Die Familie Stojka

Die Lovara-Familie Stojka zählt heute zu den bekanntesten Künstler-Familien Österreichs. Ceija, Karl und Mongo sind als bildende Künstler, Schriftsteller und Sänger Kunstfreunden in ganz Europa ein Begriff. Karl Ratzer, der Sohn Karls, und Harri Stojka, der Sohn Mongos, erbten das künstlerische Talent von ihren Vätern und sind heute Jazz-Musiker von Weltruf. Darüber hinaus treten Ceija, Karl und Mongo Stojka seit über einem Jahrzehnt unermüdlich als Zeitzeugen bei verschiedenen Veranstaltungen, im Rundfunk und in Schulen auf und leisten mit ihrem Einsatz einen wesentlichen Beitrag zur Bewusstseinsbildung, zu Toleranz und Demokratiefestigung.

Die Stojkas sind Angehörige jener Lovara-Gruppe, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus Ungarn und der Slowakei ins heutige Österreich emigrierte. [Geschichte der Vlach-Roma] Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren nahezu alle Lovara-Familien als nomadische Pferdehändler tätig. Ab diesem Zeitpunkt wurde es jedoch zunehmend schwierig, dem Wandergewerbe nachzugehen. Roma sollten zur Ansiedlung gezwungen oder vertrieben werden. Um das Weiterziehen zu verhindern, wurden ihnen die Zug- und Lasttiere abgenommen. Neue Pferde durften nur mehr mit polizeilicher Erlaubnis gekauft werden. Der Familie Stojka gelang es jedoch länger als anderen, sich der behördlichen Einflussnahme zu entziehen und ihrem traditionellen Beruf nachzugehen. In den Erinnerungen Ceijas, Karls und Mongos wechselten sich in den Jahren bis 1939 deshalb auch schreckliche Erfahrungen mit Zeiten des Glücks und der Freude ab.

"Mein Bruder Karl erzählt die Geschichte seiner Geburt (Anm. 1930): "Durch Wampersdorf fließt ein Bach, der Niederösterreich vom Burgenland trennt. Auf der niederösterreichischen Seite war ein Lagerplatz, auf dem unsere Familien Station machten. Mutter war kurz vor ihrer Niederkunft und begab sich in den Wohnwagen. (...) Als ich auf die Welt kam, wickelten die Frauen mich in ein weißes Leintuch und schrieen aus dem Wohnwagen: Wakar, bale Schawo si tu, najis Deweleske! – Wakar, du hast wieder einen Sohn, Gott sei gedankt! Vater nahm mich, lief zum Bach hinunter und wusch mich. Er tauchte mich auch ein paar Mal unter. Das erzählte er uns später am Lagerfeuer. Ich hatte lockiges, blondes Haar und war somit der Stolz der Gilestschi. Mutter war deswegen überglücklich. Jetzt war ich ihre große Liebe. Vater liebte mich auch sehr, aber sein ausgesprochener Liebling war Mongo, den er nur selten aus den Händen gab. (...) Zu meiner Taufe verkaufte Petak vier Pferde, sein Sohn Garli drei Pferde, Leitschi verkaufte zwei und Vater verkaufte drei Pferde. Die Taufe dauerte etliche Tage. Es kamen viele Rom[a] und Sinti zu diesem Fest. Sie tanzten und sangen. Vater war so stolz."" (Mongo Stojka, 2000)

Mongo wurde 1929, Karl 1930 und Ceija Stojka 1933 geboren. Zusammen mit ihren älteren Schwestern, Mitzi und Kati, ihrem jüngeren Bruder Ossi, ihren Eltern und Großeltern bildeten sie die Kernfamilie. Die meisten Fahrten wurden jedoch in Familienverbänden unternommen. Befreundete und verwandte Familien schlossen sich zu einer Art Wirtschaftsgemeinschaft zusammen, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen – was Lagerplätze, Märkte, den Pferdehandel und die Pferdeaufzucht, aber auch Traditionen und Bräuche betraf – teilte und an ihre Kinder und Kindeskinder weitergab. Die Mutter, Sidi, wird in den Lebenserinnerungen ihrer Kinder als starke, fröhliche und traditionsbewusste Frau geschildert, die trotz des Umstands, dass sie Analphabetin war, durch ihren Weitblick und ihre Intelligenz Sicherheit und Geborgenheit ausstrahlte. Der prägendste Einfluss für ihre weitere Entwicklung dürfte jedoch von ihrem Vater, Wakar Horvath, ausgegangen sein:

"Unser Vater, 1909 geboren, war schon in seiner Jugend ein moderner und aufgeschlossener Mann. Er konnte lesen und schreiben. Das war für Roma zu dieser Zeit nicht alltäglich. Er schickte uns in die Schule. Das war nicht selbstverständlich, denn in der Zwischenkriegszeit zeigten sich die Behörden sehr nachsichtig, wenn es um die Erfüllung der Schulpflicht bei "Zigeunern" ging. Als unser Vater 20 Jahre alt war, lebten die Rom[a] noch sehr stark in ihrer Tradition. Für viele Rom war er also ein Vorbild. Wakar wusste sich modebewusst und mit Stil zu kleiden. Meistens trug er Anzüge aus England. (...) Die Rom, die ihn kannten, bewunderten ihn."

In traditionellen Roma-Gemeinschaften genoss Schulbildung aus den unterschiedlichsten Gründen kein hohes Ansehen. Zum einen natürlich deshalb, weil die Einflussnahme der Gadže-Lehrer nicht kontrollierbar und das Misstrauen gerade gegenüber behördlichen Einrichtungen sehr groß war. [Gadscho (Gadžo)-Das-Gor] Andererseits war und ist Bildung bei Roma in ein vollkommen anderes Wertesystem integriert und bezieht sich vor allem auf mündlich tradiertes Wissen; dieses wiederum ist – verglichen mit dem Bildungsverständnis der Nicht-Roma – wesentlich gegenwartsbezogener und alltagsnäher. Dass sich diese beiden Bildungs-Vorstellungen jedoch nicht ausschließen müssen, beweist die Familie Stojka bis heute.

Neben dem Bildungsbedürfnis färbte auf Ceija, Karl und Mongo Stojka auch das künstlerische Talent und selbstbewusste Auftreten ihres Vaters ab. Sich der eigenen Fähigkeiten bewusst zu sein, scheitert gerade für Angehörige diskriminierter Minderheiten an nicht selten unüberwindlichen Barrieren. Und gerade die Familie Stojka hätte Zeit ihres Lebens genug Gründe vorgefunden, vor diesen Hürden zu kapitulieren und im "Verborgenen" zu bleiben. Die unterschwelligen Vorurteile, mit denen man sich bis zu einem gewissen Grad arrangieren konnte, waren die eine, die massiven Diskriminierungen bis hin zur systematischen Vernichtung, die zur nahezu gänzlichen Auslöschung der Familie Stojka führte, die andere Seite. Dieses für Außenstehende nur erahnbare Leid ist bis heute gegenwärtig. Dass es nicht überhand nimmt und die Kontakte zur Mehrheitsgesellschaft auf Dauer verhindert, ist dem Lebenswillen und der starken Persönlichkeit der überlebenden Angehörigen der Familie Stojka zu verdanken.

1939 wurden die Kinder mit einem Mal aus der Freiheit ihres Aufwachsens und dem Schutz der Familie herausgerissen. Ceija Stojka erinnert sich: [Kriminalpolizeiliche und "rassenkundliche" Erfassung der "Zigeuner"]

"Wir waren damals, 1939, irgendwo in der Steiermark, als meine Leute erfuhren, dass wir nicht mehr umherreisen dürften. Es wurde immer schlimmer für uns, bis mein Vater den Entschluss fasste, nach Wien zu gehen. (...) Eines Tages holte die Gestapo unseren Vater Karl Wakar Horvath von unserem Platz ab. Sie kamen in einem kleinen Auto und stießen ihn hinein. Wir Kinder standen da, mit Tränen um unseren Vater. Er winkte noch einmal, dann fuhren sie mit ihm fort. Das war 1941 und meine letzte Erinnerung an ihn. Wir sahen ihn nie wieder. Die Gestapo legte ein spanisches Gitter um unser kleines Holzhaus und verbot uns, uns außerhalb dieses Gitters aufzuhalten. Ja, wir spürten Auschwitz schon in der Freiheit. Die SS-Männer machten oft Großrazzien. Sie drückten unsere kleine Tür ein, rissen uns aus den Betten und hielten uns ihre Leuchtbatterien in die Gesichter. Es wurde immer unerträglicher. (...) Die Nachricht vom Tod unseres Vaters war schrecklich. Wir waren tagelang in einem Taumel, den man nicht beschreiben kann. Wir haben den Tod unseres Vaters nie überwunden. (...) 1941 kam die Gestapo zu uns in die Paletzgasse. Um sechs Uhr früh drückten sie unsere kleine Tür ein. Sie hatten riesengroße Leuchtbatterien in ihren Händen und schrien uns Kinder an: "Los, los! Alles aufstehen! Wo ist eure Mutter?" (...) Nun fuhren sie uns in die Roßauer Lände, in das Gefängnis. Die kleinen Kinder weinten, wir hatten ja kaum etwas an. Ich könnte dies nicht ein zweites Mal erzählen, denn in meinen Gedanken erlebe ich jetzt alles, als wäre es gestern passiert. Wenn ich alle meine Gedanken niederschreiben könnte, wäre dies sicher ein endloses Buch der Leiden. Doch meine Gedanken laufen schneller, als meine Hände alles zu Papier bringen können. (...) Als der Raum so voll war, dass keine Maus mehr Platz haben konnte, wurde der Transport nach Auschwitz organisiert. Wir wurden in einen Waggon gepresst, ich hatte gleich einen meiner Schuhe verloren, den ich nicht mehr finden konnte. Nicht einmal bücken konnte ich mich, so eng war es in diesem Waggon. Nach einer sehr langen Fahrt blieb der Zug endlich stehen. Wir bettelten nach Wasser, wir waren fast verdurstet und verhungert. Sie beruhigten uns und sagten: "Das Wasser ist zu rostig, vielleicht bekommt ihr Wasser bei der nächsten Station." So ging es bis nach Auschwitz."

Ceija wurde später nach Ravensbrück und Bergen-Belsen deportiert, Karl und Mongo überlebten die KZs Auschwitz, Buchenwald und Flossenbürg und den darauf folgenden Todesmarsch. Sie entgingen dem eigenen Tod nur knapp und mussten mit ansehen, wie fast ihre ganze Familie ermordet wurde.

"Ich war ein unschuldiges Kind von erst 11 Jahren, als mich Hitlers Nazis in der Schule verhafteten, verschleppten, mir meinen Namen raubten und mich zu einer Nummer und ihren Arbeitssklaven machten, mich hungern ließen, schlugen und peinigten. Die Nazis haben meinen Vater ermordet und meinen Bruder. Man hat mir alles genommen, was mir lieb und teuer war. Ich hatte keine Vergangenheit mehr, keine Gegenwart und schon gar keine Zukunft."

Wie ging das Leben von Ceija, Karl und Mongo Stojka weiter? Sie standen vor dem Nichts und hatten mit ihrer Familie auch die Träger und Bewahrer ihrer Kultur verloren. An ein Leben, wie sie es gewohnt waren und wie sie es liebten, war nicht mehr zu denken. Hinzu kam, dass der Völkermord an den Roma und Sinti im Bewusstsein der österreichischen Bevölkerung keinen Platz fand. Dem Ansuchen um so genannte Wiedergutmachungszahlungen wurde von Beamten zumeist mit fadenscheinigen Argumenten, bürokratischen Verschleppungen und schlicht der Nazi-Diktion folgenden Hinweisen begegnet. Trotz der kontinuierlichen Diskriminierung, der Ignoranz und des Zynismus gelang es Ceija, Karl und Mongo Stojka, ein neue Existenz aufzubauen und ihre Lebensfreude wiederzufinden. In einem Interview, das die Historikerin und Filmemacherin Karin Berger mit ihr führte, erzählt Ceija Stojka von der Zeit nach der Befreiung durch die Alliierten:

"Gelebt haben wir davon, was die Mutter von ihren Bekannten hergebracht hat, die nicht im KZ waren. Überall in Österreich hat es damals eine Hungersnot gegeben (...). Irgendwie haben wir uns halt durchgeschlagen. Wenn man sich im KZ durchgeschlagen hat, wo es wesentlich schwieriger war, kann man das in der Freiheit auch." (Ceija Stojka, 1988)

Um Versäumtes nachzuholen, besuchte Ceija 1945 aus eigenem Antrieb wieder die Schule und langsam begannen die Geschwister, sich wieder zurechtzufinden und Zukunftsperspektiven zu entwerfen. Sie fanden im Teppich- und Stoffhandel ein neues wirtschaftliches Standbein und gründeten in den folgenden Jahren eigene Familien. Das Wandern behielten sie bei, nun jedoch nicht mehr mit Pferde-Wägen, sondern mit den bald erworbenen Autos. Anfangs fuhren sie gemeinsam, später suchten sie die Märkte in ganz Österreich mit ihren Familien auf. Die Erfahrungen, die sie als Kinder auf den Pferdemärkten gemacht hatten, trugen sicherlich dazu bei, dass Ceija, Karl und Mongo zu anerkannten und erfolgreichen Geschäftsleuten wurden.

In ihnen schlummerten jedoch andere – künstlerische – Talente, die erst später zum Vorschein kommen sollten. Ihren Kindern, vom Schrecken der NS-Zeit nicht direkt betroffen, gelang es früher, als Künstler auf sich aufmerksam zu machen. Zu Weltruhm brachten es die Jazz-Musiker Karl Ratzer, der Sohn Karls, und Harri Stojka, der Sohn Mongos.

Mitte der 1980er Jahre wurde das Bedürfnis der Geschwister immer stärker, dem zugefügten Leid Ausdruck zu verleihen und die Ignoranz der Öffentlichkeit diesem Leid gegenüber nicht länger zu akzeptieren. Karl Stojka wandte sich 1985 der Malerei zu, und Ceija Stojka veröffentlichte 1988, als erste Romni Österreichs, ihre Autobiographie. Zu einer Zeit also, als die Geschichte der Roma und Sinti, insbesondere die des Nationalsozialismus, öffentlich kaum wahrgenommen wurde. Zur nationalsozialistischen Verfolgung der österreichischen Roma und Sinti existierten damals lediglich zwei Monographien: Selma Steinmetz’ "Österreichs Zigeuner im NS-Staat" (1966) und Erika Thurners "Nationalsozialismus und Zigeuner in Österreich" (1983), die beide nicht über das akademische Umfeld hinausragten.

Ceija Stojka betrat jedoch auch in einer anderen Hinsicht Neuland: In der traditionellen Lovara-Gemeinschaft kam ihr Schreiben, noch dazu für ein Gadže-Publikum, einem Tabubruch gleich. Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, galt als Aufgabe der Männer und stand Frauen eigentlich nur dann zu, wenn sie dazu aufgefordert wurden. Auf die Frage Karin Bergers, ob es für sie einen bestimmten Punkt gegeben habe, mit dem Schreiben zu beginnen, antwortet Ceija Stojka:

"Dass ich mit jemandem reden wollte. Es war aber niemand da, der mir zugehört hätte, und – Papier ist geduldig. Es hat mit dem Schreiben halt recht gehapert, aber wie ich einmal begonnen hab, sind die Erinnerungen nur so herausgeschossen. (...) Eine halbe Stunde hab ich meistens geschrieben, dann musste ich ja schon wieder kochen. Während ich aber gekocht oder das Essen serviert oder Geschirr abgewaschen hab, hat sich das in mir wieder gespeichert, in meinen Gedanken war ich schon wieder auf dem Papier. (...) Dann hab ich mir diese Zettel schön geordnet, hab einen genommen und bin zu meinem Bruder gegangen. Karli, hab ich zu ihm gesagt, du tätst mir einen Gefallen, wenn du das Blattl lesen würdest. – Geh, das Gekritzel, schmeiß weg. – Ja? Und ich hab mich geniert für mein Gekritzel und bin gegangen. Trotzdem hab ich alles genommen und in der Küche, wo niemand hinkommt, aufgehoben. Und immer, wenn ich eine neue Seite fertig hatte, hab ich sie dazugeschmissen. Zum Schluss hab ich mich nimmer abhalten lassen." (Ceija Stojka, 1988)

Ceija Stojka hatte Außerordentliches zu erzählen und ihr wurde zugehört. "Wir leben im Verborgenen" (1988) sorgte im gesamten deutschsprachigen Raum für Aufsehen. Erstmals wandte sich eine Romni gegen ebenjenes Leben im Verborgenen und gegen Unterwerfung und Schweigen. Ceija Stojka trug mit ihren Autobiographien – 1992 wurde der zweite Teil "Reisende auf dieser Welt" herausgegeben – wesentlich dazu bei, dass die Roma Österreichs in den folgenden Jahren zunehmend an die Öffentlichkeit gingen, um auf ihre Geschichte und ihr aktuelles Leben aufmerksam zu machen und die Gesellschaft auf ihre Versäumnisse und Pflichten hinzuweisen.

Ceijas Brüder zogen nach: 1994 veröffentlichte Karl Stojka seine Autobiographie "Auf der ganzen Welt zu Hause", 2000 kam Mongo Stojkas "Papierene Kinder" heraus. Außergewöhnlich sind diese Bücher nicht nur, was ihren Inhalt betrifft, sondern auch hinsichtlich ihres Stils. Unsentimentale, erschreckend genaue Schilderungen wechseln sich mit persönlichen und intimen Passagen ab. Die mündliche Erzähltradition der Lovara, die gleichzeitig assoziativ ausufernd und persönlich direkt sein kann, spielt sich hier wider. Neben dieser literarischen Qualität leisteten Ceija, Karl und Mongo mit ihren Veröffentlichungen einen enormen Beitrag, die Kultur und Geschichte der Roma und Sinti bekannt zu machen und ihr erlittenes Unrecht im Bewusstsein der Menschen zu verankern.

Dieses Anliegen unterstrichen sie in den folgenden Jahren durch ihre anderen künstlerischen Tätigkeitsbereiche. Ceija und Karl Stojka wurden nun auch als Maler wahrgenommen. Ihre Erinnerungsbilder begeistern das Publikum aufgrund ihrer künstlerischen Qualität und erschüttern es gleichzeitig mit ihrem Inhalt. Sie stellen den Schrecken in so schonungsloser, direkter und persönlicher Weise dar, dass eine distanzierte Betrachtung nicht möglich ist. Heute sind Ceija und Karl Stojkas Bilder von Europa über Amerika bis nach Japan bekannt. Für Karl Stojka bedeutete es eine besondere Ehre, dass seine künstlerische Arbeit im Kapitol in Washington ausgestellt wurde. 1992 erhielt Karl Stojka den höchsten Orden des Holocaust Memorial Center und 1999 wurde ihm der akademische (Ehren-)Titel "Professor" verliehen. Auch die Werke Ceija und Mongo Stojkas wurden mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht.

Neben der Literatur und der Malerei ist die Musik der dritte künstlerische Tätigkeitsbereich der Familie Stojka. Die traditionelle Musik der Lovara ist seit ihrer Kindheit zentraler Bestandteil des Alltagslebens. Ermutigt durch eine zunehmend sensibilisierte Öffentlichkeit und den Erfolg ihrer Literatur und Bilder, gingen Ceija und Mongo Stojka auch mit den überlieferten Liedern ihrer Vorfahren an die Öffentlichkeit. Konzerte und CD-Produktionen folgten.

In Anbetracht des zugefügten Leids und der jahrzehntelangen öffentlichen Demütigungen kann es nicht hoch genug eingeschätzt werden, dass Ceija, Karl und Mongo Stojka unermüdlich als Zeitzeugen im Einsatz sind und sich immer wieder zwingen, ihr Leiden Revue passieren zu lassen. Den Dienst, den sie damit der Gesellschaft und vor allem der Jugend erweisen, verdient die allergrößte Hochachtung.

Im April 2003 ist Karl Stojka nach schwerer Krankheit im 72. Lebensjahr verstorben. Die Erinnerung an ihn und sein künstlerisches Werk leben jedoch fort. Ceija und Mongo Stojka sind weiterhin künstlerisch und gesellschaftspolitisch tätig. Sie zählen zu den letzten Repräsentanten einer nahezu ausgestorbenen Kultur. Die Traditionen und Bräuche der Lovara geben sie an ihre Kinder und Kindeskinder weiter. Der Mehrheitsbevölkerung ermöglichen sie einen Einblick in diese Kultur. Ihr Leben und Werk bleiben ein ständiger Aufruf zu Menschlichkeit und Toleranz und gegen das Vergessen.

Literatur

Cech, Petra / Fennesz-Juhasz, Christiane / Heinschink, Mozes F. (eds.) (1999) Lovarenge paramici taj tekstura anda Österreich. Texte österreichischer Lovara. Arbeitsbericht 2 des Projekts Kodifizierung der Romanes-Variante der österreichischen Lovara, Graz.
Cech, Petra / Fennesz-Juhasz, Christiane / Halwachs, Dieter W. / Heinschink, Mozes F. (eds.) (2000) Tusa ande akhoren khelos ... Lovarenge paramici. Wien.
Cech, Petra / Fennesz-Juhasz, Christiane / Halwachs, Dieter W. / Heinschink, Mozes F. (eds.) (2001) Fern von uns im Traum ... / Te na dikhas sunende ... Märchen, Erzählungen und Lieder der Lovara, Klagenfurt.
Steinmetz, Selma (1966) Österreichs Zigeuner im NS-Staat. Wien.
Stojka, Ceija (1988) Wir leben im Verborgenen. Erinnerungen einer Rom-Zigeunerin, Wien.
Stojka, Ceija (1992) Reisende auf dieser Welt. Aus dem Leben einer Rom-Zigeunerin, Wien.
Stojka, Karl (1994) Auf der ganzen Welt zuhause. Das Leben und Wandern des Zigeuners Karl Stojka, Wien.
Stojka, Karl (2000) Mein Name im Dritten Reich: Z 5742. Wien.
Stojka, Karl (2003) Wo sind sie geblieben ...? Eisenstadt.
Stojka, Mongo (2000) Papierene Kinder. Glück, Zerstörung und Neubeginn einer Roma-Familie in Österreich, Wien.
Thurner, Erika (1983) Nationalsozialismus und Zigeuner in Österreich (= Veröffentlichungen zur Zeitgeschichte 2). Wien.
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Image "Oličken und die sieben Igel"
Image "Luludji"
Image "Me dikhlem suno"
Image Ceija Stojka über den Holocaust
Image Ceija Stojka als Vorbeterin in einer katholischen Kirche
Ceija Stojka bei einem Vortrag in einer Schule (Wien)
Karl Stojka erhält Ehrenzeichen der Republik Österreich (Wien), 2001
Mongo Stojka im Publikum bei der Preisverleihung an Karl Stojka (Wien), 2001