Roma-Persönlichkeiten

Musik
Bildende Kunst
Literatur
Roma-Politik

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Die Geschichte der Roma stellt sich über weite Strecken als eine Geschichte der Verfolgung, Diskriminierung und Marginalisierung dar. Noch heute befinden sich Roma in den meisten Ländern Europas (und nicht nur Europas) am untersten Rand der Gesellschaft. Darüber darf man aber den Beitrag, den Roma zum kulturellen Leben Europas leisten und geleistet haben, nicht vergessen. Was vielmehr erstaunt, ist die Tatsache, dass es trotz dieser Marginalisierung so viele Künstler und herausragende Persönlichkeiten unter den Roma gibt; viele von ihnen sind einer breiten Öffentlichkeit nicht bekannt, sondern nur innerhalb ihrer Gruppe ein Begriff. Umso mehr aber lohnt es sich, genauer hinzusehen: Abgesehen von den jeweiligen Leistungen vermitteln die Biografien wahrscheinlich mehr über Leben, Geschichte und Kultur von Roma, als es ein Lehrbuch kann. Sie helfen vielleicht, einen Zugang zu finden und ein bestehendes, oft eindimensionales oder verzerrtes Bild über Roma gerade zu rücken. Roma nicht nur als Minderheit, sondern als selbstverständlichen Teil unserer Gesellschaft anzuerkennen, würde auch einen Schritt in Richtung echter Integration bedeuten.

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Persönlichkeiten

Anmerkung: Hier konnten natürlich nur einige wenige Roma-Persönlichkeiten erwähnt werden. Nähere Details und weitere Biografien findet man in der Kulturdokumentation. Prinzipiell bietet sich das Internet als Medium auch für die eigene Recherche an, da man im Zuge der Suche immer wieder auf interessante Homepages stößt und Informationen über Roma quasi nebenbei "mitnimmt". Diesbezüglich gilt es aber, den angebotenen Informationen sehr kritisch gegenüberzustehen, da gerade über dieses Medium viele Halb- und Unwahrheiten verbreitet werden; im Zweifelsfall sollte man sich an die angegebenen Links halten.


Musik

Die meisten auch einem Gadže-Publikum (Nicht-Roma- Publikum) bekannten Persönlichkeiten befinden sich unter den Roma-MusikerInnen (1). Das liegt daran, dass unter Roma das Musizieren eine lange Tradition hat und zudem Roma-Musik auch von Nicht-Roma positiv wahrgenommen und meist sehr geschätzt wird.


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Musik

Gemeinsam ist fast allen Roma-MusikerInnen, dass sie schon in eine musikalische Familientradition hineingeboren werden, meist Noten weder lesen noch schreiben können und ihre musikalische Ausbildung im Kreis der Familie erfahren haben – durch Nachahmung und natürlich auch viel Übung. Praktisch alle Roma-MusikerInnen beherrschen eine Vielzahl an Instrumenten.

Eine Ausnahmeerscheinung war sicherlich Cinková Panna (ca. 1711-1772), und nicht nur hinsichtlich ihres musikalischen Könnens: Auch die Tatsache, dass sie als Frau, als Romni, und zu dieser Zeit als Musikerin in der Öffentlichkeit auftrat, ist mehr als ungewöhnlich. Geboren in Gemer in der heutigen Südost-Slowakei überraschte sie bereits mit neun Jahren Familie und Nachbarn mit ihrem wunderbaren Geigenspiel. Sie hatte ihre eigene "Zigeunerkapelle", war schon zu Lebzeiten in ungarischen Adelskreisen sehr gefragt und trat sogar vor Maria-Theresia auf. Neben der Interpretation von Volks- und Tanzmusik spielte sie auch ihre eigenen Kompositionen. Nach ihr wurde das jährliche Volksmusikfestival in Gemer benannt: das Cinka Panna-Festival.

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Persönlichkeiten » Cinková, Panna

Zu den Berühmtheiten unter den Roma-MusikerInnen zählten auch Janoš Bihari (1764-1825/27?) und Pista Dankó (1858-1903). Janoš Bihari war ungarischer Rom, Geigenvirtuose, Komponist und Kapellmeister. Er verfügte über ein äußerst vielseitiges Repertoire und spielte mit seiner Kapelle ungarische, tschechische, deutsche, schottische und französische Tänze, Quadrillen und Menuette. Zu seinen Bewunderern zählte unter anderem Franz Liszt. Bihari war äußerst gefragt; er absolvierte Auftritte in der gesamten österreichisch-ungarischen Monarchie, unter anderem auch vor dem Wiener Kongress. Bekannt zu Lebzeiten, ist er nach wie vor ein Begriff in der europäischen Musikgeschichte.

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Persönlichkeiten » Bihari, Janoš

Ebenso wie Janoš Bihari war Pista Dankó Musiker, Komponist und Kapellmeister. Geboren in Szeged, begann er mit 21 Jahren zunächst Lieder zu komponieren; in weiterer Folge vertonte er an die 400 Gedichte. Pista Dankó war einer der besten Interpreten ungarischer Volksmusik; mit seiner Musik beeindruckte er Beethoven, Liszt, Smetana, Dvořák und Brahms. Obwohl er schon zu Lebzeiten in Künstlerkreisen bekannt war, erreichte er seine wahre Popularität erst nach dem Tod; heute noch erinnert eine Statue in Szeged, am Ufer des Flusses Tizsa, an ihn.

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Persönlichkeiten » Pista, Dankó

Jožka Kubík (1907-1978) stammte aus einer Musikerfamilie in Südost-Mähren. Er war Geiger und leitete schon mit 15 Jahren ein bekanntes Roma-Ensemble. Später integrierte Kubík das für ungarische Roma-Besetzungen typische Zimbal in seine Violinen- und Viola-Besetzung, noch später auch die C-Klarinette. Mit viel Glück und dank seiner Berühmtheit entging er dem Schicksal seiner Verwandten, der Deportation ins Konzentrationslager. Nach dem Krieg führte er – neben diversen Jobs in der Industrie – sein Ensemble weiter, bis er aufgrund von Krankheit sukzessive begann, seine Instrumente (die er nicht nur besessen, sondern auch gespielt hatte) zu verkaufen; seinen letzten Auftritt absolvierte er anlässlich seines 70. Geburtstages. Nach ihm – "Jozkakubik" – wurde ein schwarzer Asteroid benannt, der zwischen Mars und Jupiter kreist.

Jožka Kubík
Jožka Kubík (1907-1978)
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Persönlichkeiten » Kubík, Jožka

Jean Baptiste "Django" Reinhardt (1910-1953), der Begründer und bekannteste Vertreter des Sinti-Jazz, wurde als Sohn fahrender Manouches in Belgien geboren. Sein Vater leitete als Geiger eine "Zigeunerkapelle"; auch seine Geschwister waren Musiker. Zunächst spielte Django Geige, dann Banjo; 1928 verlor er zwei Finger seiner linken Hand und begann, nach – und trotz – dieser Verletzung, Gitarre zu spielen. Mit dem Aufkommen des Jazz in den 20er Jahren gründete er 1934 sein Ensemble, das "Quintette du Hot Club de France", in einer ungewöhnlichen Besetzung: (zunächst) ohne Schlagzeug, dafür mit Geige, Kontrabass und zwei Rhythmusgitarren; der Geiger war der weltberühmte Stephane Grapelli. Django Reinhardt spielte mit den Größen der amerikanischen Jazz-Szene, mit Louis Armstrong ebenso wie mit Duke Ellington oder Benny Carter. Auch nach seinem Tod 1953 ist Django Reinhardt ein großes Vorbild für Jazz-Musiker geblieben. Viele Sinti-Formationen haben lange an der Klangkörperstruktur des "Hot Club de France" festgehalten und damit gearbeitet.

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Persönlichkeiten » Reinhardt, Django

Věra Bílá ist die berühmteste zeitgenössische Roma-Sängerin der Tschechischen Republik. Auch sie stammt aus einer Familie von MusikerInnen. Ihre ersten Auftritte absolviert sie bereits im Alter von acht Jahren anlässlich von Familienfeiern, Hochzeiten und Festen; seit 1994 tritt sie mit ihrer Band "Kale" (kalo = schwarz) in ganz Europa, den USA und Japan auf. Neben ihren Rompop-Eigenkompositionen, für die sie auch die meisten Texte selbst schreibt, interpretiert sie traditionelle Lieder der tschechischen und slowakischen Roma.

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Persönlichkeiten » Bílá, Věra

Die Lovarica Ruža Nikolić-Lakatos wurde 1945 geboren und wuchs in Pápa, einer Kleinstadt in der Nähe von Győr (Ungarn), auf. Im Zuge des Ungarn-Aufstandes 1956 flüchtete die Familie Lakatos nach Österreich. In Wien lernte Ruža ihren Mann Mišo Nikolić kennen; begleitet von ihm und ihren Söhnen Mischa und Sascha singt sie traditionelle langsame Lieder (loke gjila) und Tanzlieder (khelimaske gjila) der Lovara sowie Eigenkompositionen von Mišo Nikolić; das Ensemble "Ruža Nikolić-Lakatos & The Gypsy Family" ist heute eine weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannte Roma-Band.
Als "Botschafterin der Roma" möchte Ruža Nikolić-Lakatos mit ihrem musikalischen Repertoire Bewusstsein für ihr Volk schaffen und das traditionelle Liedgut der Lovara an junge Generationen weitergeben.
Mišo Nikolić, geboren 1940 als Sohn fahrender Roma in Jugoslawien, ist Musiker, Komponist und Verfasser von zwei autobiografischen Büchern. (2)

Ruža Nikolić-Lakatos
Ruža Nikolić-Lakatos (Mariazell [Stmk.]/Österreich), 2001
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Persönlichkeiten » Nikolić-Lakatos, Ruža
→ Pädagogik
Handbuch » Impulsartikel » Musik
Materialiensammlung/MC Romane Gila

Harri Stojka wurde 1957 in Wien geboren; er ist Jazzmusiker und Komponist. Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte er 1970; Mitte der 70er Jahre gründete er den "Harri-Stojka-Express". Der Durchbruch gelang ihm 1980 mit einem Konzert im Wiener Praterstadion; seither hat er zahlreiche Platten und CDs aufgenommen und spielt mit internationalen Größen der Musikbranche. Harri Stojka beschäftigt sich auch besonders mit der traditionellen Musik der Roma ("Harri Stojka & Gitancœur", "Harri Stojka & Gypsysoul").

http://www.harristojka.com/
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Persönlichkeiten » Die Stojkas

Ein Vertreter des Sinti-Jazz ist der 1964 in Österreich geborene Zipflo Weinrich. Ausgebildet vom Großvater trat er schon in jungen Jahren zusammen mit seinem Vater Joschi Weinrich und weiteren Familienmitgliedern auf und hat auch etliche Auftritte gemeinsam mit Harri Stojka absolviert.
Unzählige große Musiker sind hier ungenannt geblieben, unter ihnen etwa Titi Winterstein, Zipflo Reinhardt, Schnuckenack Reinhardt, Hänschen Weiss in der Nachfolge von Django Reinhardt; in wahlloser Reihenfolge sei noch hingewiesen auf die rumänische "Gypsy Brass Band", "Fanfare Ciocarla", auf die, ebenfalls aus Rumänien stammenden "Taraf de Haidouks", den jugoslawischen Musiker Saban Bajramović oder den durch Kusturicas Film "Time of the Gypsies" berühmt gewordenen Goran Bregović, auf das "Kočani-Orchester" aus Mazedonien (ebenfalls mit Kusturicas "Underground" im Westen bekannt geworden), die großartigen Sängerinnen Esma Redzepova aus Mazedonien und Ida Kelarová aus der Slowakei, auf "Kályi Jag" und "Ando Drom" aus Ungarn, "Loyko" aus Russland und natürlich die "Gypsy Kings" – und das ist nur ein kleiner Ausschnitt.

http://www.galbeno.co.yu/
Materialiensammlung/CD Road of the Gypsies

Bildende Kunst

Was die bildende Kunst betrifft, kann man kaum von einer Kunsttradition – im Sinne von "art pour l’art" – sprechen. Roma stellten ihre Kunstfertigkeit durch ihre kunstvollen Handwerksprodukte unter Beweis, die vor allem dem Lebensunterhalt dienten, weniger aber anhand von Bildern und Skulpturen. Man könnte sagen: Die Begabung war immer vorhanden, die Lebensumstände ließen es jedoch kaum zu, dass man sich mit Kunst als Selbstzweck beschäftigte.
Zwei Vertreter des Kunsthandwerks sollen hier Erwähnung finden: Rosa Taikon und Dragan Jevremović. Rosa Taikon, schwedische Kalderaš-Romni und Schwester der Autorin Katarina Taikon, arbeitet als Silberschmiedin und hat seit 1966 ihre Stücke, die sie selbst entwirft und herstellt, in vielen Ländern Europas und Übersees mit großem Erfolg ausgestellt.


Rosa Taikon
Rosa Taikon
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Persönlichkeiten » Taikon, Rosa

Dragan Jevremović ist Obmann des österreichischen Roma-Vereins "Romano Centro" in Wien; er beherrscht das traditionelle Kupferschmiede-Handwerk seit seiner Kindheit und stellt in der Freizeit wunderbare Kunst- und Gebrauchsgegenstände her. In einigen Kursen hat er bereits sein Können weitergegeben.

Einer der ersten Maler und Bildhauer unter den Roma, die internationale Bekanntheit erlangten, war Tamás Péli (1948-1994). Schon als kleines Kind außerordentlich talentiert, wurde er bereits im Alter von 10 Jahren auf der Hochschule für Grafik und angewandte Kunst in Budapest aufgenommen. Im Laufe seines Lebens wurde es ihm ein Bedürfnis, die Öffentlichkeit mittels seiner Kunst über die Kultur und Traditionen der Roma zu informieren. Sein größtes Projekt, ein Bild zu Ursprung und Wanderungen der Roma auf 42 m2, hat er 1983 realisiert.

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Persönlichkeiten » Péli, Tamás

Ein Beispiel für bildende Kunst von Roma-Kindern sind die mittlerweile sehr bekannten Bilder der Kinder von Jarovnice. Jarovnice ist ein kleiner Ort in der Ostslowakei, in dessen Roma-Siedlung unter der Anleitung von Jan Sajko, einem engagierten Zeichenlehrer, farbenprächtige Kunstwerke entstehen. (3)


Literatur

Ebenso wie die bildende Kunst hat auch die schriftliche Literatur bei den Roma eine erst sehr kurze Tradition. Über Jahrhunderte hinweg wurden Geschichten, Märchen und Lieder ausschließlich mündlich weitergegeben, und entsprechend der langen Oraltradition waren – und sind – unter den Roma großartige Erzähler zu finden. Dazu sollen hier zwei Beispiele aus dem Burgenland erwähnt werden: Paula Nardai und Johann "Kalitsch" Horvath, beide Überlebende der nationalsozialistischen Konzentrationslager, und beide leider schon verstorben.

Johann Horvath, genannt "Kalitsch" (1912-1983), war der "Bürgermeister" der Roma-Siedlung Oberwart (Burgenland / Österreich), ein Zeitzeuge und begnadeter Märchenerzähler. Er überlebte als einziger seiner Familie das NS-Vernichtungslager Auschwitz; seine Frau und die drei Kinder wurden ermordet. Sein Haus war über Jahre der Treffpunkt für Alt und Jung, wenn es galt, wahren und halbwahren Geschichten, Liedern oder zum Teil recht deftigen Schwänken zu lauschen. Zusammen mit Paula Nardai war er einer der letzten unter den Burgenland-Roma, die in der Lage waren, lebendige Kultur zu transportieren, da ein Großteil der kulturerhaltenden Großelterngeneration die Konzentrationslager nicht überlebt hat oder aufgrund der erlittenen körperlichen und seelischen Wunden früh verstorben ist.

Johann Horvath
Mozes Heinschink, Johann "Kalitsch" Horvath (1912-1983), Mirjam Wiegele
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Persönlichkeiten » Horvath, Johann

Paula Nardai (1923-1999) stammte aus Rumpersdorf im Bezirk Oberwart. 1943 nach Auschwitz deportiert, verlor sie mit Ausnahme ihres Bruders alle Verwandten. 1945 kehrte sie in ihre "Heimat" zurück, ihr Haus bewohnte jedoch mittlerweile ein Gadžo. Sie war eine der respektiertesten Persönlichkeiten der Roma-Siedlung Oberwart und – neben "Kalitsch" – eine der ersten ZeitzeugInnen, die bereit war, auch öffentlich über die für Roma so schmerzvollen Ereignisse im Nationalsozialismus zu sprechen; eine wichtige Rolle kommt ihr auch als Bewahrerin von alten Märchen und Liedern zu. (4) Paula Nardai ist im Film Amen sam, so amen sam ("Wir sind, was wir sind") zu sehen.

Paula Nardai
Paula Nardai (1923-1999), 1996
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Persönlichkeiten » Nardai, Paula
Materialiensammlung/Video Amen sam, so amen sam

Die schriftliche Literatur der Roma beginnt erst im 20. Jahrhundert. Das hat viele Gründe, auf die hier einzugehen aber den Rahmen sprengen würde. Um es kurz zu sagen: Es gibt neben der Tradition der mündlichen Überlieferung von Geschichten, Märchen, Schwänken, Rätseln, Liedern usw. "auch eine schriftliche Roma-Literatur, die es sehr wohl verdient, rezipiert zu werden, auch wenn sie in der gegenwärtigen Situation nicht als primäres kulturelles Ausdrucksmittel der Roma gelten kann". (Eder 1993: 232 (5)) Die Literatur bietet einen direkten Zugang zu Zeitgeschichte, Traditionen und Selbstverständnis der Roma; zudem spiegelt sie das Bild, das Roma von der Welt der Gadže haben, wider.

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Literatur

Einer der ersten Roma-Autoren war Alexander Germano. Er schrieb in Russisch, seiner Erstsprache. Das mährische Romani seiner Mutter wurde zu Hause kaum gesprochen, da die Eltern zunächst tschechisch, dann, nach dem Umzug nach Russland, russisch miteinander sprachen. Alexander Germano begann bereits in der Schule zu schreiben; sein erster Essay erschien 1915. Er arbeitete als Herausgeber einer Zeitung und schrieb Artikel fürs Feuilleton, Essays und Sketches sowie 1921 sein erstes Theaterstück. In Moskau übernahm er die Aufgabe, ein Romani-Alphabet zu entwickeln sowie eine Grammatik des Romani und eine "Bibliographie der Zigeuner" zu verfassen. Sein erstes literarisches Werk in Romani ist die Erzählung Ruvoro. Neben weiteren Erzählungen und Gedichten übersetzte er Puschkin ins Romani. Das erste Roma-Theater der Welt, das Theater "Romen" in Moskau (das es im Übrigen noch immer gibt), spielte als erstes Stück Germanos Džiiben pre roty ("Leben auf Rädern").

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Persönlichkeiten » Germano

Wie viele andere Roma-SchriftstellerInnen hatte sich auch Matéo Maximoff (1917-1999) lesen und schreiben selbst beigebracht. Die meisten seiner Bücher verfasste er auf Französisch, da zu seiner Zeit Publikationen in Romani undenkbar waren. Neben wenigen – meist unveröffentlichten – Geschichten und Erzählungen in Kalderaš-Romani übersetzte er das Neue Testament ins Romani. Sein erster Roman, Les Ursitory ("Die Ursitory"), war ursprünglich als Schilderung einer Familienfehde, die Maximoff ins Gefängnis gebracht hatte, konzipiert; sie legte – dank seines Anwalts und späteren Verlegers Jacques Isorni – den Grundstein zu Matéo Maximoffs schriftstellerischem Erfolg. Maximoffs Erzählungen und Romane zeigen sehr gut die komplexe Realität der Roma, die Nicht-Roma unwirklich, surreal und übernatürlich erscheint, für Roma aber Bestandteil des täglichen Lebens ist, und geben Auskunft über die traditionelle Lebens- und Gedankenwelt von Roma.

Matéo Maximoff
Mateo Maximoff (1917-1999)
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Persönlichkeiten » Maximoff, Matéo

Philomena Franz, geboren 1922, ist deutsche Sintiza und Verfasserin von Märchen und Gedichten. Ihr Buch Zwischen Liebe und Hass (6) handelt von ihrer unbeschwerten Kindheit, auf die "die ersten langen Schatten" – Verbot des Schulbesuchs, Zwangsarbeit und Deportation von Familienmitgliedern – folgten, von ihrer Zeit in Auschwitz sowie vom "Weiterleben nach dem Nullpunkt". Philomena Franz erhielt 2001 den "Preis Frauen Europas" für Personen, die sich in herausragender Weise für die europäische Integration und Verständigung der Völker engagiert haben.

Zu Roma-Schriftstellerinnen s.a.:
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Persönlichkeiten » Fabiánová, Tera; Papusza (Wajs, Bronislawa)
Materialiensammlung/Buch Zigeunermärchen

Die Lovara-Familie Stojka zählt heute zu den bekanntesten Künstler-Familien Österreichs. Die Geschwister Ceija, Karl und Mongo sowie der Sohn Karls, Karl Ratzer, und der Sohn Mongos, Harri Stojka, sind als Schriftsteller, Maler und Musiker in ganz Europa bekannt. Darüber hinaus treten bzw. traten Ceija, Karl und Mongo Stojka seit über einem Jahrzehnt unermüdlich als Zeitzeugen in verschiedenen Veranstaltungen, im Rundfunk und in Schulen auf.

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Persönlichkeiten » Die Stojkas

Ceija Stojka ist eine der bekanntesten österreichischen Roma-Vertreterinnen; sie ist nicht nur Autorin, sondern auch Sängerin und Malerin. Zu schreiben begann sie, um mit ihren eigenen Erinnerungen das Schicksal vieler Roma aus dem Verborgenen ans Tageslicht zu holen und damit auch gegen das Vergessen anzuschreiben. (7)

Materialiensammlung/Buch Wir leben im Verborgenen

Karl Stojka (1931-2003) ist der Bruder von Ceija Stojka. Auch er war Überlebender der Konzentrationslager, Zeitzeuge und vor allem Maler, hat aber auch etliche Bücher verfasst. In seiner Kunst – in den Bildern wie in den Büchern – hält er seine Erinnerungen fest, viele schreckliche und einige schöne. Sein letztes Buch "Wo sind sie geblieben ...?" zeigt "die Gesichter ... von 400 [im Nationalsozialismus] gequälten, geschundenen, gefolterten und getöteten Roma und Sinti und von Juden, die mit Roma und Sinti verheiratet waren". (Stojka 2003 (8))

Karl Stojka
Karl Stojka

Ali Krasnići ist einer der herausragenden zeitgenössischen Schriftsteller unter den Roma. Geboren 1952 in Crkvena Vodica im Kosovo, gehört er den Gurbet, einer Gruppe von Vlach-Roma, an. Er beginnt, was für Roma ungewöhnlich ist, an der juristischen Fakultät von Obilić zu studieren; zu dieser Zeit nimmt sein Entschluss, sich der Literatur zuzuwenden, immer konkretere Formen an. Innerhalb weniger Jahre wird Krasnići zu einem der bekanntesten Roma-Autoren im ehemaligen Jugoslawien. Er schreibt neben Kinderbüchern Drehbücher, Hörspiele, Lyrik, Dramen und vor allem Prosa in Romani; seine Bücher gibt er, wann immer möglich, zwei- oder sogar dreisprachig in Romani, Serbisch sowie Albanisch oder Englisch heraus. Im Zuge des Kosovo-Krieges wurde er mit seiner Familie aus der Heimat vertrieben; die Krasnićis verloren ihr gesamtes Hab und Gut und lebten 2003 immer noch im Flüchtlingslager in Kragujevac.

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Persönlichkeiten » Krasnići, Ali

Roma-Politik

Abgesehen von Musikern, Autoren, Schriftstellern usw. gibt es unter den Roma unzählige Persönlichkeiten, die sich für die Anliegen und Rechte der Roma engagieren. Sie alle zu nennen, ist an dieser Stelle unmöglich; stellvertretend und beispielhaft für alle anderen sei hier Nikolae Gheorghe erwähnt.
Gheorghe, geboren 1946 in Rumänien, ist Soziologe und Roma-Aktivist. Seine Roma-Abstammung, seine Sozialisation, die zu einem großen Teil unter Gadže stattfand, sowie sein unermüdlicher Einsatz für die Rechte der Roma machen ihn zum prototypischen Vermittler zwischen Roma und Nicht-Roma. Seit 1999 ist er als "Advisor for Roma and Sinti Issues" für die OSZE tätig.


Nikolae Gheorghe
Nikolae Gheorghe
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Persönlichkeiten » Gheorghe, Nikolae
1 Wenn hier von Roma-MusikerInnen gesprochen wird, muss erwähnt werden, dass Frauen in der Öffentlichkeit vor allem als Sängerinnen in Erscheinung treten; abgesehen davon ist Roma-Musik eine vor allem männliche Domäne.
2 Nikolić, Mišo (2000) ... und dann zogen wir weiter. Lebenslinien einer Roma-Familie, Klagenfurt: Drava (siehe Materialiensammlung/Buch) und Nikolić, Mišo (2000) Landfahrer, Klagenfurt: Drava.
3 Informationen über die Arbeit Jan Sajkos und die Bilder der Kinder von Jarovnice siehe: http://ematusov.soe.udel.edu/jano/
Zur Roma-Siedlung in Jarovnice siehe auch: http://www.romove.cz/en/article/18679/
4 Märchen und Lieder von Johann "Kalitsch" Horvath, Paula Nardai und vielen anderen siehe Materialiensammlung/Buch O rom taj o beng / "Der Rom und der Teufel" mit zugehöriger CD Materialiensammlung/CD Schun, so me phukavav ... / "Hör, was ich erzähle ..."
Beispiele für die Oraltradition der Roma siehe Materialiensammlung/Buch und Materialiensammlung/CD: diverse Märchen, Erzählungen und Lieder
5 Eder, Beate (1993) Geboren bin ich vor Jahrtausenden ... Bilderwelten in der Literatur der Roma und Sinti, Klagenfurt: Drava.
6 Franz, Philomena (2001) Zwischen Liebe und Hass. Ein Zigeunerleben, Norderstedt: BoD GmbH.
Weitere Informationen zu Philomena Franz.
7 Zum Film Ceija Stojka. Porträt einer Romni siehe Literatur, Filme und Links
Lieder von Ceija Stojka siehe Materialiensammlung/CD Kodo phende e Romora ...
8 Stojka, Karl (2003) Wo sind sie geblieben? Oberwart: edition lex liszt 12.
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