Pista Dankó

Roma-Bandleader und -Komponist (1858-1903)

"Nótafa" (1), der Komponist und Musiker Pista (2) Dankó, wurde in der ungarischen Stadt Szeged geboren. [The music of the Roma in Hungary] Seine Lebensgeschichte ist ein gewichtiger Beweis dafür, dass er dem bereits vom Autor von "Szózat" (3) und anderen Dichtern eingeschlagenen Weg folgte. Er begann im Alter von 28 Jahren zu komponieren – zuerst Lieder aus der sprachlichen Umgebung von Szeged, später Vertonungen der Gedichte von Lajos Pósa (4), die, durch Dankós Interpretationen, den Eindruck traditioneller Volkslieder vermittelten. In diesem Zusammenhang sei zum Beispiel das Lied "Az a szép, az a szép" ("Hübsch ist er, hübsch ist er") erwähnt, das später so große Bekanntheit erreichte. Insgesamt vertonte er etwa 400 Gedichte.

Als junger Mann gehörte er den "Hangászsor", einem Ensemble in Szeged, an. Das Leben führte ihn dann nach Szatmar, wo er seine lebenslange Liebe, Ilonka Joó, die Tochter des Bürgermeisters von Szatmar, kennenlernte. Obwohl Pista Dankó bereits ein bekannter Musiker war, stellte sich Ilonkas Vater gegen die Ehe, weil es für Gadže (Nicht-Roma) nicht üblich war, "Zigeuner" zu heiraten. So liefen Pista und Ilonka, die ihr ganzes Leben, bis zum Tod, seine treue Lebenspartnerin bleiben sollte, davon. Durch überraschende Ereignisse und Kehrtwendungen gestaltete sich das Leben von Pista Dankó besonders farbenfroh.

Im Laufe seines Lebens begegnete er vielen herausragenden Persönlichkeiten, mit denen er auch ein gemeinsames Schicksal teilte; viele von ihnen wurden zu seinen persönlichen Freunden. Zu ihnen zählten zum Beispiel auch der Ministerpräsident István Weckerle (5) und eine Reihe von führenden ungarischen Schriftstellern, Dichtern und Publizisten, deren Arbeiten oft bei "Zenemübolt", einem Verlagshaus in Rózahegyszky (Ružemberok), veröffentlicht wurden. Ein Großteil der Materialien, die Dankó für seine Kompositionen verwendete, kamen von Zenemübolt.

Dankó ist ein leuchtendes Beispiel für einen Angehörigen der "Zigeuner"-Intelligenzia, die nach Anerkennung und Ruhm strebte. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Mit der Hilfe exzellenter Musik-Experten beschloss er, sich selbst einen Weg zu erarbeiten, wie er sowohl erfolgreich den Musikgeschmack des Publikums als auch seinen eigenen treffen konnte. Zu jener Zeit hörte das Publikum besonders gerne Musik, die von Nóta (6), Csardas und Andalgas (ungarischen Tänzen) beeinflusst war. Zeitgenössische ungarische Musiktheoretiker haben diese Art von Musik zwar oft kritisiert, doch sie kann auf keinen Fall mit den heutigen verkitschten Nachahmungen originaler ungarischer Nóta verglichen werden.

Wie bereits erwähnt hatte Pista Dankó am Ende des 19. Jahrhunderts enge Verbindungen mit verschiedenen herausragenden Schriftstellern seiner Zeit. In diesem Zusammenhang soll auf jeden Fall Géza Gárdonyi, Autor so außergewöhnlicher Werke wie "Egri Cyillagok" ("Die Sterne von Eger") oder "Láthatatlan ember" ("Der unsichtbare Mann"), Erwähnung finden. Es war übrigens Gárdonyi, der an der Fertigstellung der Endversion von Dankós Nóta und anderer Musikkompositionen beteiligt war.

Auf Drängen Gárdonyis komponierte Dankó seinen Marsch "A magyarok bejövetele" ("Ungarischer Marsch") anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten zum tausendsten Jahrestag der Gründung des ungarischen Staates im Jahr 1885. Aus diesem Anlass wurde im Rahmen einer Galaveranstaltung auch Árpád Fesztys (7) Panoramabild ("A Feszty körképe") der Öffentlichkeit präsentiert. Mit diesem Marsch eroberte sich Dankó de facto einen Platz inmitten der Elite des ungarischen Kulturlebens jener Zeit. Pista Dankó starb im Alter von 45 Jahren an einer Lungenkrankheit.

Pista hat jedoch seinen wahren Höhenpunkt – Anerkennung, Erfolg und Ruhm – erst nach seinem Tod erlangt. Sein gesamtes Leben lang war Dankó von Journalisten (z.B.: Endre Ady, Ferenc Móra, Gyla Juhász etc.) höchst gelobt worden, deren Meinungen allerdings erst später Beachtung fanden. Zwanzig Jahre nach seinem Tod forderte Lajós Posa ein Denkmal für Pista Dankó. Eine öffentliche Sammlung machte dies möglich. Das Denkmal, ausgeführt von Ed Margó, steht heute in Szeged am Ufer des Flusses Tisza.

Pista Dankó war der zweite ungarische Rom nach Jánoš Bihari, dem eine solche Anerkennung zuteil wurde. Die musikalischen Darbietungen und Interpretationen dieser zwei Musiker stehen für das Beste, was aus der typischen "Zigeuner"-Interpretation ungarischer Volksmusik je entstanden ist. Zu den Komponisten, die zutiefst von "Zigeunermusik" beeindruckt waren, zählen Ludwig van Beethoven, Franz Liszt [The music of the Roma in Hungary], Bedřich Smetana, Antonín Dvořák und Johannes Brahms. Der so genannte "ungarische Rhythmus" wie auch der unerschöpfliche Reichtum an Roma-Melodien stellen deutlich unter Beweis, (1) dass es nur gute und schlechte Musik gibt; (2) Musik keine Grenzen kennt und gute Musik ihren Zuhörern immer einzigartige künstlerische Erfahrungen auf höchster spiritueller Ebene garantiert; und (3) Musik von hoher Qualität immer einer reinen Quelle entspringt. (8)

1 Spitzname für Pista Dankó; eigentlich ein altertümlicher Ausdruck für einen Sänger von Volksmusiks-Balladen.
2 Pista: Kurzform des Namens István (Stefan); seit jeher war es Tradition, die Vornamen von "Zigeuner"-Bandleadern abzukürzen: z.B. Márton – Marci; Ferenc – Feri etc.
3 Szózat: berühmtes "National"-Gedicht von Mihály Vörösmarty, verfasst in den 1830er Jahren.
4 Lajos Pósa: Dichter, Schriftsteller; schrieb vor allem Gedichte in Anlehnung an die Volksdichtung; ein Großteil seiner Arbeit wurde vertont.
5 Er setzte sich für ein Gesetz hinsichtlich der Eheschließung von Bürgern verschiedener Glaubensrichtungen ein.
6 Nóta, oder Balladen, sind keine authentischen Volkslieder, da ihre Verfasser bekannt sind; nichtsdestotrotz sind sie eine populäre Art ungarischer Musik. [The music of the Roma in Hungary] Die Originalität der Gestaltung der Nóta durch "Zigeuner"-Musiker hat sehr zur deren tiefer Verankerung in der traditionellen ungarischen Musik beigetragen.
7 Árpád Feszty: Maler, Künstler; bis 1944 wurde sein weltweit gefeiertes Panoramabild "Marsch der Ungarn" im Budapester Városliget (einem großen öffentlichen Park in Budapest) ausgestellt.
8 Frei nach einem Zitat des ungarischen Komponisten Béla Bartók.

Text beruht im Wesentlichen auf

Gsemer Geza (2001) Szögeny Dankó Pista. Alomregeny, Budapest.
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Pista Danko (1858-1903)