Jožka Kubík

Bandleader von Horňácko, "dessen Name in den Sternen steht"

Volksmusiker, nach dem der Asteorid 1761 zwischen Mars und Jupiter benannt wurde, 9. April 1907 - 8. Februar 1978.

Es ist in der Tat lange her, dass man zur Auffassung gelangte, dass Volkskunst, einschließlich Musik, aus einer Art mystischer kollektiver Ekstase entsteht. Aber um zu verstehen, auf welche Weise jemand mit außergewöhnlicher Begabung die Tradition beeinflussen kann, müssten wir wesentlich mehr über herausragende Persönlichkeiten wissen, als wir das heute tun. Im Fall von Jožka Kubík, dem Bandleader von Horňácko, war es ein Glück, dass Dušan Holý, der zur wissenschaftlichen Autorität auf dem Gebiet der mährischen Volkskunst werden sollte, in seiner Nähe aufwuchs.

Holý hat unter anderem das faszinierende Buch "Mudroslovi primáše Jožky Kubíka" ("Die Worte des Bandleaders Jožka Kubík") (1984) verfasst, in dem er diesen bemerkenswerten Mann und Musiker unter Verwendung unterschiedlicher Quellen (wissenschaftliche Studien, Erinnerungen und Zitate von Kubík) beschreibt. Zudem beteiligte sich Holý als Koautor am Film "Majstr" (1974, Regie von Rudolf Adler) sowie an der Herausgabe der Musikedition "Dalekonosné Husle. Muzika Jožky Kubíka a zpěváci z Horňácka" ("Die weit reichende Geige. Musik von Jožka Kubík mit Sängern aus Horňácko") (1998). Einzelaufnahmen, einschließlich Radioaufnahmen, findet man auch verstreut in älteren Medien ("Antologie autentických forem československého hudebního folklóru"; "Anthologie der authentischen Formen tschechoslowakischer Volksmusik"). Deshalb können sich selbst jene, die diesen legendären Musiker nicht getroffen haben, ein klares Bild von ihm machen.

Anfänge

Jožka Kubíks Vorfahren waren Roma, die bereits im neunzehnten Jahrhundert in Mähren sesshaft waren. [Tschechische Roma] Die Männer gingen den traditionellen Berufen nach: Sie waren Schmiede, die kleine Gegenstände wie Ketten, Nägel oder "Dreifüße", die in Öfen passten, herstellten. [Schmiede] Und sie waren Musiker. (Diese traditionelle Zugehörigkeit zu einem oder mehreren entsprechenden Berufen sowie die weit verbreitete Praxis der "Endogamie", Heirat nur innerhalb der Gruppe, entsprechen sehr stark dem Kastensystem [Jati], von dem das Leben ihrer indischen Verwandten – der Kaste der Ḍom-Musiker – grundlegend bestimmt ist.) [Rom-Ḍom]

Die Frauen kümmerten sich normalerweise um die Familie und sorgten für das Essen. Sie halfen bei reichen Bauern im Haushalt oder arbeiteten auf den Feldern (Männer haben sich in der Regel nicht mit der Landwirtschaft beschäftigt) und wurden zumeist mit Lebensmitteln oder alter Kleidung bezahlt.

Die Rollenzuweisung in der Musik entsprach der grundsätzlichen Geschlechteraufteilung: Während die Männer in der Nachbarschaft für Geld musizierten, gaben die Frauen ihr Wissen über das traditionelle Liedgut weiter. Sie spielten keine Musikinstrumente, waren aber andererseits sehr oft außergewöhnliche Sängerinnen. (Eine von ihnen, Růžena Danielová, die Frau von Jožkas Bruder Pavel, wird in dem ausgezeichneten Buch "Žalující piseň" ["Anklagendes Lied"] von Dušan Holý und Ctibor Nečas porträtiert.)

Wie andere Roma-Familien, die sich bereits seit mehreren Jahrzehnten in Mähren niedergelassen hatten, hörten auch die Kubíks auf, Romani zu sprechen. Es war ihnen kein Anliegen, sich von ihren Nicht-Roma-Nachbarn zu unterscheiden. Dennoch gelang es ihnen nie, die Trennlinie zur Mehrheitsgesellschaft zur Gänze zu überwinden. Nebenbei bemerkt spiegelt auch ihre Musik diese Wirklichkeit wider. Die Roma spielten Seite an Seite mit Mitgliedern der Mehrheitsbevölkerung und gemeinsam schufen sie vor allem mährische Lieder. [Musik der Roma in Böhmen und Mähren]

Nichtsdestoweniger schrieb der Geiger Jan Ňorek im Jahre 1966: "Vergleichen Sie mich mit Jožka Kubík? Sie sollten das nicht tun, ich fühle mich dadurch gekränkt. Manche sagen: J. K. stammt von den Zigeunern ab, der andere eben nicht." (Aus einem Brief an Dušan Holý betreffend eine Monographie über Horňácko aus dem Jahr 1966.)

Ein Leben mit der Musik

Jožka Kubík wurde am 9. April 1907 in Hrubá Vrbka (in einem südöstlichen Teil Mährens namens Horňácko) in einer typischen Roma-Familie, deren Vorfahren bereits Musiker waren, geboren. Nicht nur er, sondern auch seine jüngeren Geschwister wurden Musiker. Von den acht Kindern erreichten nur noch drei andere das Erwachsenenalter: zwei Mädchen und sein Bruder Pavel, der in Jožkas Band die Violine spielte.

Ein schönes Foto von Eva Davidová, das in der Alten Synagoge in Pilsen bis November 2001 ausgestellt war, zeigt eine Gruppe von fünf- oder sechsjährigen Roma-Buben, die ihre eigene Band gegründet haben. Statt Geige und Bogen hielten sie allerdings Zweige in ihren Händen. Dies liefert ein recht treffendes Bild davon, wie Roma das Musizieren erlernten: zunächst durch Nachahmung auf Zweigen, dann auf einigen alten Instrumenten, deren Saiten durchgescheuert waren, und immer wieder durch Zuhören und Üben.

Schon als Kind entwickelte Jožka eine große Leidenschaft für die Violine. Sogar wenn er mit Freunden Schlittenfahren ging, soll Jožka, glaubt man den Erzählungen, seine Violine nicht aus der Hand gegeben haben. (Wir müssen nicht hinzufügen, dass die Violine einmal, als sie mit dem Schlitten gegen ein Hindernis prallten, in Brüche ging.)

Die Ausbildung eines Volksmusikers bietet ihren Anfängern zwei Gegenstände: Zuhören und Imitieren. So lernte Jožka Kubík: zunächst durch das Zuhören von berühmten Bands ("Ňorks", "Lipárs", "Miškeříks"). Im Alter von fünfzehn Jahren wurde er der selbst Leiter einer dieser Bands ("Lipárs"). Seit Mitte der dreißiger Jahre hatte er bereits seine eigenen Zimbalgruppen. (Nebenbei: Während man sich eine ungarische "Zigeuner"-Band kaum ohne Zimbal vorzustellen vermag, bestand ein gewöhnliches Horňácko-Ensemble nur aus Saiteninstrumenten. Es war Kubík, der zu den Violinen und Violas als typischen Begleitinstrumenten der Volksmusik das Zimbal hinzufügte. Die Veränderungen und Entwicklungen in der Zusammenstellung von Kubíks Band sind auf den vielen Aufnahmen aus den Jahren zwischen 1941 und 1974 dokumentiert. Die bedeutendste Neuerung stellte die Einführung der "c-Klarinette" in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre dar.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden neunzig Prozent der mährischen Roma in Konzentrationslagern ermordet. Dank der ansonsten kaum bekannten Vereinigung Ethnographisches Mähren, der der Sohn des berühmten Malers Joža Úprka vorstand, wurden jedoch einige wenige Roma-Musiker aus Hrubá Vrbka vom Abtransport "zurückgezogen" und mussten so nicht dasselbe Schicksal erleiden wie ihre Eltern und Geschwister. Einer von ihnen war Jožka.

Nach dem Krieg nahm er verschiedene Beschäftigungen an (in einer Nadelfabrik in Velká nad Veličkou, in einem Pováží-Maschinenwerk und in einer südmährischen Metallrohr-Fabrik.) In erster Linie spielte er jedoch weiterhin Musik und leitete sein Ensemble. Einige der Musiker, die zeitweise seiner Band angehört hatten, stellten später eine wichtige Verbindung zur Horňácko-Tradition (Martin Hrbáč, František Okénka) dar.

Vom Jahr 1974 an, als Kubík begann, krank zu werden, verlor er langsam sein Interesse an der Musik. Er verkaufte einige seiner zahlreichen Instrumente, (die er als Musiker und nicht als "Sammler" zusammengetragen hatte): ein Klavier, auf dem er früher zu seinem eigenen Vergnügen gespielt hatte, Zimbals, eine Violine. Das letzte Mal, dass er spielte, war anlässlich der Feier seines siebzigsten Geburtstags. Er starb am 8. Februar 1978.

22 Jahre später kam er zurück: als schwarzer Asteroid, der zwischen Mars und Jupiter kreist. Der Asteroid wurde von südböhmischen Astronomen entdeckt und trägt auf den Vorschlag von Břetislav Rychlík hin den Namen Kubík.

Die Frage, warum sich ausgerechtet Kubík und seine Band unter den Dutzenden erstklassigen südmährischen Gruppen einen solchen Namen machen konnten, ist hier noch nicht beantwortet worden: Einerseits passten Kubíks Repertoire und Art zu spielen wie auch die Zusammensetzung seiner Band genau in die Horňácko-Tradition. Andererseits führte er, als äußerst schöpferischer Mensch, auch neue Elemente ein. Grundlegend war die oben erwähnte Einführung des Zimbals, das sowohl das Repertoire um die "neuen ungarischen" Lieder erweiterte als auch die Technik der gesamten Gruppe beeinflusste (kurze Pausen zwischen den Strophen, technisch ausgearbeitetere Ziermelodien mit zahllosen kleinen melodischen Ausschmückungen, die offenbar von slowakischen Roma-Musikern übernommen wurden).

Die Grund für Kubíks Einzigartigkeit liegt jedoch vielleicht noch tiefer. Alle, die ihn persönlich kannten, bestätigen seine Gastfreundlichkeit, Offenheit und Ehrlichkeit. Diese Eigenschaften verband er mit einer absoluten Leidenschaft für die Musik, der er sich rein intuitiv näherte. In einem Epigramm erklärt er: "Daheim habe ich ausprobiert, was mir gefiel. Was mir nicht gefiel, habe ich einfach nicht beachtet." Und seine Intuition war unfehlbar. "Es handelt sich um wahre Musik, wenn man Gänsehaut bekommt und die Haare zu Berge stehen." So spielte er. Man sollte eher seine Musik hören, als nur darüber zu lesen.

Zitate

"In Velká nad Veličkou gibt es drei Künstler: Martin Petrík, der Radios und TV-Apparate reparieren kann und alles über Strom weiß; Jan Hrbáč, ein Gádžo, der Violinen und alle anderen Instrumente repariert, und der alte Žilkara, ein Slowake, der gut bei Begräbnissen spricht."

Vladimír Klusák bot Kubík an, ihn mit dem Auto nach Velká nad Veličkou mitzunehmen. Kubík lehnte ab, indem er sagte:

"Fahre nicht mit dem Auto! (…) Ich werde nicht mit dir im Auto fahren. Ich gehe lieber zu Fuß." Und kurze Zeit danach hatte Klusák einen Unfall.

Bald nach der Befreiung vom Faschismus wurde Kubík ins Arbeitsamt gerufen, wo man ihm erklärte, er müsste in einem Team in den Minen arbeiten. Er dachte kurz nach und antwortete:

"Hören Sie: Lass in der Erde, was bereits in der Erde ist. Gott hat es dort angebracht. Und Kohle brennt in meinem Ofen nicht. Sie raucht. Ich möchte ihren Rauch nicht. Lass den sie ausgraben, der sie braucht."

Literatur

Holý, Dušan (ed.) (1984) Mudrosloví primáše Jožky Kubíka. Praha.
Holý, Dušan / Nečas, Ctibor (1993) Žalující píseň. Strážnice.

Tonträger

Holý, Dušan (ed.) (1998) Dalekonosné Husle. Muzika Jožky Kubíka a zpěváci z Horňácka, Brno (Gnosis CD G-Music 014).
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Jožka Kubík (1907-1978)