Věra Bílá

Věra Bílá ist die bekannteste zeitgenössische Roma-Sängerin Tschechiens. Sie wurde am 22. Mai 1954 in Rokycany geboren und stammt aus einer Musiker-Dynastie, der Familie Giňa, die 1945 aus der östlichen Slowakei nach Rokycany übersiedelte. Ihre Mutter war eine herausragende Sängerin; ihr Vater, Karol Giňa, leitete eine Zimbal-Band, die vor allem bei Roma-Hochzeiten und -Feiern in der weiteren Umgebung von Rokycany auftrat (im Gegensatz zur Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, als Roma-Bands in der Slowakei in erster Linie von Nicht-Roma engagiert wurden).

Bílá hat ihre traditionelle Lebensart beibehalten: Im Sinne des Roma-Sprichworts "Wer jemanden heiratet, muss bis zum Tode bei ihm bleiben" lebt sie mit ihrem Ehemann František seit ihrem fünfzehnten Lebensjahr zusammen. Gemeinsam haben sie einen Sohn adoptiert. Auch die traditionellen Bräuche werden von ihr hochgehalten: Der Glaube an Gott [Devel] und an den mulo (Totengeist) ist Teil ihres Lebens.

Seit dem Alter von acht Jahren tritt Vera Bílá öffentlich auf. Zuerst sang sie im traditionellen Umfeld auf Familienfesten, Hochzeiten und Feiern. 1994 folgte dann das erste professionelle Konzert mit ihrer Gruppe "Kale" (kale: "schwarz"), in der auch Verwandte aus Věras großer Familie spielen. Bílás Gesang ist charakteristischerweise sehr farbenfroh. Ihre reiche Stimme und ihr immenser Tonumfang tragen zur unverwechselbaren Ausstrahlung der Sängerin bei. Věra Bílá beherrscht darüber hinaus auch fünf Musikinstrumente: Gitarre, Klavier, Zimbal, Schlagzeug und Akkordeon; sie spielt sie aber nicht vor Publikum.

Bei Konzerten singt Bílá neben den traditionellen Liedern der tschechischen und slowakischen Roma (Hallgató und Csardas) vor allem Rompop, den sie zumeist selbst textet und komponiert. Die Themen sind sowohl ihrem traditionellen Roma-Hintergrund als auch dem aktuellen Lebensstil entnommen.

Im Jahr 1985 wurde das Buch "Kali Zpívá" ("Kali singt"), das ihre beliebtesten Lieder dieser Zeit enthielt, veröffentlicht (Prag: Supraphon). Der Erfolg ihrer ersten zwei CDs ("Rom pop", 1995, und "Kale kalore",1998) brachte Bílá und ihrer Gruppe, "Kale", Einladungen zu internationalen Musik-Festivals ein, z.B. "Les Printemps de Bourges" (Frankreich), Falun (Schweden), und Kaustinen (Finnland). 1999 unternahm Bílá mit ihrer Gruppe eine große Konzerttournee durch Europa, die USA, Kanada und Japan und trat dabei sogar im Vatikan auf. Ihre CD "Rovava" (2001) kam gleichzeitig in der Schweiz, in Finnland, England, Frankreich, Polen, Israel, Holland und Belgien heraus.

Věra Bílá spielte bei zwei Filmen des slowakischen Regisseurs Dušan Hanák, "Růžové sny" ("Rosa Träume"), 1976, und "Já milujem, tu miluješ" ("Ich liebe, du liebst"), 1980, mit. Ein Semi-Dokumentarfilm über Věra Bílá, "Černobílá v barvě" ("Schwarz und Weiß in Farbe") wurde unter der Regie von Mira Erdevički-Charap im Jahr 1999 gedreht.

Literatur

Supraphon (ed.) (1985) Kali Zpívá. Praha.

Tonträger

Bílá, Věra (1995) Rom pop. CD BMG-Ariola (0743212791020).
Bílá, Věra (1998) Kale kalore. CD BMG-Ariola (0743215598725) .
Bílá, Věra (2001) Rovava. CD BMG-Ariola (0743218958427).
Image Druckversion
Image Věra Bílá mit ihrer Band "Kale"
Image "E daj nasval'i"
Věra Bílá in einer Roma-Siedlung (Slowakei), 1999
Věra Bílá in einer Roma-Siedlung (Slowakei), 1999