Anregungen zur didaktischen Umsetzung Roma-spezifischer

Themenbereiche im Unterricht

Musikunterricht
Begründung
Zielsetzung
Unterricht
Deutschunterricht
Begründung
Zielsetzung
Unterricht
Geschichte und Sozialkundeunterricht
Begründung
Zielsetzung
Unterricht
Geografie- und Wirtschaftskundeunterricht
Begründung
Zielsetzung
Unterricht

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Hier werden Vorschläge zur Umsetzung einzelner Schwerpunktthemen – Geschichte, Ethnologie & Soziologie, Musik, Sprache und Persönlichkeiten – gemacht. Diese Vorschläge sind zwar nach Unterrichtsfächern und unter Bezugnahme auf den Lehrplan für die jeweiligen Fächer (siehe unten) dargestellt, können aber auch in Unterrichtsgegenständen wie Politische Bildung, Religion, Bildnerische Erziehung usw. sowie in der Erwachsenenbildung, passend zu den behandelten Schwerpunkten, eingesetzt werden. Es handelt sich um Anregungen, die je nach den konkreten Erfordernissen abgewandelt, adaptiert und erweitert werden können und sollen. (1)

Die didaktischen Vorschläge und Zielsetzungen wurden jeweils an den Lehrplan der Hauptschule, welcher identisch ist mit jenem der Allgemeinbildenden Höheren Schule (Unterstufe), angelehnt. Sie können je nach Bedarf und Themenbereich auch an Polytechnischen Schulen sowie im Oberstufenbereich zum Einsatz gebracht werden.

Die Lehrplanbezüge in der "Begründung des Themas" sind exemplarischer Natur und sollen zeigen, dass Roma-spezifische Themenbereiche durchaus sinnvoll und lehrplangemäß in den Unterricht zu integrieren sind.

Die Unterrichtsprinzipien des fächerübergreifenden Unterrichts, interkulturellen Lernens und der Erziehung zur Toleranz wurden aufgrund ihrer allgemeinen Gültigkeit nicht gesondert erwähnt.


Didaktische Vorschläge für den Musikunterricht

(Erarbeitet unter Berücksichtigung der Anlage 1.: Lehrplan der Hauptschule, 6. Teil: Musikerziehung des BGBl. II Nr. 134/2000)

Begründung des Themas bezüglich des Lehrplans für Musikerziehung (Sekundarstufe I)

Der Lehrplan für Musikerziehung sieht als Bildungs- und Lehraufgaben unter anderem folgende Bereiche vor, die eine Miteinbeziehung von Roma-Musik sinnvoll erscheinen lassen:

Aktive Auseinandersetzung mit möglichst vielen musikalischen Bereichen, Epochen und Ausdrucksformen

Das Erkennen der Vernetzung von Musik und Lebenswelt und der gesellschaftlichen Bedeutung von Musik

Erkennen von Musik als Faktor individueller Lebensgestaltung

Bewusstmachung der musikalischen Identität Österreichs


Didaktische Zielsetzung

Die SchülerInnen sollen

-- die Vielfalt der Roma-Musik, ihre Formen, Gattungen und Stile (Interpretationen verschiedener Volksmusiken, Flamenco, "Zigeuner"-Jazz, ungarische "Zigeuner"-Musik, Rompop etc.) kennen lernen

-- die verschiedenen Instrumente in den unterschiedlichen Ensembles und Besetzungen benennen lernen

-- die Vernetzung von Musik und Lebenswelt sowie die gesellschaftliche Bedeutung von Musik erkennen (zumal Musik für viele Roma eine traditionell große Rolle im Alltag spielt, sowohl als spontane Äußerung eines Lebensgefühls als auch in der professionellen Ausübung des Musiker-Berufs)

-- Musik als möglichen Faktor individueller Lebensgestaltung erfahren (Biografien von Roma-MusikerInnen können hier modellhaft die Verquickung vieler Lebensbereiche mit Musik aufzeigen und für SchülerInnen durchaus als Beispiel für die Gestaltung eines Lebens mit Musik stehen)

-- die gegenseitige Beeinflussung verschiedener Kulturkreise wahrnehmen (so hat z.B. die jeweilige regionale Volksmusik einen großen Einfluss auf die Musik der Roma, zugleich beeinflusst Roma-Musik auch die Musik der Mehrheitsbevölkerung – bis hin zu den Werken großer Komponisten wie Liszt oder Haydn)

-- sich der musikalischen Identität Österreichs bewusst werden (die auch die Musik von Minderheiten inkludiert)

-- die Wirkung von verschiedenen Roma-Musiken erleben und sich damit auseinandersetzen (zumal Roma-Musik – abgesehen von den unterschiedlichsten regional-kulturellen Einflüssen auch verschiedene Funktionen erfüllt; neben Unterhaltungsmusik umfasst das Repertoire Klagelieder, lyrische und erzählende Lieder und Balladen, Wiegenlieder usw.)


Anregungen für den Unterricht

Vielfalt der Roma-Musik

Anhand der Doppel-CD Road of the Gypsies können Hörbeispiele für einzelne Roma-Musikstile (z.B. Flamenco, "Zigeuner-Swing", Vokalmusik der Vlach-Roma etc.) ausgewählt und einander gegenübergestellt werden; das illustriert die stilistische Vielfalt internationaler "Zigeuner"-Musik.

Ähnliches gilt für die Kassette Romane ģila, die einen Teil des musikalischen Spektrums von in Österreich lebenden Roma illustriert.



→ Pädagogik
Handbuch » Impulsartikel » Musik
→ Kulturdokumentation
Musik » Genres
Musik » Länder
Materialiensammlung/CD Road of the Gypsies
Materialiensammlung/MC Romane ģila

Mögliche Fortführung (Vielfalt der Roma-Musik)

Die Vielfalt von Roma-Musik hat ihren Grund in der Tatsache, dass Roma auf der ganzen Welt und damit in verschiedenen kulturellen Einflussbereichen leben. Fächerübergreifend mit Geografie und Wirtschaftskunde lässt sich recherchieren und auf der Landkarte überprüfen, wo die Einflussbereiche der im Musikunterricht gehörten Stücke liegen, woher die MusikerInnen stammen bzw. wo sie leben (denn das deckt sich oft nicht).

Materialiensammlung/CD Beiheft zu Road of the Gypsies
Materialiensammlung/MC Beiheft zu Romane ģila

Märchen und Lieder

Die in der Materialiensammlung vorhandenen CDs mit Märchen und Liedern der Roma, die im jeweils zugehörigen Buch abgedruckt sind, eignen sich für einen fächerübergreifenden Unterricht von Musik und Deutsch. Zugleich mit bzw. zusätzlich zum Hörerlebnis in der Originalsprache können die Texte in deutscher Übersetzung "nachgelesen" werden. Zur Fortführung im Deutschunterricht siehe den entsprechenden Abschnitt.

→ Kulturdokumentation
Literatur
Materialiensammlung/CD Schun, so me phukavav …, Kodo phende e Romora …, Oh romnije zelenije ...
Materialiensammlung/Buch Der Rom und der Teufel, Fern von uns im Traum ..., Die schlaue Romni

Instrumentierungen und Besetzungen

Anhand von ausgewählten Beispielen der Roma-Volksmusik lassen sich die verwendeten Instrumente bzw. die Zusammensetzung verschiedener Roma-Ensembles heraushören und mit der Instrumentierung und Besetzung in Beispielen regionaler Volksmusik vergleichen.

→ Kulturdokumentation
Musik » Typische Instrumente
→ Pädagogik
Handbuch » Materialiensammlung » Tonträger

Malen zu Musik

Anhand eines Musikbeispiels sollen die SchülerInnen versuchen, einen für sie relevanten Aspekt des Roma-Lebens bildnerisch darzustellen. Die entstandenen Bilder werden anschließend kurz vorgestellt und kommentiert. Nach dieser ersten Vorstellungsrunde können die Bilder nach inhaltlichen Kriterien geordnet werden.

Hinweis: Um der Phantasie freien Lauf zu lassen, sollen nicht mehr Anweisungen zur bildnerischen Umsetzung gegeben werden als unbedingt erforderlich; auf alle Fälle sollten die SchülerInnen aber wissen, dass es sich um Musik von Roma handelt. Unter Umständen ist eine vorhergehende Behandlung des Themas "Roma" notwendig, wenn die SchülerInnen ansonsten keine Vorstellungen haben, die sie zu Papier bringen könnten; allerdings ist anzunehmen, dass zumindest mit dem Begriff "Zigeuner" bestimmte Vorstellungen verbunden sind.

→ Pädagogik
Handbuch » Materialiensammlung » Tonträger

Fortführungen (Malen zu Musik)

Die Ergebnisse des Malens zur Musik werden hinsichtlich folgender Fragestellungen weiter analysiert:
Welches Bild / welche Bilder von Roma haben die SchülerInnen? Entsprechen die Bilder der Wirklichkeit oder werden vielleicht Klischees reproduziert? Welche sind das?
Man kann auch versuchen, die SchülerInnen zunächst vor, dann nach einer inhaltlichen Vorentlastung malen zu lassen, um zu sehen, wie sich das Bild / die Bilder über Roma durch die erhaltene Information verändern.

→ Kulturdokumentation
Ethnologie und Gruppen » Allgemeine Themen » Stereotype und Folklorisierung
Materialiensammlung/Buch Sinti und Roma S.123-141

Tanz / Theater

Ein Roma-Märchen oder -Lied wird fächerübergreifend mit dem Deutschunterricht als Märchen- bzw. Tanzspiel inszeniert und aufgeführt. Dabei sollte die ausgewählte Geschichte oder das Lied inhaltlich vorher besprochen und eventuell notwendige Hintergrundinformation gegeben werden.

Materialiensammlung/CD Schun, so me phukavav …, Kodo phende e Romora …, Oh romnije zelenije ...
Materialiensammlung/Buch Der Rom und der Teufel, Fern von uns im Traum ..., Die schlaue Romni

Biografien

Erarbeiten von Biografien von Roma-MusikerInnen in Gruppenarbeit

→ Kulturdokumentation
Persönlichkeiten

Mögliche Fortführungen (Biografien)

Welche Rolle spielt Musik im Leben von Roma? Hier wird es notwendig sein, fächerübergreifend mit Geografie und Wirtschaftskunde die Erwerbszweige der Roma zu besprechen, um ein einseitiges Bild von Roma als MusikerInnen zu vermeiden.

Welche Bedeutung hat Musik für Minderheiten bzw. Volksgruppen? Diese Frage wäre fächerübergreifend mit Geografie und Wirtschaftskunde zu behandeln.

→ Kulturdokumentation
Ethnologie und Gruppen » Arbeit und Berufe
→ Pädagogik
Handbuch » Impulsartikel » Persönlichkeiten

Didaktische Vorschläge für den Deutschunterricht

(Erarbeitet unter Berücksichtigung der Anlage 1.: Lehrplan der Hauptschule, 6. Teil: Deutsch des BGBl. II Nr. 134/2000)

Begründung des Themas bezüglich des Lehrplans für Deutsch (Sekundarstufe I)

Die Bildungs- und Lehraufgaben im Lehrplan für den Unterrichtsgegenstand Deutsch sind so allgemein gehalten, dass die Miteinbeziehung von Literatur und Sprache der Roma für die meisten Bereiche gut möglich ist und unseres Erachtens als bereichernd angesehen werden kann.
Der Lehrplan sieht – auszugsweise – vor, dass die SchülerInnen befähigt werden

mit Sprache Erfahrungen und Gedanken auszutauschen und Sachinformationen aufzunehmen, zu bearbeiten und zu vermitteln sowie sich mit Sachthemen auseinander zu setzen und Stellung zu beziehen

Ausdrucksformen von Texten ... und deren Wirkung zu verstehen sowie sprachliche Gestaltungsmittel kreativ einzusetzen

Einblicke in die Struktur und Funktion von Sprache zu gewinnen

Die im "Beitrag zu den Aufgabenbereichen der Schule" genannte Vermittlung von Werten und Lebenshaltungen mit Hilfe von Texten sowie die inhaltliche Auseinandersetzung mit Religion, Weltanschauung und Tradition als Basis ... zur Achtung anderer Kulturen und Lebensweisen wird durch die Verwendung von Texten aus einem anderen Kulturkreis in Richtung einer differenzierenden und relativierenden Sichtweise erweitert.


Didaktische Zielsetzung

Die SchülerInnen sollen

-- anhand ausgesuchter Beispiele die Märchen und Erzählungen von Roma bezüglich Inhalt, Erzählstil usw. analysieren lernen

-- Unterschiede und Parallelen zwischen der eigenen und einer fremden Kultur- und Gedankenwelt erkennen und benennen können

-- befähigt werden, die in den Geschichten enthaltenen Informationen zu erfassen, darüber zu reden

-- lernen, zu verschiedenen Themen Informationen einzuholen und dazu Stellung zu beziehen (an dieser Stelle verweisen wir auch auf die im Materialiensammlung enthaltenen Filme, die eine gute Basis für Diskussionen und Stellungnahmen bilden)

-- mit Hilfe der Texte erfahren, dass es über die eigenen Vorstellungen hinaus religiöse und weltanschauliche Ansichten, Traditionen und Werte gibt, die sich von den eigenen unterscheiden, aber ebenso ihre Berechtigung haben

-- die verwendeten sprachlichen Gestaltungsmittel anhand der deutschen Übersetzungen von Märchen und Erzählungen erkennen und in Kontrast zu den ihnen bekannten Gestaltungsmitteln setzen

-- die Sprache der Roma kennen lernen und sich, entsprechend ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten, mit verschiedenen Aspekten von Sprache (wie z.B. Herkunft und Sprachgeschichte, lautlichem Klang, Wortschatz und Struktur) auseinander setzen lernen

-- erfahren, dass sich Machtverhältnisse auch in Sprache widerspiegeln (Stichwörter: Sprachverbot, Entlehnung)


Anregungen für den Unterricht

Traditionelle Lebenswelt und Alltagskultur

Ausgesuchte Geschichten aus dem Buch Zigeunermärchen von Philomena Franz werden mit den SchülerInnen gemeinsam gelesen und auf ihren Inhalt hin analysiert. In diesem Buch wird die (traditionelle) Lebens- und Gedankenwelt von Roma (speziell Sinti) zum Ausdruck gebracht sowie Sitten und Bräuche, aber auch Vorurteile gegen sie angesprochen. Es lassen sich auch einige Erklärungen für Besonderheiten in der Tradition von Roma, wie z.B. die Existenz von eigenen Roma-Namen herausarbeiten.

Materialiensammlung/Buch Zigeunermärchen
→ Kulturdokumentation
Ethnologie und Gruppen » Allgemeine Themen » Namen der Roma
→ Pädagogik
Handbuch » Impulsartikel » Soziologie und Ethnologie

Sprache als Vermittlerin von Kultur

Ein kurzer Ausschnitt eines in Deutsch und Romani vorhandenen Märchens oder einer Erzählung wird in Romani vorgespielt. Dadurch sollen die SchülerInnen erfahren, dass Roma eine eigene Sprache haben, dass diese bis vor kurzem fast ausschließlich mündlich überliefert wurde und dass diese mündliche Überlieferung das primäre Mittel für Roma ist, ihre Geschichte und Kultur – in Form von Märchen, Erzählungen und Liedern – weiterzugeben. Anschließend wird die gesamte Geschichte in der deutschen Übersetzung bearbeitet (zur Analyse siehe unten).

→ Kulturdokumentation
Literatur
Materialiensammlung/Audio Märchen und Erzählungen

Mögliche Fortführung (Sprache als Vermittlerin von Kultur) für Sekundarstufe II

Auf Basis des Impulsartikels zur Sprache der Roma (siehe auch die Kulturdokumentation) wird von den SchülerInnen eine kurze Beschreibung der Sprache der Roma zusammengestellt (Herkunft und Sprachfamilie, Zahl der Romani-Sprecher in europäischen Ländern, Wortschatz, Wortklassen etc.).

→ Kulturdokumentation
Sprache
→ Pädagogik
Handbuch » Impulsartikel » Sprache
Materialiensammlung/Buch What is the Romani language?

Analyse der Märchen und Erzählungen

Die Märchen und Erzählungen von Roma lassen sich analysieren hinsichtlich:

-- Inhalt: Motive, Themen, Lebenswelt der Roma; inwiefern gleichen bzw. unterscheiden sich die Motive und Themen der Roma-Märchen von denen deutsch- (oder anders-) sprachiger Märchen? Was kann man durch die Märchen über die Lebenswelt der Roma erfahren?

-- Form und Stil: Bei den in der Materialiensammlung angebotenen Märchen und Erzählungen handelt es sich (mit Ausnahme der "Zigeunermärchen") um die Niederschrift mündlicher Erzähltradition; hier können die Unterschiede zwischen geschriebener und gesprochener Sprache gut herausgearbeitet werden. In der oralen Tradition der Roma ist das Erzählen zudem oft ein interaktiver Vorgang, d.h. die ZuhörerInnen werden immer wieder direkt angesprochen, was der Geschichte eine besondere Unmittelbarkeit verleiht.

-- Einleitungs- und Schlussformeln: Mit welchen Phrasen beginnen bzw. enden Roma-Märchen? Hier lassen sich Parallelen und Unterschiede zu deutschsprachigen Märchen herausfiltern.

Im Anhang der einzelnen Bücher sind jeweils Hintergrundinformationen – unter anderem zu Motiven und Charakteristika – von Roma-Märchen, -Erzählungen und -Liedern enthalten.

Materialiensammlung/Buch Märchen und Erzählungen
Materialiensammlung/CD Schun, so me phukavav …, Kodo phende e Romora …, Oh romnije zelenije ...
Materialiensammlung/Buch Der Rom und der Teufel, Fern von uns im Traum ..., Die schlaue Romni

Lehn- und Fremdwörter

Anhand eines kurzen Textes in Burgenland-Romani aus dem Buch Der Rom und der Teufel können die SchülerInnen versuchen, Entlehnungen aus dem Deutschen (oder auch aus anderen Sprachen) zu finden und ins Romani übernommene Fremdwörter zu erkennen. Dieses "Detektivspiel" hat auch den Effekt, dass die Geschichten gründlich gelesen werden. Zudem bekommen die SchülerInnen im Zuge der Suche eine Vorstellung vom Burgenland-Romani, vor allem dann, wenn man auch die zum Buch gehörige CD Hör, was ich erzähle ... als Unterstützung bei der Wortsuche verwendet – zumal die Wörter aus dem Deutschen bzw. burgenländischen Dialekt leichter zu "erhören" als zu "erlesen" sind.
Achtung: Die Verschriftlichung von aus dem burgenländischen Dialekt übernommenen Wörtern erfolgte nach rein lautlichen Kriterien (d.h. dass das Wort so geschrieben ist, wie es ausgesprochen wird); so wurde z.B. der "Schraubstock" als schraufschtok und "eigene" als ajgeni verschriftlicht.

Materialiensammlung/Buch Der Rom und der Teufel
Materialiensammlung/CD Hör, was ich erzähle ...

Mögliche Fortführungen (Lehn- und Fremdwörter)

Aus welchen Sprachen hat das Deutsche entlehnt? Warum werden überhaupt Wörter aus anderen Sprachen "geborgt"? Was ist der Unterschied zwischen Lehnwort und Fremdwort?
Eine mögliche Fortführung (für Sekundarstufe II) ist auch die Diskussion der Frage, warum fast ausschließlich ins Romani und kaum aus dem Romani entlehnt wird (Stichworte: Image und Prestige, gemeinsame Berührungspunkte): Während deutsche Sonder- und Geheimsprachen (wie z.B. Jenisch und Rotwelsch) mehrere hundert Wörter aus dem Romani übernommen haben, gibt es in der deutschen Umgangssprache nur zwei Wörter, die mit Sicherheit aus dem Romani stammen, nämlich "Zaster" von Romani: saster = Eisen und "Bock" (in: "auf etwas keinen Bock haben") von Romani: bokh = Hunger. ( Matras 2002: 249f. ) (2)

→ Kulturdokumentation
Sprache » Struktur » Lexikon
→ Pädagogik
Handbuch » Impulsartikel » Sprache

Abschied von Sidonie

Erich Hackls Buch Abschied von Sidonie wird entweder von der ganzen Klasse oder nur von einem Schüler, anlässlich eines zu erarbeitenden Referates, gelesen. Fächerübergreifend mit dem Unterrichtsgegenstand Geschichte können die Situation der Roma in Österreich zur Zeit des Nationalsozialismus, aber auch andere im Buch angesprochene Problemkreise, beleuchtet und diskutiert werden.

Materialiensammlung/Buch Abschied von Sidonie
Materialiensammlung/Film Sidonie

Didaktische Vorschläge für den Geschichte und Sozialkundeunterricht

(Erarbeitet unter Berücksichtigung der Anlage 1.: Lehrplan der Hauptschule, 6. Teil: Geschichte und Sozialkunde des BGBl. II Nr. 134/2000)

Begründung des Themas bezüglich des Lehrplans für Geschichte und Sozialkunde (Sekundarstufe I)

Der Unterricht in Geschichte und Sozialkunde versteht sich laut Lehrplan für die Sekundarstufe I – unter anderem – als Begegnung mit der Vergangenheit des eigenen und anderer Kulturkreise. Bildungs- und Lehraufgaben, die eine Miteinbeziehung der Geschichte der Roma sinnvoll erscheinen lassen, sind unter anderem folgende:

Das Kennenlernen verschiedener Modelle menschlicher Existenz in der Vergangenheit soll zu Verständnis und Toleranz gegenüber dem Anderen in der Gegenwart führen.

Der Unterricht soll sich mit den Grundbereichen Politik / Herrschaft, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur beschäftigen.

Der Unterricht soll Einblick in die Geschichte Europas und der Welt sowie ... in die Geschichte Österreichs geben, um die Herausbildung einer reflektierten Identität zu ermöglichen.

Konfrontation mit Spannungsfeldern Ordnung / Freiheit, Herrschaft / Mitbestimmung und Krieg / Frieden als Beitrag zur Erziehung zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

Die im Lehrplan genannten Einsichten und Haltungen, wie z.B. das Gewinnen einer differenzierten Betrachtungsweise durch Begegnungen mit dem räumlich und zeitlich Anderen, das Erklären gegenwärtiger wirtschaftlicher, gesellschaftlicher, politischer und kultureller Phänomene aus der historischen Entwicklung, das Bewusstmachen der vielfältigen Ursachen historischer Ereignisse und der verschiedenen Möglichkeiten ihrer Deutung oder die Schulung einer multiperspektivischen Betrachtungsweise, sind in der Auseinandersetzung mit Roma-Geschichte – immer im Kontext mit der Geschichte der Mehrheitsbevölkerung – noch effizienter zu vermitteln.

Dasselbe gilt für Fertigkeiten und Techniken wie selbstständiges Beschaffen, Aufnehmen und Bewerten von Informationen, zumal die Auseinandersetzung mit Bereichen der Roma-Geschichte aufgrund ihrer thematischen Absenz in Schulbüchern dieser Fertigkeiten wirklich bedarf.


Didaktische Zielsetzung

Die SchülerInnen sollen

-- erkennen, dass es andere als die ihnen vertrauten Modelle der Existenz gegeben hat und gibt sowie dass diese trotz ihrer Andersartigkeit als gleichwertig zu betrachten sind

-- sich der Tatsache bewusst werden, dass die Grundbereiche Politik/Herrschaft, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur nicht nur Mehrheiten betreffen und umfassen, sondern auch – oft nicht wahrgenommene – Minderheiten (wie Roma), aus deren Perspektive diese Bereiche ganz anders wahrgenommen werden als aus der Sicht derer, die auf der Seite der Macht stehen

-- lernen, Roma als Teil der Geschichte und damit der eigenen Identität zu erkennen

-- erfahren, dass Ordnung / Freiheit, Herrschaft / Mitbestimmung und Krieg / Frieden keine absoluten Kategorien sind, sondern sich innerhalb einer Gesellschaft, innerhalb eines Staates etc. für verschiedene Gruppen unterschiedlich darstellen

-- Einsichten in historische Zusammenhänge und damit ein besseres Verständnis für aktuelle Gegebenheiten erlangen

-- zu einer differenzierten und multiperspektivischen Betrachtungsweise kommen

-- erkennen, dass Geschichte, abhängig von Blickwinkel und Standpunkt, verschieden geschrieben werden kann

-- spezifische Fertigkeiten entwickeln, wie die Fähigkeit zur selbstständigen Recherche und die kritische Bewertung der eingeholten Informationen, da gerade in Bezug auf Roma viele Halbwahrheiten oder von Klischees durchsetzte Meinungen kursieren. Diesbezüglich gilt es, zu eigenen Positionen zu gelangen und diese im Dialog mit anderen Positionen zu vertreten


Anregungen für den Unterricht

Miteinbeziehung der Geschichte der Roma

Prinzipiell wünschenswert ist die Miteinbeziehung der Geschichte der Roma in den allgemeinen Geschichtsunterricht. Das heißt, dass man die Ereignisse der Roma-Geschichte, die immer auch mit der Geschichte der "Gastländer" verflochten ist, in den "normalen" Geschichtsunterricht integriert; so passen etwa Herkunft und frühe Migrationen zum Stoff der 6. Schulstufe, die Ankunft der Roma in Europa, die Assimilationspolitik unter Maria-Theresia und Joseph II. bis hin zum Beginn systematischer Verfolgungen zum Stoff der 7. Schulstufe, die Verfolgung und Vernichtung vieler Roma im Dritten Reich sowie die Entwicklungen seit 1945 bis hin zur aktuellen Situation in den Stoff der 8. Schulstufe.

Die Geschichte der Roma, besonders auch der (historische) Umgang der Mehrheitsbevölkerung bzw. der politisch und wirtschaftlich Mächtigen mit Roma, ist durchaus relevant für das Verständnis der Situation, der Kultur und der Lebensweise von Roma. Historische Eckdaten und Hintergründe sind in den entsprechenden Einträgen der Rombase-Datenbank nachzulesen.
Die Frage, warum Roma bzw. ihre Geschichte in Schulbüchern kaum vorkommen, ist in höheren Klassen (Sekundarstufe II) sicherlich eine Diskussion wert.

→ Kulturdokumentation
Geschichte und Politik

Herkunft und frühe Migration

Frühe Wanderungen der Roma: Von Indien nach Europa.
Die (wahrscheinlichen) Wanderbewegungen werden mit Hilfe eines historischen Atlas nachvollzogen. Anschließend können die möglichen Ursachen der Wanderungen überlegt werden.

→ Kulturdokumentation
Geschichte und Politik » Von Indien nach Europa
→ Pädagogik
Handbuch » Impulsartikel » Geschichte (mit Karte)

Mögliche Fortführungen (Herkunft und frühe Migration)

Wie lässt sich die Migration der Roma von Indien nach Europa rekonstruieren, zumal es keine historischen Quellen gibt, die diese frühen Wanderungen dokumentieren? (3)

→ Kulturdokumentation
Sprache » Allgemeines » Herkunft und Bezeichnung
→ Pädagogik
Handbuch » Impulsartikel » Sprache

Klischees und Stereotype

Etliche Vorurteile, Klischees und Stereotype über Roma lassen sich historisch erklären und auflösen. So etwa wurden unter Maria-Theresia in vielen Fällen Roma ihre Kinder weggenommen, um ihnen eine christliche Erziehung angedeihen zu lassen; die Tatsache, dass etliche Roma ihre Kinder wieder zurückholten, war mit verantwortlich für die Entstehung des verbreiteten Vorurteils, dass "Zigeuner" Kinder stehlen. (4)

→ Kulturdokumentation
Geschichte und Politik » Neuzeit » Maria-Theresia und Joseph II.

Mögliche Fortführungen (Klischees und Stereotype)

Das Roma-Bild in verschiedenen historischen Epochen, etwa in der Romantik, zur Zeit Maria-Theresias oder im Dritten Reich, wird im Vergleich zu heute erarbeitet.
Vorurteile, Klischees und Stereotype (be-)treffen nicht nur Roma. Welche anderen Mitmenschen / Gruppen / Völker / Nationen sind das Ziel dieser oft unzutreffenden Charakterisierungen und Verallgemeinerungen?

Fächerübergreifend mit Geografie und Wirtschaftskunde können folgende Fragen behandelt werden: Welche Minderheiten gibt in Österreich? Welche Minderheiten sind auch als Volksgruppe anerkannt? Was bedeutet die Anerkennung als Volksgruppe?

→ Kulturdokumentation
Ethnologie und Gruppen » Allgemeine Themen » Stereotype und Folklorisierung
→ Pädagogik
Handbuch » Impulsartikel » Ethnologie und Soziologie
Materialiensammlung/Buch Sinti und Roma S.9ff.
Materialiensammlung/Buch I am from Austria

Leibeigenschaft und Sklaverei

Im Zusammenhang mit dem Thema "Sklaverei", das ja im Schulunterricht vor allem mit der Sklaverei in Amerika verknüpft ist, könnte man das Augenmerk auf die Ereignisse in Europa – sozusagen vor unserer Haustüre – richten, nämlich die Leibeigenschaft und Versklavung von Roma in der Walachei: Sie dauerte bis 1856 – mehr als ein halbes Jahrtausend – und hat zur zweiten großen Migrationswelle von Roma geführt, deren Interpretation als "Zigeunerinvasion" in vielen Ländern wieder einmal zur Verschärfung der "Zigeunerpolitik" geführt hat.

→ Kulturdokumentation
Geschichte und Politik » Neuzeit » Geschichte der Vlach-Roma

Nationalsozialismus und Holocaust

Ein großes, oft und ausführlich in Literatur, Filmen und Roma-Liedern behandeltes Thema ist die Verfolgung und Vernichtung der Roma im Nationalsozialismus. Dazu finden sich in der Materialiensammlung unterschiedlichste Materialien: Erich Hackls Erzählung Abschied von Sidonie, der Film Sidonie von Karin Brandauer, die Autobiographie von Ceija Stojka Wir leben im Verborgenen, der Film Auf Wiedersehen im Himmel etc. sowie diverse Aufbereitungen des Themas für den Unterricht. Auch in den Märchen und Erzählungen von Roma werden die einschneidenden Ereignisse und Erlebnisse dieser Zeit immer wieder thematisiert. An dieser Stelle soll deshalb nur auf die vorhandenen Materialien verwiesen werden; sie sind aussagekräftig genug, um Lehrenden eine Fülle von Material und Informationen in die Hand zu geben, die diese in geeigneter Form in den Unterricht einfließen lassen können.

→ Kulturdokumentation
Geschichte und Politik » Holocaust
→ Pädagogik
Handbuch » Materialiensammlung

Mögliche Fortführungen (Nationalsozialismus und Holocaust)

Welche Personen und Gruppen wurden im Dritten Reich verfolgt? Daran kann man eine ganze Reihe von Fragen knüpfen, die zu diskutieren sind, etwa: Wie wurde die Verfolgung bis hin zur Vernichtung begründet? Wie geht die Öffentlichkeit heute damit um? Wie ist die Wiedergutmachungspraxis zu bewerten? Usw. (5)

Biografische Zeitstreifen

Biografien sagen oft mehr über die Geschichte und das Leben von Roma aus als Daten und Fakten allein. Das Erstellen von biografischen Zeitstreifen ist eine sehr gute Möglichkeit, einen unmittelbaren Zugang zu einem weitgehend "unbekannten" Volk zu finden:

→ Kulturdokumentation
Persönlichkeiten

Die SchülerInnen sollen in Gruppenarbeit jeweils für eine ausgesuchte Roma-Persönlichkeit einen Zeitstreifen erarbeiten. Anhand dieser Zeitstreifen können sowohl individuelle Schicksale als auch historische Gegebenheiten und Ereignisse aufgezeigt werden, insbesondere deshalb, weil sich politische und soziale Umwälzungen oft unmittelbarer und massiver auf Roma ausgewirkt haben als auf die Mehrheitsbevölkerung (in jüngerer Zeit siehe z.B. den Krieg am Balkan oder die "Samtene Revolution" in der Tschechoslowakei; von beiden Ereignissen waren Roma ganz besonders betroffen und sind zum Teil noch immer Leidtragende dieser politischen Entwicklungen).

http://www.errc.org/
http://www.gfbv.de/
→ Kulturdokumentation
Persönlichkeiten » Krasniči, Ali

Dabei können die in dem entsprechenden Kapitel genannten Persönlichkeiten herangezogen werden, aber auch, etwa anhand der im Impulsartikel angegebenen Links, eigene Recherchen durchgeführt werden. Der Vorteil der eigenen Recherche ist, dass quasi nebenbei eine Fülle an Roma-spezifischen Informationen mitgenommen wird.

→ Pädagogik
Handbuch » Impulsartikel » Roma-Persönlichkeiten
→ Pädagogik
Literatur, Filme und Links

Aktuelle Situation

Fächerübergreifend mit Geografie und Wirtschaftskunde kann die aktuelle Situation von Roma in Österreich und den Ländern Europas von den SchülerInnen erarbeitet und anschließend verglichen werden. Was Hintergrundinformationen betrifft, ist hier die Homepage des European Roma Rights Center (ERRC) sehr hilfreich, auf der verlässliche und gut recherchierte Artikel zu den einzelnen Ländern zu finden und auch herunterzuladen sind. Die Homepage ist allerdings nur in englischer Sprache verfügbar; man könnte deshalb die Texte fächerübergreifend mit dem Englischunterricht bearbeiten.

EERC Reports
→ Kulturdokumentation
Geschichte und Politik » Von 1945 bis zur Gegenwart » Gegenwärtige Situation

Didaktische Vorschläge für den Geografie und Wirtschaftskundeunterricht

(Erarbeitet unter Berücksichtigung der Anlage 1.: Lehrplan der Hauptschule, 6. Teil: Geografie und Wirtschaftskunde des BGBl. II Nr. 134/2000)

Begründung des Themas bezüglich des Lehrplans für Geografie und Wirtschaftskunde (Sekundarstufe I)

Der Lehrplan für Geografie und Wirtschaftskunde sieht folgende Bildungs- und Lehraufgabe(n) vor, die eine Miteinbeziehung Roma-spezifischer Thematiken sinnvoll erscheinen lassen:

Im Mittelpunkt von Geografie und Wirtschaftskunde steht der Mensch; Gegenstand des Unterrichts sind die räumlichen Aspekte menschlichen Handelns.

Angestrebt wird

die bewusste Wahrnehmung, Beschreibung und Erklärung von Sachverhalten, Zusammenhängen und Entwicklungen des menschlichen Handelns;

der Aufbau von Orientierungs- und Bezugssystemen mit Hilfe fachbezogener Arbeitsmittel und Arbeitstechniken, um Wissen selbstständig erwerben, einordnen und einsetzen zu können;

der Einblick in unterschiedliche Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme, um sich mit aktuellen und zukünftigen politischen Fragen auseinander setzen zu können sowie demokratisch und tolerant handeln zu können.


Didaktische Zielsetzung

Die SchülerInnen sollen

-- erkennen, dass und wie geografische und wirtschaftliche Gegebenheiten mit der Lebenssituation von Roma in Zusammenhang stehen (insbesondere ist das am Beispiel der Roma zu beobachten, da diese immer gezwungen und fähig waren, sich veränderten örtlichen und wirtschaftlichen Gegebenheiten anzupassen)

-- lernen, wie man Information erschließt, kritisch bewertet und wie man sie umsetzt – etwa in Form von Grafiken oder Karten (dazu siehe vor allem die Erstellung von Karten in den Anregungen für den Unterricht, bei denen mit durchaus divergierenden Informationen hinsichtlich der Wanderrouten und speziell in Bezug auf die Zahlen der Roma-Bevölkerung gearbeitet werden muss; hier ist die Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit Zahlen und Statistiken zu erlangen)

-- die Vielfalt möglicher Lebensweisen kennen lernen und so zu einer wertschätzenden Haltung dem Anderen gegenüber gelangen

-- den Umgang mit Globus, Atlas und Karten in Verbindung mit Fragestellungen und Sachverhalten lernen (zumal Roma auf der ganzen Welt leben und zu klären wäre, warum das so ist)


Anregungen für den Unterricht

Herkunft und frühe Migration

Erstellen einer Karte, auf der die 1. Migrationswelle der Roma (von Indien nach Europa) eingetragen wird. Dabei sollen die SchülerInnen die durchreisten Länder aus dem Atlas heraussuchen und in eine stumme Karte (ohne Länderangaben) eintragen. (6)

Fächerübergreifend mit Geschichte lässt sich das immer wiederkehrende Phänomen von Völkerwanderungen herausarbeiten. Dabei können die Gründe für Völkerbewegungen überlegt und analysiert werden (z.B. Hungersnot, wirtschaftliche Gegebenheiten usw.).

→ Kulturdokumentation
Geschichte und Politik » Von Indien nach Europa
→ Pädagogik
Handbuch » Impulsartikel » Geschichte

Wirtschaftsformen

Zum Thema "Wirtschaftsformen" gibt es einige Fragestellungen, deren Erörterung einen Einblick in die Lebensweise von Roma gibt und darüber hinaus aufzeigt, dass bei uns gültige Vorstellungen von Arbeit und Beruf nur einen kleinen Teil eines möglichen Spektrums von Erwerbsarten umfassen.

Was waren die traditionellen Berufe der Roma? Anhand dieser können verschiedene Wirtschaftsformen (z.B. Tauschhandel, mobile Berufe, Nischenberufe) erläutert und diskutiert werden.

Warum gibt (gab) es Roma-Gruppen, die zu nomadischen Lebensformen tendier(t)en? Welche Formen der Wirtschaft bedingt das?

Was könnten Gründe dafür sein, dass die traditionellen Berufe der Roma verloren gegangen sind?

Welche Berufe üben Roma heute aus? Wodurch ist dieser Wechsel bedingt?

→ Kulturdokumentation
Ethnologie und Gruppen » Arbeit und Berufe
→ Pädagogik
Handbuch » Impulsartikel » Soziologie & Ethnologie » Arbeit

Nomadismus und Sesshaftigkeit

Mit spezifischen Wirtschaftsformen verbunden sind – oft als "angeborener Wandertrieb" der Roma fehlinterpretierte – mobile Lebensformen. Diesbezüglich können sich die SchülerInnen Gedanken machen, was die Vor- und Nachteile bzw. Konsequenzen von nomadischen bzw. sesshaften Lebensformen sind.
Anschließend wird der Wahrheitsgehalt des Klischees vom "fahrenden Volk" diskutiert.

→ Kulturdokumentation
Ethnologie und Gruppen » Allgemeine Themen » Nomadisch und Sesshaft

Bevölkerungszahlen

Erarbeiten einer Karte, in der die Zahlen der in den einzelnen Ländern Europas lebenden Roma eingetragen werden. Dabei wird man bemerken, dass die Angaben, abhängig von der Quelle, stark schwanken; besonders die Zahlen der offiziellen Volkszählungen liegen weit unter den der Realität näher kommenden Schätzungen.

Mögliche Fortführung (Bevölkerungszahlen)

Warum unterscheiden sich die offiziellen Zahlen bezüglich der Roma-Bevölkerung so stark von den Schätzungen? Woran könnte es liegen, dass sich Roma nicht gern zu ihrem Roma-Sein bekennen (zumindest nicht in amtlichen Erhebungen)? Gibt es nur eine Identität (etwa Rom / Romni zu sein, ÖsterreicherIn zu sein, Mann bzw. Frau zu sein etc. – Stichwort: multiple Identitäten)? Etc.

Hinweis: Laut der Volkszählung 1991 gab es in Österreich nur 122 Romanes-Sprecher (7), 2001 hingegen gaben bereits 6273 Personen Romanes als ihre Umgangssprache an. Das spiegelt eine erfreuliche Tendenz wieder, nämlich dass mit Initiativen von und für Roma das Selbstbewusstsein der in Österreich lebenden Roma in den letzten Jahren wesentlich gestiegen ist. (8)

→ Kulturdokumentation
Sprache » Allgemeines » Sprecher und Zahlen
1 Es handelt sich um Vorschläge, die vom Prinzip her den meisten LehrerInnen bekannt und sozusagen pädagogisches "Allgemeingut" sind, hier aber in einen neuen Kontext gestellt werden. Es ist daher nicht möglich, die etwaigen Urheber einzelner Ideen zu benennen.
2 Matras, Yaron (2002) Romani. A linguistic introduction, Cambridge: Cambridge University Press.
http://www.sprachen.ac.at/download/sprachwege.pdf – Unterrichtshilfe zum Burgenland-Romani mit vielen Beispielen für Erbwörter, Entlehnungen und Fremdwörter im Burgenland-Romani sowie Unterrichtsmaterialien für (Volks-)SchülerInnen.
Materialiensammlung/Buch What is the Romani language?, speziell das Kapitel: "Nature of the Romani language" (21 ff., besonders die kurzen und einfachen Unterkapitel: "Where do Romani words come from?" "Romani is not corrupted by borrowings" sowie "What can we learn from loanwords?")
3 Hintergrundinformationen, Karten, Beispiele für die Entwicklung des Wortschatzes im Romani siehe: Sprachwege. Der Zusammenhang von Kultur und Sprache am Beispiel des Burgenland-Romani. Download unter: http://www.sprachen.ac.at/download/sprachwege.pdf
4 Hintergrundinformationen sowie Unterrichtsvorschläge zum Thema "Vorurteile und Klischeevorstellungen" findet man in der Materialiensammlung/Buch Sinti und Roma S.123ff.
5 Zur Frage der Wiedergutmachung siehe Materialiensammlung/Buch Sinti und Roma
Zum Thema "Wiedergutmachung" gibt es den Film Das falsche Wort (Deutschland 1987); siehe Literatur, Filme und Links.
6 Für Kartenvorlagen sowie schematische Darstellungen der Wanderungen siehe Sprachwege. Der Zusammenhang von Kultur und Sprache am Beispiel des Burgenland-Romani. Download unter http://www.sprachen.ac.at/download/sprachwege.pdf
7 Romanes ist, ebenso wie Romani, eine Bezeichnung für die Sprache der Roma; auch wenn auf dieser Website ansonsten die Bezeichnung Romani verwendet wird, halten wir uns an dieser Stelle entsprechend der Diktion der Volkszählung an die Bezeichnung Romanes.
8 Roma in Europa: http://www.minderheiten.org/roma/index.htm unter: Überblick » Roma in Europa (Länderkugel)
Für offizielle Zahlen sowie Schätzungen für Rumänien, Bulgarien, die Tschechische Republik, Slowakei und Ungarn siehe z.B. http://old.swp-berlin.org/produkte/bparchiv/romafrage1.htm
Offizielle Zahlen sowie Schätzungen für die EU-Länder (Stand 2001) siehe: http://www.ciemen.org/mercator/index-gb.htm unter: Publications Mercator » Working Papers » Working Paper 3 (2001): The political status of the Romani language in Europe (Pdf-Download).
(Kritische) Informationen zur Volkszählung in Österreich, zur Erhebung der Mitglieder österreichischer Volksgruppen sowie zur Zählung der Roma in Tschechien und der Slowakei gibt die Homepage der ECE, der "Engagierten Computer Expert(inn)en" unter: http://195.230.63.132/ece/h_volks.html.
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