"Zigeunermusik" – Cigányzene

Als "Zigeunermusik" wird in der Regel eine volkstümliche oder populäre Musik bezeichnet, die von professionellen Roma-Musikern primär für Nicht-Roma (Gadže) gespielt wird. Im engeren Sinne ist hier jene volkstümliche ungarische Musik gemeint, deren Wurzeln ins 18. Jahrhundert zurückreichen und die Mitte des 19. Jahrhunderts zu ihrer endgültigen Ausprägung gelangte. Professionelle Roma-Musiker prägten mit ihrer Spielweise den unverwechselbaren Stil der "Zigeunermusik" (Ungar.: cigányzene) und machten diese bis weit über die Grenzen ihres Ursprungslandes hinaus bekannt (Details zur historischen Entwicklung siehe The music of the Roma in Hungary).

Zum Instrumentarium der "Zigeunerkapellen" zählen Geige (prim; vgl. Primas), Bratsche bzw. 2. Geige (kontra), Klarinette, Cymbal (Zymbal) und Bassgeige, ihr charakteristisches Repertoire sind Melodien so genannter volkstümlicher Kunstlieder (Ungar.: magyar nóta – "ungarisches Lied") sowie Tänze, wobei oft auf eine langsame, in freiem Tempo rubato vorgetragene "Zum-Zuhören"-Weise (Ungar.: hallgató) ein im straffen 2/4-Takt gespielter Csardas folgt. [Audio-Illustration: hallgató – csárdás] Darüber hinaus werden populäre Opern- und Operettenmelodien, virtuose Instrumentalstücke, Schlager oder zeitgenössische Unterhaltungsmusik interpretiert.

Typisch für den Stil der "Zigeunermusik"-Ensembles ist der ornamentiert-variierende Vortrag und eine spielerische Spontaneität, die aber tradierten Stilregeln folgt, sowie die daraus resultierende "heterophone "Kontrapunktik"" (die Melodie wird zugleich durch die führende Geige und durch die "Nebenstimme" der Klarinette oder des Cymbals (Zymbals) interpretiert, die aber andere Spielfiguren und Ornamente spielen; Sárosi 1977: 265). Dieses improvisatorische Zusammenspiel prägt, verbunden mit spezifischen Tonskalen ("Zigeuner-Tonleitern" mit übermäßigen Sekundschritten), Harmonisierungen und Kadenzen, den charakteristischen Ensembleklang dieser Musik.

"Zigeunerkapellen" wurden und werden z.T. bis heute vom Berufsmusikerstand der Ungrika-Roma, in Tschechien und der Slowakei auch von Servika-Roma und in Österreich von Angehörigen der Burgenland-Roma gebildet. Sie spiel(t)en in Restaurants und Cafés, für ein städtisch-bürgerliches Publikum, oder im ländlichen Milieu in Gaststätten und auf Festen (Hochzeiten etc.). Ihr Repertoire und Stil hatten wesentlichen Einfluss auf die interne Musikkultur ihrer Roma-Gruppen. [Die Musik der Roma in Böhmen und Mähren]

Literatur

Sárosi, Bálint (1977) Zigeunermusik. Zürich / Freiburg i. Br.
Sárosi, Bálint (1997) Hungarian Gypsy Music – Whose Heritage? (= http://www.hu.net/hungq/no147/p133.htm#_bs). In: The Hungarian Quarterly Vol. 38 / No. 147, pp. 45-47.
Sárosi, Bálint (1997) Zigeunermusikanten und ungarische Musiktradition. In: Winkler, Gerhard J. (ed.) Musik der Roma im Burgenland. Referate des Internationalen Workshop-Symposiums Eisenstadt, 5.-6. Oktober 2001 (= Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland 108), Eisenstadt, pp. 33-39.
Sárosi, Bálint (1999) Sackpfeifer, Zigeunermusikanten – Die instrumentale ungarische Volksmusik. Budapest.
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Image "hallgató – csárdás"