einer Einleitungsformel.
2 Paraphrase des ersten Übersetzers dieses Eintrages.
3 Als im Jahr 1973 Frau Helena Dz. aus Skalice in der Nähe von Česká Lipa dieses Rätsel hörte, gefiel es ihr so sehr, dass sie ihren Mann bat, es aufzuschreiben. Sie selbst konnte nicht so gut schreiben.
4 Die Autorin dieses Beitrags hat die Geschichte niedergeschrieben, wie sie ihr diktiert wurde. Damals stand sie am Beginn ihres Studiums der Roma-Kultur und -Sprache. Sie veröffentlichte sie in "Romské pohádky" (1974) in der Form, in der sie sie damals transkribiert hatte. Da einige Roma-Folkloregruppen – z.B. das Kinderensemble von Frau Čonková aus Ostrava – Material für ihre Mitglieder suchten, um dieses auf der Bühne aufzuführen, versuchten wir, die Geschichte "La Romňakeri hadka" für eine Bühnenaufführung zu bearbeiten. Die Beispiele in diesem Beitrag sind diesem Stück entnommen.

Literatur

Djurić, Rajko (1980) Romane garadine alava – romske zagonetke (= Balkanske narodne umotvorine 2). Beograd.
Hübschmannová, Milena (ed.) (1987) Čeho je na světě nejvíc – So hin pro svetos jekhbuter?. Praha.
Kyuchukov, Hristo (2001) Amari Romani Lumja. Sofia.
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