Rosa Taikon

Die Künstlerin Rosa Taikon – berühmte Schwester einer berühmten Schwester (der Schriftstellerin Katarina Taikon) – gehört unbestritten zu den herausragenden Roma-Persönlichkeiten, welche die Kultur weltweit mit ihrer Kunst bereichert haben.

Bekannt ist Rosa für ihre Silberarbeiten. Sie entwirft und stellt ihre Stücke selbst her. Seit ihrer ersten Ausstellung im Jahr 1966 ist ihre Kunst immer wieder in namhaften Galerien in ganz Schweden ausgestellt worden. Ihre Silberarbeiten wurden auch in Gruppenausstellungen gezeigt, hauptsächlich präsentiert die Künstlerin ihre Werke jedoch in ihren eigenen Ausstellungen. Zudem wurden ihre Arbeiten auch in die Dauerausstellungen und Bestände verschiedener Museen in Schweden und im Ausland aufgenommen: in Finnland, Norwegen, England, Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Vereinigten Staaten, Australien und in anderen Ländern.

Rosa Taikon stammt aus einer Gruppe der Kalderaš-Roma (Kesselhersteller). [Untergruppen der Roma / Kupferschmiede und Kesselflicker] Ihre Ururgroßeltern lebten wahrscheinlich als "Zigeunersklaven" in Moldawien oder der Walachei (in den ehemaligen Fürstentümern des heutigen Rumänien). Als die "Zigeunersklaverei" in Moldawien (1855) und in der Walachei (1856) bzw. endgültig im Jahr 1864 abgeschafft wurde, emigrierte eine große Anzahl der ehemaligen Roma-Sklaven hauptsächlich nach Ungarn und Russland. [Geschichte der Vlach-Roma]

Die Erinnerung der Taikons reicht bis in die Zeit des russischen Aufenthalts zurück. Rosas Großvater stellte Silberknöpfe und silberne Ziergriffe für Gehstöcke her. Er war zudem Musiker und trat mit seiner Band in Petersburg, Baku und in anderen Städten des zaristischen Russlands auf.

Als im Jahr 1905 der Krieg zwischen Russland und Japan ausbrach, emigrierten alle Mitglieder der Großfamilie Taikon nach Schweden. Dort wurde Rosa im Jahr 1926 in der Stadt Tibro geboren. Sie kam in einem "Zigeunerwagen" auf die Welt, denn in jener Zeit war es den Roma in Schweden kaum möglich, sich in Wohnungen oder Häusern niederzulassen.

Rosas Vater übernahm den Beruf seines Vaters – eine Tradition, der Roma-Gruppen bereits in ihrem Herkunftsland Indien nachgegangen waren und die sie seit damals bewahrt haben. Er arbeitete mit Metall, verdiente sich den Lebensunterhalt als Musiker und betrieb eine gewisse Zeit lang sogar einen Vergnügungspark.

Rosa Taikon selbst hat über ihr Leben erzählt. Wir hatten die seltene Gelegenheit, ein Gespräch mit ihr aufzuzeichnen, als sie im Mai 2000 Prag besuchte. Studenten des Romani-Studiums der Prager Karls-Universität nahmen an einem informellen Treffen mit ihr in der schwedischen Botschaft in Prag teil. Das Interview wurde im Kalderaš-Dialekt des Romani geführt (PDF-Illustration: "Rosa Taikon").

Was können wir dieser Kurzbiographie der Künstlerin noch hinzufügen? Vielleicht, dass sie in der Kunstschule ihren Ehemann Bernd Janusch kennen lernte, der ebenfalls Silberschmied war und mit dem sie gemeinsam eine Vielzahl an Silberschmuckstücken herstellte. Ihre Ehe ging jedoch auseinander.

Vor zwanzig Jahren wurde Rosas jüngere Schwester, die Schriftstellerin Katarina Taikon, ernsthaft krank und erwachte bis zu ihrem Tod nicht mehr aus dem Koma. So wie Rosa in ihrer Kindheit – als ältere Schwester – auf die jüngere Katarina aufgepasst hatte, kümmerte sie sich nun auch im Erwachsenenalter in liebevoller und aufopfernder Weise um sie.

Abgesehen von ihrer künstlerischen Tätigkeit hat sich Rosa Taikon auch enthusiastisch an politischen und sozialen Aktivitäten der Roma beteiligt, und sie hörte nie auf, für die Rechte der Roma und die Verbreitung ihrer Kultur zu kämpfen.

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