Vakeriben

vakeriben, m.: Geschichte, Märchen, Unterhaltung, Dialekt

In der traditionellen Roma-Gemeinschaft war vakeriben im Allgemeinen eine der beliebtesten Arten, sich die Zeit zu vertreiben. Er hatte verschiedene Formen und Funktionen, von denen jede einen anderen Namen hatte. Einige Typen von vakeriben können als halb oder nichtformalisierte epische Genres der literarischen Kultur der Roma bezeichnet werden.

Das außergewöhnlichste halb formalisierte Genre ist vakeriben pal o mule (Geschichten über mule [Totengeister]). Eine individuelle Erfahrung mit einem Totengeist wird mit örtlichen Besonderheiten versetzt und mit der Grundvorstellung des mulo und seiner Erscheinung kombiniert. Weitere Themen der Geschichten sind Familienanekdoten: vakeriben pal o dada (Geschichten über Vorfahren und ihre bemerkenswerte Taten). Dank der Erzählung von Kriegsgeschichten bewahren die Geschichtenerzähler diese Erfahrungen, die sie oft selbst erlebt haben und die sie an die nachfolgenden Generationen weitergeben, sehr klar in Erinnerung.

Divano, eine spezifische vakeriben-Form der Kalderaš-Gemeinschaft, ist eine aktive Diskussion des Tagesgeschehens. Mittels des divano wird über das Verhalten und das Benehmen der einzelnen Mitglieder der Roma-Gemeinschaft geurteilt. Servika Roma nennen diese Art der literarischen Erzählung o Roma vakeren (Roma erzählen Geschichten).

Durch vakeriben wurden alle Arten von Informationen, die das Publikum explizit und implizit nach dem Maßstab der romipen beurteilte, weitergegeben und verbreitet. Dadurch wurden ihre ethischen und gesellschaftlichen Normen und Werte erhalten. Vakeriben fungierten deshalb als eine Art von gesellschaftlicher Kontrolle.

Die Politik der Zwangsassimilierung, die versuchte, die "unerwünschte Zigeunerkonzentration" zu zerstreuen und die "rückständige Zigeunerkultur" zu zerstören, verursachte unermesslichen Schaden durch das Zerstören der kulturellen ethischen Kontrollmechanismen, die das Verhalten jedes einzelnen Mitglieds der Roma-Gemeinschaft korrigierten.

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1976