Cinková Panna (Cinka Panna)

Panna Cinková, oder Cinka Panna, wie sie auf Ungarisch genannt wird [The music of the Roma in Hungary], war eine außerordentliche Roma-Volkskünstlerin, Komponistin und Violinvirtuosin, die im achtzehnten Jahrhundert ihre eigene Roma-Band leitete. Bereits zu ihren Lebzeiten wurde sie anerkannt und bewundert. Nach ihrem Tod wurde sie zur Legende, zur Heldin vieler Geschichten, Romane, Gedichte und Theaterstücke und auch Motiv für tschechische und slowakische Maler.

Sie wurde – wahrscheinlich im Jahr 1711 – in einer Musikerfamilie im Dorf Gemer, das heute im Bezirk Rimavská Sobota (Slowakei) liegt, geboren. Vor Panna Cinkovás Geburt war ihr Vater Sándor (Alexander) Cinka Hofmusiker von Franz Rákóczy II in Rožňava. Bereits mit neun Jahren begeisterte sie ihre Familie und ihre Nachbarn mit ihrem wunderbaren Violinspiel und zog die Aufmerksamkeit des adeligen Provinzleiters der Region Gemer, Ján Lányi, auf sich, der in der Folge ihr großzügiger Gönner wurde.

Das Musizieren lernte Panna als Kind von den örtlichen "Zigeuner"-Musikern in Rožňava. Sie war sehr jung – wahrscheinlich 14 Jahre alt –, als sie einen Roma-Schmied und -Musiker heiratete. In dieser glücklichen Ehe zogen sie in Gemer vier Söhne und eine Tochter groß. Panna Cinková gründete und leitete ihre eigene "Zigeunerband", zuerst gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihren Schwägern und später mit ihren Söhnen. Sie entwarf für ihre Bandmitglieder ein Kostüm, das an eine Militäruniform erinnert. Auf Bildern ist sie meist in dieser Uniform dargestellt. Bald wurde sie nicht nur dank ihres virtuosen Violinspiels, sondern auch wegen ihres weiblichen Charms zu einer erfolgreichen und beim ungarischen Adel und in der Umgebung sehr gefragten Musikerin. Sie und ihre Band spielten sogar für Maria-Theresia.

Ihr Lebensweg endete im Jahr 1772, als sie im Alter von 61 Jahren starb. Am 5. Februar 1772 wurde sie in ihrem Heimatort Gemer begraben.

Panna Cinkovás Repertoire umfasste nicht nur die Volks- und Tanzmusik jener Zeit, sondern auch eigene Kompositionen. Heute ist es jedoch schwierig zu unterscheiden, was sie selbst komponiert und was sie nur von anderen Autoren übernommen hat. Zudem ist oft auch unklar, die Urheberschaft welcher Stücke ihr erst im Laufe der folgenden Jahrhunderte zugesprochen worden ist. Der Musikwissenschaftler und Bandleader J. Káldy ist der Ansicht, Panna habe ihre erfolgreichsten Kompositionen im Jahr 1735 geschrieben. Er glaubt, dass sie auch die Koautorin von kurzen Musikstücken war, die als ungarische Hallgató ("Hörstücke") bekannt sind. Seit 1970 findet im Heimatort dieser gefeierten Künstlerin, Komponistin und legendären Bandleaderin jährlich ein Musik- und Tanz-Festival statt. Zu ihren Ehren wurde es "Cinka Panna Festival" genannt.

Text beruht im Wesentlichen auf

Ševčíková, Hana (1992) The Romani Band Leader Panna Cinková. In: Mann, Arne B. (ed.) Neznámí Rómovia. Bratislava, pp. 117-126.
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Panna Cinková (1712-1771)
"Panna Cinková". Bild von Roma-Kindern aus Jarovnice (Slowakei), 1995