Materialiensammlung/Buch Details zu den Büchern

Allgemeine Literatur
I am from Austria
What is the Romani language?

Märchen und Erzählungen
Der Rom und der Teufel
Fern von uns im Traum ...
Die schlaue Romni
Zigeunermärchen
Abschied von Sidonie

Autobiografien
... und dann zogen wir weiter
Wir leben im Verborgenen

Materialien für den Unterricht
Abschied von Sidonie von Erich Hackl
Analysehilfen Erich Hackl "Abschied von Sidonie"
Erich Hackl: Abschied von Sidonie
Sinti und Roma – eine Minderheit in Deutschland
Antiziganismus

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Details zur Allgemeinen Literatur


Titel

Österreichisches Volksgruppenzentrum (Hg.) (2001) I am from Austria – Volksgruppen in Österreich, Klagenfurt: Hermagoras. (62 S.)

Bezugsquelle

Österreichisches Volksgruppenzentrum, Teinfaltstraße 4, 1010 Wien; Tel. +43/1/53 31 504, E-Mail: oevz@twinet.net oder bei Hermagoras / Mohorjewa; Tel. +43/463/56 51 5-46; E-Mail: buchhandlung@mohorjewa.at.

Kurzcharakteristik

Kurzinformation zu den sechs anerkannten österreichischen Volksgruppen (Tschechen, Kroaten, Ungarn, Slowaken, Slowenen, Roma) sowie zu der siebenten, (noch) nicht anerkannten Volksgruppe (Polen).

Inhalt

Geschichte, Sprache (Sprachbeispiele in Burgenland-Romani), Kultur, Siedlungsgebiet, Volkszählungsergebnisse, Volksgruppenpolitik seit 1945, Organisationen der österreichischen Volksgruppen, Volksgruppenrecht, Volksgruppenförderung, wirtschaftliche Lage in den Siedlungsgebieten der österreichischen Volksgruppen, Religion, Medien, Amtssprache, Erziehung und Schule, Literaturhinweise.

Anmerkung

In den Volkszählungsergebnissen von 1991 fehlen die Angaben zu Roma; damals haben sich nur 91 Menschen zur Umgangssprache Romanes bekannt. Nach der letzten Volkszählung im Jahr 2001 deklarieren sich 6.273 Menschen in Österreich als Roma; die tatsächliche Zahl der in Österreich lebenden Roma dürfte zwischen 20.000-40.000 betragen.

Ziel

Kennenlernen der österreichischen Volksgruppen; das Handbuch vermittelt erste Basisinformationen. Die Situation der Roma in Österreich steht hier im Kontext zur Situation der anderen österreichischen Volksgruppen.

Zielgruppe

Je nach Auswahl der Information ab ca. 8 Jahren.

Unterrichtsbezug

Geschichte und Sozialkunde, Geografie und Wirtschaftskunde, Politische Bildung.

Materialiensammlung/Buch I am from Austria


Titel

Bakker, Peter / Kyuchukov, Hristo (ed.) (2000) What is the Romani language? Hatfield: University of Hertfordshire Press. (137 p.)

Bezugsquelle

University of Hertfordshire Press

Kurzcharakteristik

Ausgezeichnetes, leicht verständliches Buch zum Romani, das genau die Fragen beantwortet, die in Hinblick auf die Sprache, aber auch hinsichtlich Geschichte, Kultur und Selbstverständnis der Roma häufig gestellt werden. Die Beiträge im Buch stammen von wirklichen Kennern – und Könnern – des Romani. Das Buch ist zwar zur Zeit nur auf Englisch erhältlich, aufgrund der klaren, einfachen Sprache aber auch für Schüler und Schülerinnen gut lesbar.

Inhalt

"Introduction": Im Einleitungskapitel wird die Basis-Terminologie (Roma, Sinti, Zigeuner, Gadže, Romani usw.) diskutiert und erklärt sowie die Aussprache der Schriftzeichen im Romani erläutert.

"Origins of Romani": Woher kommen die Roma? Woher weiß man das?

"Nature of the Romani language": Ist das Romani überhaupt eine Sprache? Woher stammt der Wortschatz des Romani? Grammatik und Lautsystem des Romani etc.

"Language use": Das Kapitel zum Sprachgebrauch behandelt die Fragen: Wer spricht Romani, wann, warum, wo und wie; der Vollzug von Sprechakten im Romani (Ausdruck von Höflichkeit, Bitten und Danksagungen, Flüche, Tabu-Wörter, Begrüßungen); Geschichten und Lieder; Sprichwörter, Rätsel und Sprachspiele.

"Language and culture": Eigen- und Fremdbezeichnungen von Roma; Gruppennamen; Bezeichnung von Nicht-Roma; Vor-, Familien- und "Spitznamen"; Ortsnamen; Verwandtschaftsbezeichnungen; Bezeichnungen von wichtigen Personen und Ereignissen; religiöse Termini.

"Unity and diversity": Dialekte des Romani, ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede; Romani-ähnliche Sprachen.

Anmerkung: Der in diesem Kapitel enthaltene Abschnitt über das Para-Romani (S. 77 ff.) ist bei etlichen Roma auf heftigen Widerspruch gestoßen, da ihrer Ansicht nach suggeriert wird, dass es sich bei Para-Romani nicht mehr um Romani handelt; verständlicherweise legen gerade die Sprecher des so genannten Para-Romani darauf Wert, Roma und damit Romani-Sprecher zu sein und ihre Sprache auch als Romani zu bezeichnen.

"Romani in public life": Dieses Kapitel behandelt die Rolle des Romani in der Öffentlichkeit. Nach Jahrhunderten der Unterdrückung und verschiedenster Sprachverbote, deren Folge oft Geheimhaltung der Sprache, wenn nicht sogar Sprachverlust war, hat eine langsame Aufwertung des Romani begonnen, die zum Teil auch mit seiner Verwendung in der Öffentlichkeit einhergeht (Filme, Theater, Musik, Bücher, Unterricht etc.).

"The future of the Romani language / Romani in the modern world": Zukunftsperspektiven des gesprochenen versus des geschriebenen Romani; Ausweitung des Wortschatzes; Fragen der Standardisierung und Sprachbewahrung.

"Scientific research on Romani": Kurzer Abriss der Romani-Forschung in der Vergangenheit und gegenwärtige wissenschaftliche Fragestellungen.

"Further reading" / "Some Romani websites": Empfehlenswerte Literatur, thematisch gegliedert. Kommentierte Internetadressen.

Ziel

Kennenlernen (nicht Lernen!) der Sprache der Roma sowie verschiedenster geschichtlicher, kultureller und politischer Aspekte des Roma-Seins.

Zielgruppe

Das Buch ist für alle geeignet und empfehlenswert, die sich für die Sprache und Kultur der Roma interessieren (und ein einfaches Englisch lesen können).

Unterrichtsbezug

Geschichte und Sozialkunde, Politische Bildung; auch im Englischunterricht gut einsetzbar.

Materialiensammlung/Buch What is the Romani language?

Details zu Märchen und Erzählungen


Titel

Halwachs, Dieter W. / Gärtner-Horvath, Emmerich / Wogg, Michael (Hg.) (2000) Der Rom und der Teufel / O rom taj o beng. Märchen, Erzählungen und Lieder der Roma aus dem Burgenland, Klagenfurt: Drava. (256 S.)

Bezugsquelle

Erhältlich beim Drava-Verlag, Tarviser Straße 16, 9020 Klagenfurt oder über: http://www.drava.at/; Tel. +43/463/50 10 99; E-Mail: office@drava.at

Kurzcharakteristik

Märchen, Erzählungen und Lieder (mit Noten) der Burgenland-Roma. Zweisprachig Roman-Deutsch. (1)
Zu hören auf der CD Schun, so me phukavav ..

Materialiensammlung/CD Schun, so me phukavav ..

Inhalt

Die in diesem Buch abgedruckten Märchen, Erzählungen und Lieder von Johann "Kalitsch" Horvath, Paula Nardai und vielen anderen wurden in den Jahren 1952-1999 aufgenommen bzw. zum Teil niedergeschrieben.

Märchen und Schwänke vom Rom und dem Teufel, von Königen, Drachen, bösen Schwiegermüttern, der großen Liebe usw.

Erzählungen über Tote und die mule, die Totengeister, über die Trud, über die Zubereitung von Igeln, aber auch über das Leben im Konzentrationslager.

Liedtexte, v.a. über Auschwitz, mit Noten.

Zusätzliche Hintergrundinformation: "Zur Geschichte, Situation und Sprache der Roma im Burgenland" von Dieter W. Halwachs sowie "Märchen, Erzählungen und Lieder der Burgenland-Roma" von Michael Wogg.


→ Kulturdokumentation
Persönlichkeiten

Ziel

Kennenlernen der "anderen" Perspektive der Burgenland-Roma, deren Leben, Traditionen, Gedankengut und Sprache.

Zielgruppe

Je nach Auswahl, da manche Texte sich aufgrund ihres – für Gadže – deftigen Inhalts nicht unbedingt für Kinder eignen. Im Prinzip aber für alle Altersgruppen interessant.

Unterrichtsbezug

Deutsch, Musik, Geschichte und Sozialkunde, Geografie und Wirtschaftskunde, Politische Bildung

Materialiensammlung/Buch Der Rom und der Teufel


Titel

Cech, Petra / Fennesz-Juhasz, Christiane / Halwachs, Dieter W. / Heinschink, Mozes F. (Hg.) (2001) Fern von uns im Traum ... / Te na dikhas sunende ... Märchen, Erzählungen und Lieder der Lovara, Klagenfurt: Drava. (432 S.)

Bezugsquelle

Erhältlich beim Drava-Verlag, Tarviser Straße 16, 9020 Klagenfurt oder über: http://www.drava.at/; Tel. +43/463/50 10 99; E-Mail: office@drava.at

Kurzcharakteristik

Märchen, (autobiografische) Erzählungen und Lieder (mit Noten) der österreichischen Lovara. Zweisprachig Romani-Deutsch.
Zu hören auf der Doppel-CD Kodo phende e Romora …

Materialiensammlung/CD Kodo phende e Romora …

Inhalt

Bei den in diesem Buch enthaltenen Texten handelt es sich um Transkripte von Aufnahmen in Lovara-Romani aus den Jahren 1960-1998.

Märchen, Legenden, mulo-Geschichten, Schwänke, Parabeln, Anekdoten, (autobiografische) Erzählungen und Lieder von Ceija Stojka, Mongo Stojka, Karl Nitsch, Ruža Nikolić-Lakatos und vielen anderen.

→ Kulturdokumentation
Persönlichkeiten

Märchen: "Warum der Rom bei seiner Frau blieb", "Wie der Rom den Teufel überlistete", "Die zwei Brüder", "Der Igel und seine Frau", "Das Spinnhaus" u.v.a.; die Motive stammen z.T. aus dem Volksmärchengut früherer oder gegenwärtiger Nachbarvölker.

Erzählungen: "Unsere alte Welt", "Die Rom und der Totengeist" (mulo), "So kochten die Romnja", "Weihnachten", "Ich lebe mit meinen Verstorbenen" usw.; diese Erzählungen beinhalten persönliche Erfahrungsberichte sowie tradierte Erzählungen zur Kultur der österreichischen Lovara.

Lieder: Tanzlieder, langsame Lieder und drei Kinderlieder.

Zusätzliche Hintergrundinformation: "Die österreichischen Lovara" von Dieter W. Halwachs sowie "Märchen, Erzählungen und Lieder der Lovara" von Petra Cech und Christiane Fennesz-Juhasz.

Ziel

Kennenlernen der "anderen" Perspektive der Lovara-Roma, deren Leben, Traditionen, Gedankengut und Sprache

Zielgruppe

Je nach Auswahl, da manche Texte sich aufgrund ihres – für Gadže – deftigen Inhalts nicht unbedingt für Kinder eignen. Im Prinzip aber für alle Altersgruppen interessant.

Unterrichtsbezug

Deutsch, Musik, Geschichte und Sozialkunde, Geografie und Wirtschaftskunde, Politische Bildung

Materialiensammlung/Buch Fern von uns im Traum ...


Titel

Cech, Petra / Fennesz-Juhasz, Christiane / Halwachs, Dieter W. / Heinschink, Mozes F. (Hg.) (2003) Die schlaue Romni / E bengali Romni. Märchen und Lieder der Roma, Klagenfurt: Drava. (352 S.)

Bezugsquelle

Erhältlich beim Drava-Verlag, Tarviser Straße 16, 9020 Klagenfurt oder über: http://www.drava.at/; Tel. +43/463/50 10 99; E-Mail: office@drava.at

Kurzcharakteristik

Märchen, Schwänke, Balladen und Lieder verschiedener österreichischer Roma-Gruppen sowie von Roma aus den Nachbar- und Herkunftsländern österreichischer Roma.
Zu hören auf der dazugehörigen Doppel-CD Oh romnije zelenije ...

Materialiensammlung/CD Oh romnije zelenije ...

Inhalt

Es handelt sich um die Verschriftlichung (und deutsche Übersetzung) von Geschichten und Liedern, die während der letzten vier Jahrzehnte aufgenommen wurden und größtenteils aus der Sammlung Heinschink stammen.

Märchen und Lieder von Dragan Jevremović, Ágnes Darószi u.a., in verschiedenen Romani-Dialekten aus Mazedonien, Südserbien, dem Kosovo, dem Banat, Ungarn, Slowenien, der Slowakei und Tschechien.

Märchen: verschiedene Märchentypen, u.a. mulo-Geschichten (autobiografische und fiktive Geschichten über den Totengeist), verschiedene Schwänke, eine Heldenlegende (über den – ursprünglich albanischen – Helden Zuko Bajraktar), ein Gleichnis ("Salz und Zucker", wobei die Liebe des Sohnes zur Mutter wie das Salz ist, dessen Wert die Mutter nicht begreift), Tiermärchen, eine Lügengeschichte, ein Schöpfungsmythos ("Wie der Rom erschaffen wurde") usw.

Lieder: Die im vorliegenden Buch wiedergegebenen Gesänge zählen zum guten Teil bereits zu einem historischem Liedrepertoire, wie z.B. die epischen Lieder (etwa das "Lied von der Brücke").

Hintergrundinformationen: "Märchen und Lieder mittel- und südosteuropäischer Roma" von Petra Cech und Christiane Fennesz-Juhasz; zu Herkunft und Bezeichnungen der im vorliegenden Buch vertretenen Roma-Gruppen, zu den einzelnen Erzählern und Sängern, den Charakteristika der verschiedenen Romani-Varianten, zu den typischen Merkmalen von Roma-Märchen und -Liedern sowie zu den Märchen im Einzelnen.

Ziel

Kennenlernen der auch durch die unterschiedlichen kulturellen Einflüsse bedingten Vielfalt von Roma-Märchen und -Liedern; Kennenlernen von Leben, Traditionen, Gedankengut und Sprache verschiedener Romagruppen.

Zielgruppe

Je nach Auswahl ab 6 Jahren; die Lieder sind vermutlich als reine Texte für SchülerInnen wenig interessant und sollten von der CD gespielt werden.

Unterrichtsbezug

Deutsch, Musik, Geografie und Wirtschaftskunde, Geschichte und Sozialkunde, Politische Bildung.

Materialiensammlung/Buch Die schlaue Romni


Titel

Franz, Philomena (2001) Zigeunermärchen, Norderstedt: BoD GmbH. (80 S.)

Bezugsquelle

Erhältlich über den (Internet-) Buchhandel; z.B. http://www.amazon.de/

Kurzcharakteristik

Philomena Franz, eine deutsche Sintiza, erzählt Geschichten, welche die Lebens- und Gedankenwelt von Sinti (und Roma) zum Ausdruck bringen, aber auch immer wieder die Schwierigkeiten des Verhältnisses zu Nicht-Roma sowie Vorurteile gegen "Zigeuner" thematisieren.

Inhalt

Die Märchen handeln unter anderem von Pappi, dem klugen Gänslein, der immergrünen Tanne, dem weisen Zigeunerkönig, von Geigern und dem überlisteten Teufel, der schönen Danuscha usw.

All diese Geschichten erzählen vor allem von den "Zigeunern" und vermitteln ein sehr positives – manchmal auch klischeehaftes – Bild von einem Freiheit und Natur liebenden Volk. Philomena Franz gibt zwischen den Geschichten immer wieder Erklärungen für traditionelle Sitten und Bräuche.

Anmerkung: Nicht alle Erklärungen stimmen mit den Fakten überein; immerhin aber sind es Erklärungen, die für Kinder zugänglich und nachvollziehbar sind.

Perspektive

Aus dem Blickwinkel einer deutschen Sintiza, die den LeserInnen Sympathie und Verständnis für ihr Volk vermitteln möchte.

Ziel

Die Erzählungen der Philomena Franz ermöglichen einen ersten, positiven Zugang zur Welt der "Zigeuner". Sie "wollen nicht nur unterhaltsam sein. Sie sollen auch Verständnis für die fremdartigen Menschen wecken, die seit Jahrhunderten unter den Vorurteilen ihrer Mitmenschen zu leiden haben und häufig von einem Land zum anderen ziehen mussten, auf der Suche nach einer Heimat." (Zigeunermärchen, S.5)

Zielgruppe

Die Märchen sind für Kinder erzählt und wenden sich mit ihren Erklärungen an eine recht junge Zielgruppe (ab ca. 5-6 Jahren); das schließt aber nicht aus, dass auch Erwachsene Gefallen daran finden.

Materialiensammlung/Buch Zigeunermärchen


Titel

Hackl, Erich (1989) Abschied von Sidonie, Zürich: Diogenes. (128 S.)

Bezugsquelle

Erhältlich über den (Internet-) Buchhandel; z.B. http://www.amazon.de/

Kurzcharakteristik

Erich Hackl erzählt die Geschichte des "Zigeunermädchens" Sidonie Adlersburg, das 1943 ihren Pflegeeltern weggenommen und der leiblichen Mutter zurückgegeben wird. Wenige Tage danach wird Sidonie mit dem letzten Transport nach Auschwitz deportiert, wo sie kurz darauf stirbt. (2)
Die Erzählung beruht auf historischen Tatsachen, die von Erich Hackl in langjähriger und umfassender Recherchearbeit vor Ort, in Archiven sowie in Gesprächen mit Zeitzeugen zusammengetragen und zu einem berührenden Dokument des Schicksals von Sidonie, aber auch der österreichischen Geschichte, verdichtet wurden.

Materialiensammlung/Video Sidonie

Inhalt

Im August 1933 wird vor dem Krankenhaus in Steyr (Oberösterreich) ein neugeborenes "Zigeunermädchen" gefunden. Es trägt einen Zettel bei sich, auf dem steht: "Ich heiße Sidonie Adlersburg und bin geboren auf der Straße nach Altheim. Bitte um Eltern."

Sidonie wird von der Familie Breirather aufgenommen und gesund gepflegt. Gemeinsam mit ihrem Ziehbruder Manfred und später auch der zweiten Pflegetochter Hilde wächst sie, geliebt wie eine leibliche Tochter, auf. Zunächst ist die Tatsache, dass Sidonie "Zigeunerin" ist, kein großes Problem, und mit Anfeindungen haben die Breirathers als politisch engagierte Sozialdemokraten zu leben gelernt. Mit der politischen Entwicklung verschärft sich die Situation; als Sidonie in die Schule kommt, wird für sie die Diskriminierung aufgrund der "Rassenzugehörigkeit" deutlich spürbar.

Die Behörden in Steyr intensivieren die Suche nach Sidonies leiblicher Mutter. Schließlich haben die Bemühungen Erfolg; die Familie Breirather bekommt den Bescheid, dass Sidonie sofort ihrer leiblichen Mutter "zuzuführen" sei. Es folgen die verzweifelten Versuche der Familie, Sidonie bei sich zu behalten; obwohl "mit etwas Mut"(3) die Möglichkeit bestanden hätte, eine Ausnahmeregelung zu erstreiten, wird von den zuständigen Personen die "Überstellung" befürwortet, u.a. mit der Begründung, dass das "Zigeunerhaft" in Sidonies Wesen ja doch früher oder später zutage treten und für Probleme sorgen würde. "... erst das Zusammenwirken von Gedankenlosigkeit, von falscher Anständigkeit und von vorauseilendem Gehorsam führten zur Auslieferung des Kindes."(4)

Sidonie wird schließlich der Mutter übergeben und gemeinsam mit den anderen "Zigeunern" aus dem Lager Hopfgarten mit dem letzten Transport nach Auschwitz deportiert. Dort stirbt sie an der Erniedrigung, am Hunger, an der Kälte und vor allem am gebrochenen Herzen.

Nach dem Krieg geht das Leben weiter, "als hätte es Sidonie nie gegeben". Nur die Pflegeeltern verwinden den Tod Sidonies nie. Sogar das Errichten einer Gedenktafel wird ihnen verweigert. Erst 1988, wenige Monate vor Beginn der Dreharbeiten zum Film Sidonie, wird eine Gedenktafel in Sidonies Heimatort Letten montiert, allerdings mehr aufgrund des Drehbuchpreises für Erich Hackl als zur Erinnerung an Sidonie.

Anmerkung: Abschied von Sidonie erzählt nicht nur das Schicksal eines Mädchens, sondern zeichnet auch sehr eindringlich ein Bild der sozialen und politischen Verhältnisse in den Jahren vor und im Zweiten Weltkrieg. Hackl geht recht genau auf historische Hintergründe ein, was eine gute Aufbereitung für den Unterricht erfordert.

Perspektive

Darstellung der Ereignisse aus der Sicht des Schriftstellers, der deutlich mit Sidonie und der menschlichen wie politischen Einstellung der Breirathers sympathisiert. Seine persönliche Betroffenheit und Anteilnahme werden an der Stelle gegen Ende des Buches deutlich, "an der sich der Chronist nicht länger hinter Fakten und Mutmaßungen verbergen kann. An der er seine ohnmächtige Wut hinausschreien möchte."(5)

Ziel

Die Erzählung ist äußerst berührend und bietet eine hervorragende Möglichkeit, Zeitgeschichte anhand eines persönlichen Schicksals begreifbar und spürbar zu machen. Sie zeigt auf, dass (und wie) eigenständiges Denken, Handeln und Mut – oder deren Gegenteile – den Lauf der Geschichte mitbestimmen können.

Zielgruppe

Ab etwa 10 Jahren; auch für Erwachsene sehr zu empfehlen.

Materialiensammlung/Buch Abschied von Sidonie

Details zu Autobiografien


Titel

Nikolić, Mišo (2002) ... und dann zogen wir weiter. Lebenslinien einer Roma-Familie, Klagenfurt: Drava. (144 S.)

Bezugsquelle

Erhältlich beim Drava-Verlag, Tarviser Straße 16, 9020 Klagenfurt oder über: http://www.drava.at/; Tel. +43/463/50 10 99; E-Mail: office@drava.at

Kurzcharakteristik

Der erste Teil der Autobiografie des Roma-Musikers Mišo Nikolić gibt einen schönen Einblick in die (vergangene) Welt einer Roma-Familie, deren traditionelle Sitten und Lebensweise.

Inhalt

Mišo Nikolić wurde 1940 in Serbien, auf dem Weg zum Markt, als jüngstes von neun Kindern geboren. Beginnend mit der Heirat seiner Eltern erzählt er von Flucht und Schande, von Versöhnung und Zusammenhalt innerhalb der Familie.

Er berichtet vom Leben auf der Reise und vom Überleben im Zweiten Weltkrieg, vom Kauf des ersten Hauses nach dem Krieg und dem sesshaften Leben. Nikolić beschreibt seinen Eintritt in die Schule, die wechselnden Berufe des Vaters und die für das Familieneinkommen immer wesentliche Tätigkeit der Mutter als Wahrsagerin. Nach dem Tod des Vaters und, einige Jahre später, der Mutter, sorgt Mišo als Maler und Anstreicher für die verbliebenen Familienmitglieder. Schließlich geht Mišo Nikolić nach Wien, wo er seine spätere Frau, die bekannte Sängerin Ruža Nikolić-Lakatos kennen lernt.

Das Buch endet mit Mišos Abschiebung nach Jugoslawien; seine weitere Lebensgeschichte erzählt er in Landfahrer (2000 ebenfalls im Drava-Verlag erschienen).

Heute lebt Mišo Nikolić in Wien; zusammen mit seiner Frau und den Söhnen Sascha und Mischo musiziert und komponiert er. "Ruža Nikolić-Lakatos and The Gypsy Family" sind das wahrscheinlich bekannteste Roma-Ensemble Österreichs.

→ Kulturdokumentation
Persönlichkeiten » Nikolić-Lakatos, Ruža

Perspektive

Die sehr authentische Selbst-Darstellung eines Roma-Lebens ist Zeugnis einer fast verflossenen Welt.

Ziel

Kennenlernen der traditionellen Lebensweise von Roma. Das Buch gibt Einblick in die Hierarchie innerhalb der Familie, den Sitten- und Wertkodex von Roma, den Ablauf traditioneller Feste (z.B. Hochzeiten) und Bräuche (z.B. Totengedenken) sowie die Arbeitswelt der Roma und ihre – für Gadže – oft unorthodoxen Überlebensstrategien.

Anmerkung

Die Schilderungen des Buches sind nicht für alle Roma-Gruppen in dieser Form gültig. Zu beachten ist außerdem, dass das Buch eine lange vergangene Zeit beschreibt; nicht alles hat seine Gültigkeit verloren, aber das Leben der Roma hat sich in den letzten Jahrzehnten naturgemäß sehr verändert; nur mehr wenige Gruppen leben so traditionell, wie es in dem Buch beschrieben ist.

Zielgruppe

Bei entsprechender Auswahl von Textauszügen für Kinder ab etwa 10 Jahren geeignet; sehr interessant auch für Erwachsene.

Unterrichtsbezug

Geschichte und Sozialkunde, Deutsch, Politische Bildung

Materialiensammlung/Buch ... und dann zogen wir weiter


Titel

Stojka, Ceija (2003) Wir leben im Verborgenen. Erinnerungen einer Rom-Zigeunerin, 4. Auflage, Wien: Picus. (154 S.)

Bezugsquelle

Erhältlich beim Picus-Verlag, Friedrich-Schmidt-Platz 4, 1080 Wien oder über: http://www.picus.at/; Tel. +43/1/408 18 21; E-Mail: vertrieb@picus.at

Kurzcharakteristik

In ihrer 1988 erstmals erschienenen Autobiografie geht Ceija Stojka als erste österreichische Romni mit ihrer Lebensgeschichte an die Öffentlichkeit. "Sie brach damit nicht nur das Schweigen über die Verfolgung dieser Minderheiten [Anm.: Sinti und Roma] im Nationalsozialismus, sondern initiierte zudem einen Prozess der Auseinandersetzung mit der bis dahin fast unbekannten Lebensweise und Geschichte der ins Verborgene verdrängten Volksgruppen." (Klappentext der 4. Auflage)

→ Pädagogik
Literatur, Filme und Links » Filme: Ceija Stojka

Inhalt

Ceija Stojka, Romni aus der Gruppe der Lovara, schreibt im ersten Teil des Buches ("Ist das die ganze Welt?" S.15-82) über ihr Leben in Wien zu Beginn der Verfolgungen durch die Nationalsozialisten 1939, über die sukzessive Deportation ihrer Familie in die Konzentrationslager und vor allem über ihre Zeit in Auschwitz, Ravensbrück und schließlich Bergen-Belsen.

Nach ihrer Befreiung kehrt sie nach Wien zurück; der Wohnwagen, in dem die Familie vor der Deportation gelebt hat, ist zerstört, ein großer Teil der Verwandtschaft tot. Ohne Unterstützung durch die Behörden beginnt die Suche nach einer Wohnung und der Kampf um das tägliche Überleben.

Der zweite Teil des Buches ("Du darfst keine andere sein" S.97-155) gibt ein Gespräch zwischen Ceija Stojka und der Herausgeberin Karin Berger wieder, in dem Stojka über ihre Motivation, diese grauenvollen Erlebnisse niederzuschreiben, spricht, aber auch über ihre Kindheit vor dem Krieg, als sie mit ihrer Familie noch gereist ist. Sie beschreibt die Zeit nach dem Krieg, spricht über das Denken und Fühlen von Roma, über die "kleinen" Unterschiede zu den Gadže – den Nicht-Roma –, das Roma-Sein heute und immer wieder über die Kunst, in einer oft gar nicht wohlgesonnenen Umwelt zu überleben.

→ Kulturdokumentation
Persönlichkeiten » Die Stojkas

Perspektive

Geschichte und Leben von Roma aus der "Innenperspektive". Die Schilderungen sind sehr persönlich und durch diese Unmittelbarkeit so überwältigend.

Ziel

Kennenlernen eines spezifischen Teils der Geschichte der österreichischen Roma (Holocaust und Nachkriegsgeschichte), die zugleich österreichische Geschichte ist. Kennenlernen verschiedener Aspekte des Roma-Seins (Familie, Alltag, Kultur, Zusammenleben mit Gadže usw.) aus Sicht einer Lovarica.

Zielgruppe

Bei entsprechender Auswahl von Textauszügen für Kinder ab etwa 10 Jahren geeignet; sehr interessant auch für Erwachsene.

Unterrichtsbezug

Geschichte und Sozialkunde, Deutsch, Politische Bildung.

Weitere Bücher von Ceija Stojka findet man in der bibliografischen Datenbank "Romane Lila" unter: http://romani.uni-graz.at/romani/cluster.de.shtml

Materialiensammlung/Buch Wir leben im Verborgenen

Details zu Materialien für den Unterricht


Titel

Baumhauer, Ursula (Hg.) (2000) Abschied von Sidonie von Erich Hackl. Materialien zu einem Buch und seiner Geschichte, Zürich: Diogenes. (335 S.)

Bezugsquelle

Erhältlich über den (Internet-) Buchhandel; z.B. http://www.amazon.de/

Inhalt

Entstehungsgeschichte und Reaktionen auf die Erzählung Abschied von Sidonie; Drehbuch; Materialien zum "Fall" Sidonie Adlersburg (Fürsorgeakt; Protokolle der Gespräche mit Josefa Breirather und Joschi Adlersburg; Arbeitszeittafel; Fototeil); verschiedene Beiträge zur Wirkungsgeschichte (u.a. von Erika Thurner zum "vergessenen Holocaust" an Roma und Sinti sowie von Rosemarie Fischer/Günther Krapp zu Erfahrungen im Unterricht).
Anmerkung: Für detailinteressierte LeserInnen, evtl. für LehrerInnen interessant.

Materialiensammlung/Buch Abschied von Sidonie von Erich Hackl


Titel

Domanski, Herbert (1999) Analysehilfen Erich Hackl "Abschied von Sidonie", Stuttgart / Düsseldorf / Leipzig: Klett. (71 S.)

Bezugsquelle

Erhältlich über den (Internet-) Buchhandel; z.B. http://www.amazon.de/

Inhalt

Zeitgeschichtlicher Hintergrund; Inhaltsübersicht; Aufbau und Thematik der Erzählung; Personen der Erzählung; Erzählweise Hackls; Didaktische Hinweise (Anregung zu Schreibaufgaben); Exkurs: Die Republik Österreich 1918-1938; Worterklärungen.

Materialiensammlung/Buch Analysehilfen Erich Hackl "Abschied von Sidonie"


Titel

Fischer, Rosemarie / Krapp, Günther (2002) Erich Hackl: "Abschied von Sidonie". Lehrerheft und Schülerheft, Rot a. d. Rot: Krapp & Gutknecht. (111 S. bzw. 59 S.)

Bezugsquelle

Verlag Krapp & Gutknecht GbR, Schillerring 8, D-88430 Rot a. d. Rot oder: http://www.krapp-gutknecht.de/.../Sidonie.htm; Tel. +49/83 95/93 0 34; E-Mail: info@Krapp-Gutknecht.de

Inhalt Lehrerheft

Zum Buch: Fabel, Charaktere, Autor und Entstehungsgeschichte, Aufbau der Erzählung

Zu Aufbau der Lehrerhandreichungen und Einsatz des Schülerheftes

Unterrichtsbausteine: Didaktisierung der einzelnen Kapitel bzw. Themen der Erzählung

Gedenken und Transfer: Wer brachte Sidonie ins Konzentrationslager? Arbeitsaufgaben zum Gedenken an Sidonie usw.

Materialien und Aufsätze zum Thema Sinti und Roma: Herkunft, Geschichte und Kultur; Antiziganismus; Situation der Sinti und Roma nach dem Zweiten Weltkrieg usw.

Bücher und Filme: Kleine, gut beschriebene Auswahl, unter anderem auch zu den in der Materialiensammlung enthaltenen Filmen Sidonie und Auf Wiedersehen im Himmel sowie zum Buch Antiziganismus.

Kontaktadressen: Leider nur eine Adresse für Österreich; weitere Kontaktadressen zu österreichischen Roma- (und Sinti-)Vereinen siehe "Literatur, Filme und Links"

Inhalt Schülerheft

Arbeitsblätter zu den einzelnen Kapiteln

Tipps zum kreativen Schreiben und Gestalten

Materialien: Fotos; Gespräch mit Erich Hackl und dem Bruder von Sidonie, Manfred Breirather; Texte: Zur Verfolgung von Roma und Sinti im Nationalsozialismus, zu Vorurteilen, Diskriminierung und Rassismus, zur Geschichte Österreichs nach 1918 etc.

Gestaltungsaufgabe: Denkmal für Sidonie

Anmerkung

Sehr gute und ausführliche Aufbereitung der Erzählung für den Unterricht.

Materialiensammlung/Buch Erich Hackl: "Abschied von Sidonie"


Titel

Gesellschaft für Bedrohte Völker (Hg.) (2002) Sinti und Roma – eine Minderheit in Deutschland. Unterrichtseinheit für Schülerinnen und Schüler ab der 9. Klasse, Göttingen: Gesellschaft für Bedrohte Völker. (150 S.)

Bezugsquelle

Gesellschaft für bedrohte Völker, Postfach 2024, D-37010 Göttingen oder: http://www.gfbv.de/; Tel. +49/5 51/4 99 06-0; E-Mail: info@gfbv.de.

Kurzcharakteristik

Sinti und Roma – eine Minderheit in Deutschland kann als Leitfaden und Anregung zur Bearbeitung verschiedener Roma-spezifischer Themenbereiche im Unterricht dienen.

Inhalt

Die Unterrichtseinheit ist in 8 Phasen gegliedert:
Phase 1: "Grundinformationen zum Thema Minderheiten und Randgruppen" setzt sich mit dem Begriff "Minderheit" auseinander: Was macht die Gruppe zur Randgruppe, und welche Minderheiten (ethnische, religiöse usw.) gibt es?

Phase 2: "Basisinformationen über Sinti und Roma" beschäftigt sich mit dem Begriff "Zigeuner", mit Kultur, Geschichte und aktuellen Problemen von Sinti und Roma. Die Verwendung der Quelle B2, des Vorworts zum Roman Verdammter Zigeuner von Ronald Lee (6), empfehlen wir nur bedingt, da der Text an manchen Stellen eine einseitige Perspektive und zum Teil unvollständige und klischeebehaftete Informationen vermittelt.

Phase 3: "Das Leiden der Sinti und Roma im Nationalsozialismus" gibt eine kurze Chronologie der Verfolgungen, verwendet aber hauptsächlich Berichte von Zeitzeugen – auch des Lagerkommandanten von Auschwitz.

Phase 4: "Wiedergutmachung" ist als Thema hochaktuell, die bundesdeutschen Dokumente und Quellen sind aber naturgemäß durch österreichische zu ersetzen.

Phase 5 und 5B behandeln Menschenrechte, Bürgerrechte und Minderheitenrechte sowohl in begrifflicher Hinsicht als auch hinsichtlich ihrer Bedeutung für Roma und Sinti sowie die Notwendigkeit eines effizienten Minderheitenschutzes. Das Kapitel ist – was manche Quellentexte betrifft – recht schwierig, da es sich um eine komplexe Thematik mit zum Teil juristischen Texten (z.B. die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte") handelt. Es bietet sich hier an, die Entwicklung der Selbstorganisation der österreichischen Roma und Sinti zu thematisieren.

Phase 6: "Roma aus Osteuropa" bietet einen guten Überblick über die Situation von Roma in Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Polen, dem Kosovo sowie der so genannten "staatenlosen" Roma.

Phase 7: "Vorurteile und Klischeevorstellungen" ist auch gut als Einstiegskapitel in die Roma-Thematik zu verwenden. Zunächst geht es darum, eigene Vorstellungen und damit oft Vorurteile oder klischeehafte Bilder von Roma zu erkennen und zu hinterfragen. Die gängigsten Vorurteile über Roma werden hier hinsichtlich ihres Wahrheitsgehalts überprüft und argumentativ sowie durch Stellungnahmen von Betroffenen recht gut widerlegt.

Phase 8: "Handlungsperspektiven" soll Möglichkeiten aufzeigen, gegen Diskriminierung und Rassismus einen Beitrag zu leisten.

Perspektive

Unterrichtsmaterialien von Nicht-Roma zum Thema "Roma", wobei aber Stellungnahmen von Roma in Form von (literarischen) Texten und Interviews enthalten sind.

Ziel

Vertrautmachen der Mehrheitsbevölkerung mit "den Ursprüngen und der Geschichte" der Roma, um "ihnen Einblicke in die Kultur und die Tradition der Sinti und Roma" (Ziele der Unterrichtseinheit laut Vorwort, S.5 f.) zu ermöglichen. Weitere Ziele sind es, Informationen über die Diskriminierung, Verfolgung und den Völkermord an Sinti und Roma zu vermitteln, die aktuelle Lage der Roma – auch in osteuropäischen Ländern – zu beleuchten sowie Vorurteilen und Klischees entgegenzuwirken und eine Perspektive für eigene Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Zielgruppe

Als Zielgruppe werden 9-13-jährige SchülerInnen angegeben; man muss in dieser Altersgruppe aber die Themenbereiche gut auswählen. Uns scheinen einzelne Bereiche (etwa die Phasen 5 und 5B) besonders für SchülerInnen ab 13 Jahren geeignet. Auch gut in der Erwachsenenbildung einsetzbar.

Unterrichtsbezug

Je nach behandeltem Thema im Rahmen von Geschichte und Sozialkunde, Politische Bildung, Geografie und Wirtschaftskunde, aber auch Deutsch und Religion.

Materialiensammlung/Buch Sinti und Roma


Titel

Ortmayer, Christoph / Peters, Elke / Strauß, Daniel (1998) Antiziganismus. Geschichte und Gegenwart deutscher Sinti und Roma, Wiesbaden: Hessisches Landesinstitut für Pädagogik. (151 S.)

Bezugsquelle

Hessisches Landesinstitut für Pädagogik, Zentrales Publikationsmanagement, Postfach 3105, D-65021 Wiesbaden oder: http://www.help-zpm.de/; Tel. +49/6 11/88 03-203; E-Mail: order@help-zpm.de.

Kurzcharakteristik

Zwei gut ausgearbeitete Unterrichtseinheiten zur Darstellung der rassistischen Ausgrenzung der Sinti und Roma ("Boxer Trollmann – ein deutscher Sinto") bzw. des Holocaust an Sinti und Roma ("Auf Wiedersehen im Himmel – Die Sintikinder von der St. Josefspflege in Mulfingen"). Zahlreiche Quellen, Dokumente und Fotos; auch Bilder des kürzlich verstorbenen österreichischen Rom Karl Stojka. Sachinformation zu Geschichte und Gegenwart von Sinti und Roma sowie zu verschiedenen Aspekten des Antiziganismus.
Anmerkung: Die Materialien sind zwar primär auf Deutschland bezogen, besitzen aber zum Großteil – thematisch bedingt – auch für Österreich Gültigkeit.

Materialiensammlung/Video Auf Wiedersehen im Himmel

Inhalt

"Sachinformationen Sinti und Roma": Geschichte der Sinti und Roma; Traditionen des Antiziganismus; Geschichte antiziganistischer Verfolgung; Völkermord an Sinti und Roma; gesellschaftliche Situation der Sinti und Roma nach dem Zweiten Weltkrieg; Minderheitenstatus in Deutschland.

"Boxer Trollmann – ein deutscher Sinto": Rahmen der Unterrichtseinheit; Inhaltliche Hinführung; Didaktisch-methodische Überlegungen; Materialien für den Unterricht.

"Auf Wiedersehen im Himmel – Die Sintikinder von der St. Josefspflege in Mulfingen": Dieses Kapitel stellt eine didaktische Bearbeitung des gleichnamigen Films zur Verfügung. Inhaltliche Hinführung; didaktisch-methodische Überlegungen; Materialien zum Unterricht.

"Antiziganismus in Deutschland": Textauszüge zu verschiedenen Aspekten des Antiziganismus (Kapitel: "Elemente des Antiziganismus", Kapitel: "Zigeunerbilder deutscher Dichter", Kapitel: "Antiziganismus in den Medien von heute" etc.).

"Stichworte": Chronologie des Völkermordes an den Sinti und Roma; Literaturauswahl; AutorInnen; Adressen.

Perspektive

Aufarbeitung der Themenbereiche "rassistische Ausgrenzung" und "Völkermord in der NS-Zeit" anhand von persönlichen Schicksalen; auch die Täterseite kommt zu Wort.

Ziel

Die Tatsache, dass auch Sinti und Roma Opfer rassistisch motivierter Verfolgungen sowie des Völkermordes während der NS-Zeit waren, ist weitgehend unbekannt und wurde lange Zeit – auch in Lehrbüchern – totgeschwiegen. Die vorliegenden Materialien sollen Schüler und Erwachsene anhand persönlicher Schicksale über die gesellschaftlichen und politischen Zusammenhänge des Antiziganismus informieren, "... damit die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass Menschen den Opfern unserer Minderheit in Würde begegnen". Es geht auch darum, "... Schülerinnen und Schüler zu ermuntern und zu befähigen, eine Gesellschaft ohne Rassismus mitzugestalten". (Beide Zitate: Adam Strauß, Vorsitzender des Verbands deutscher Sinti und Roma, Landesverband Hessen, im Vorwort, S.5)

Zielgruppe

Als Zielgruppe werden SchülerInnen der Sekundarstufe I angegeben. Bei sorgfältiger Auswahl und Aufbereitung sind einzelne Materialien wahrscheinlich ab etwa 10 Jahren einsetzbar, adäquater scheint uns aber die Verwendung der Unterrichtseinheiten ab einem Alter von etwa 14 Jahren. Auch gut in der Erwachsenenbildung einsetzbar.

Unterrichtsbezug

Geschichte und Sozialkunde, Politische Bildung, Deutsch (siehe Kapitel: "Zigeunerbilder deutscher Dichter", S.128 ff., oder Kapitel: "Antiziganismus in den Medien von heute", S.134 ff.).

Materialiensammlung/Buch Antiziganismus

1 Roman ist die Eigenbezeichnung der Burgenland-Roma für ihre Romani-Variante.
2 Zur Entstehungsgeschichte siehe: Hackl, Erich (2000) Sehend gemacht. Eine Bilanz, in: Baumhauer, Ursula (Hg.) (2000) siehe Materialiensammlung/Buch
3 Hackl, Erich (2000) S.12
4 Gauß, Karl-Markus (2000) Über Geduld und Ungeduld, Erzählen und Erklären, Stil und Moral. Anmerkungen zu Erich Hackl, in: Baumhauer, Ursula (Hg.) (2000) siehe Materialiensammlung/Buch
5 Hackl, Erich (1989) Abschied von Sidonie, Zürich: Diogenes, S. 100
6 Lee, Ronald (1997) Verdammter Zigeuner, Weinheim / Basel: Beltz.
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